Zwischen Meditation und Bullenschiessen

Australia Travel Blog

 › entry 1 of 2 › view all entries

Monate Australien, und ich hab viel dazu gelernt, denk ich zumindest... Als ich in Sydney gelandet bin, hats wie aus Eimern geschuettet und ich war zum ersten mal auf meiner Reise wirklich allein, da ich mich ja von meiner Schweizer Begleitung in Neuseeland hab verabschieden muessen. Da war ich dann schon ziemlich deprimiert und hab mir mehrmals gedacht, dass ich in Neuseeland haette bleiben sollen. Hab mich dann dazu entschlossen die Ostkueste raufzufahren und mir in Byron Bay, ein Ort den ich noch von meiner letzten Australienreise in Erinnerung hab, einen Job zu suchen. Byron Bay ist nur ein winziger Fleck, der aber durch seine Bewohner zu Beruehmtheit gelangt ist. Hier kann man den Rest der Hippies treffen, die von Woodstock noch uebriggeblieben sind, und noch jede Menge andere kuriose Gestalten. Im Laufe der Jahre hat sich der Ort einerseits zur Anlaufstelle fuer New-Age Spinner und Moechtegern-Spirituelle aus aller Welt entwickelt, die sich von Selbstanbau und Ziegenzucht ernaehren und in Filz und Birkenstock herumlaufen und andererseits hat der Ort sich zum australischen Zentrum fuer TCM und alle moeglichen asiatischen Kampfsportarten etabliert. Das hat mich interessiert und dashalb bin ich da einen Monat lang geblieben. Ich hab mir einen Job gesucht und gefunden. Hab ein Haus gebaut. Das war eine ganz neue Erfahrung. Hab bei der Konstruktion und beim Bau selbst geholfen und man hat mir gesagt, dass ich ein Haendchen fuer Handwerkerarbeiten haette....hmm vielleicht sollt i nach australien gleich auf Montage nach Russland gehen. Soll ja viel Geld zu machen sein...hehe. Gewohnt hab ich zuerst bei den Leuten, die das Haus gebaut haben und danach bei einem Hindu in seinem Wohnwagen um Geld zu sparen. Sein Job war, den Park in dem er seinen Wohnwagen stehen hat, zu pflegen. Er hat mir das zweite Zimmer in seinem Wohnwagen angeboten, wenn ich dafuer jeden Tag das Laub im Park zusammenreche. War ein fairer Deal. Er hat mir auch beigebracht, wie man sich effektiv von Rohkost ernaehrt und er hat mit mir sein Wissen ueber Pflanzenzucht geteilt. Gezuechtet hat er allerdings nur eine Pflanze - Marijuana, in seinem Garten, der fuer alle Welt zugaenglich war. Er hat mir gezeigt, wann und wie man am besten erntet und wie man das teure Gut am besten trocknet. I hab die Welt nimmer verstanden. Grasrauchen is in dem Ort so normal wie Milchtrinken. Jeder raucht. Alt und jung. An der Stellle muss ich auch noch festhalten, dass es in dem ort mehr Bayern als in Bayern gibt ( nennen den Ort deshalb auch manchmal Bayern Bay) und ich muss wohl nicht dazu sagen, das unsere bayrischen Brueder sehr darauf bedacht sind, die lokale Wirtschaft anzutreiben, indem sie sich kraeftig an der besagten stimmungsaufhellenden Pflanze guetlich tun....

Wie auch immer, nach einem Monat Chai Tee und Ingwerkeksen wars fuer mich Zeit was neues zu entdecken. Bin nach Darwin rauf, wo ich mir einem Job mitten im Outback gesucht hab. Das war nach fast nur vegetarischem Essen eine 180 Grad Drehung. Hab auf einer Krokodilfarm gearbeitet, die 300 Kilometer vom naechsten Ort entfernt is. Es is schon traurig, wenn man feststellen muss, dass man ohne moderne Kommunikationsmittel wie Handy oder Internet kaum noch existenzfaehig is. Der naechste nachbar wohnt 20 kilometer entfernt. Der hat eine richtige Rinderfarm (Station) mit 2500 quadratkilometer grund, um seine Rinder zusammen zu treiben hat einen eigenen hubschrauber....und das ist eine der kleinen farmen. Ich hab mir sagen lassen, die groeste Station in Australien hat eine Flaeche von 12 000 qkm. Das muss man sich mal vorstellen...110 mal 110 kilometer. Hab nach geschaut, Kaernten hat eine groesse von nicht mal 10 000 qkm.....Bin auf der Krokodilfarm (nur 1qkm) drei Wochen gewesen und war fuer die Aussenwelt nicht zu erreichen. Das hat mich ganz schoen nervoes gemacht. Auf der Farm gabs 5000 Krokodile, von Babys (ca. 15 cm) bis zu den alten Viehern (6m). Die Tiere werden fuer Leder und Fleisch gezuechtet und dann verkauft. Angeblich enden die Tiere, die von dieser Farm kommen, in Frankreich als Louis Vuitton Handtaschen. Der Farmer leiht sich einmal im Jahr den hubschrauber und den Piloten des Nachbarn und fliegt mit einer Glock bewaffnet in den Busch um Krokoeier zu sammeln. Einmal waer die sache fast schief gegangen, da haett ihn ein muttertier fast umgebracht. Er hat mir seine narben auf brust und ruecken gezeigt. Jede narbe schaut aus wie ein einschussloch. Das erklaert auch wozu er eine Glock braucht. Fuer den Nahkampf. Dem Framer nach ist die Glock ein verlaessliches oesterreichisches Produkt....Im Grunde ist eine Krokodilzucht wie Rinderzucht, mit dem Unterschied, dass man aufpassen muss, dass man nicht gefressen wird. Unsere Aufgabe wars jeden tag die Boxen der Babys zu reinigen und das Fleisch fuer die Fuetterung vorzubereiten. Da muss ich sagen, waer ich auch tatsaechlich fast zum vegetarier geworden... Man muss wissen, dass Krokodile sehr empfindliche Tierchen sind, sie machen praktisch alles nur bei einer bestimmten Temperatur und das sind genau 33 Grad Celsius. Bei dieser Temperatur essen sie und brueten ihre eier aus. Haben sie zu wenig Temperatur verweigern sie das Essen und sie duerfen auch immer nur von derselben Person gefuetter werden. Der geruch einer fremden Person iritiert sie. Dann fressen sie nicht. Die Temperatur bestimmt auch das Geschlecht der Eier. Sie duerfen auch kein frisches Fleisch essen, weil die armen Vieherln dann Blaehungen bekommen und sterben...ich nehm mal an, das ist eine Kolik. So und das ist auch der Grund, weshalb wir fleisch schneiden mussten, das schon am verwesen war...den Geruch bekommt man so schnell nicht wieder aus der Nase. Tonnen von Fleisch, jeden Tag. Kuehe, Esel, Pferde, Kaengurus, Schafe, Ziegen, kamele....und tonnen von Huehnerkoepfen. Huehnerkoepfe haben sie gern, so als snack. geben zwar nicht viel her, sind aber schoen knusprig.... Ein Highlight wars, wenn wir neue bullen zum schlachten geliefert bekommen haben. der farmer hat sie im Gehaege erschossen und ich musste sie dann mit einer kette an den beinen an den truck haengen (nicht so einfach, wenn sie noch strampeln) und sie zum schlachtplatz schleifen. der schlachtplatz ist 2 kilometer vom gehaege entfernt, was bedeutet die bullen ueber stock und stein zu schleifen, wenn ich dort angekommen war, hatten die bullen auf einer seite fast keine Haut mehr dran, alles abgeschliffen und man konnte auch schoen sehen, wo ich gefahren bin - dicke blutspur. komischerweise war das immer das ereignis bei dem ich mich fast uebergeben musste. das haueten der tiere hinterher, war dann gar nicht mehr so schlimm... Was mich bei der ganzen fleischsache gestoert hat, war nicht die zubereitung an sich, immerhin muessen die krokodile ja was zu fressen haben (man koennte an dieser Stelle auch den sinn einer Krokodilzucht diskutieren), was mich gestoert hat, war wie die leute da voellig respektlos mit dem fleisch umgegangen sind. Eigentlich haett ich den job schon nach 2 tagen hinschmeissen moegen, aber ich hatte einerseits nicht die moeglichkeit von der fram wegzukommen und andererseits hab ich mir gesagt, das die geschicht fuer mich nur lehrreich sein kann. ich hab jetzt definitiv eine andere einstellung zu fleisch.

Die westkueste hab ich zuvor noch nie gesehen, bin deshalb nach perth runtergeflogen und hab mir dort wieder einen job gesucht. Perth ist eine sehr schoene stadt. gefaellt mir besser als sydney oder melbourne. hab wieder einen farmjob gemacht (rinder und ziegen), diesmal richtige station work, was bedeutet mit truck und quad das gelaende abfahren und zaeune reparieren. die arbeiter haben eigne wohngebaeude mit kueche, wohnzimmer, usw. geschlafen wird in schaererquartieren, jeder hat sein eigenes zimmer. hab immer mit licht geschlafen, wegen der maeuse... maeuse gabs ueberall... wer mich kennt, weiss, dass nagetiere nicht meine freunde sind... mussten alle lebensmittel in den kuehlschrank geben, auch brot usw., weil die vieher sehr einfallsreich sind und alles anknabbern. einmal ist eine im geschlossenen ofen gesessen, moecht wirklich wissen, wie sie's geschafft hat da reinzukommen. da sieht man mal, wie ruhig i inzwischen schon geworden bin, sowas kann mi gar nimmer so auf die palme bringen. gut, wenn i maus seh, hab i kurzfristig immer noch a pulsfrequenz knapp vorm herzinfarkt, aber schreien tu i nur noch innerlich.... gestern, inzwischen bin i in vietnam, hab i passfotos machen lassen fuer mein kambodscha visum, und waehrend ich in dem mit menschen ueberfuellten laden auf die bilder gewartet hab, is mir a ratte ueber die zehen gelaufen. gut, gelaufen is zuviel gesagt, eher gerollt. sie war a bissi dick und alt. was hab ich gemacht? ich bin ganz ruhig geblieben, hab die einheimischen, die mi mit einem das-is-ganz-normal-grinsen angelaechelt haben, ignoriert, bin rausgegangen und bin dort a bissi hysterisch auf und abgehuepft. hab aber nicht geschrien und nur ein bisschen geweint...ein oder zwei schocktraenen. so im griff hab i mi schon...bin stolz auf mich.

also, das waren meine 3 monate australien, ich hab eine sehr gute zeit gehabt, viele leute kennengelernt. natuerlich hauptsaechlich deutsche...

Join TravBuddy to leave comments, meet new friends and share travel tips!
Sponsored Links