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Pokhara, Partystadt

Pokhara Travel Blog

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Hab Lumbini verlassen und bin nach pokhara gefahren. Pokhara ist eine Stadt, die vom Annapurnamassiv umgeben ist. Mehrere Achttausender. Ich hab eigentlich nicht vorgehabt da hin zu fahren, aber nachdem mir jeder empfohlen hat es mir anzusehen und alle leute, die ich inzwischen kenne dort waren,hab ich beschlossen auch hin zu fahren. die fahrt war natuerlich wieder ein himmelfahrtskommando. der bus sehr alt, die schlagloecher riesig. wie gehabt. bei einem sprung durch ein schlagloch bin ich irgendwo mit dem zehennagel haengengeblieben. der halbe nagel ist ab. weiss nicht, ob ich so in einen geschlossenen schuh reinkomm. koennte beim trekking schwierigkeiten machen. pokhara war fuer mich dann aber eine enttaeuschung, weil das wetter in den letzten tagen umgeschlagen ist und es sehr heiss und damit dunstig war.
ich hab die berge also nicht sehen koennen. die anderen waren schon ein paar tage frueher da und konnten paragliden mit einer super sicht auf die berge. naja, hat bei mir nicht funktioniert. war also ei bissi angefressen, weil die anstrengende fahrt hierher umsonst war. ausserdem ist pokhara eine partystadt. hier bekommt der europaeer alles was das herz begehrt. spaghetti, burger, cocktails. die anderen waren begeistert. mir gings auf die nerven. ich mein, ich fahr doch nicht nach nepal, damit ich dann in einem club sitze und cocktails schluerfe. natuerlich steht auch mir drei mal taeglich dhal baat schon bis zum hals, aber burger...das ist dann doch dekadent. ausserdem ist das schon ein krasser gegensatz. hier die voll westliche welt und wenn man zwei kilometer aus der stadt rausfaehrt, nepal pur.
leute in holzhuetten. pervers. teuer is es natuerlich auch. damit die fahrt aber nicht ganz umssonst war, hab ich eine raffting tour gebucht. das hat sich gott sei dank ausgezahlt. war eine super truppe mit der ich das gemacht hab. es ist immer wieder interessant, Leute zu treffen, die schon laenger in nepal sind und bei den einheimischen gewohnt haben. Da war ein schotte dabei, richtiger schotte mit langen roten haaren und rotem bart, harter kerl. er hat erzaehlt, dass er sich den blinddarm rausnehmen lassen musste. in irgendeinem bergkaff. er sagt er hat hier schon viel erlebt, und vertrage so einiges, aber der "krankenhaus"aufenthalt ging ihm sehr an die substanz. naja, er hats immerhin ueberlebt. ich sterb schon bei der vorstellung daran.

wir sind einen fluss im dschungel runtergefahren. die gegend sehr schoen, der fluss auch aber leider ein bissi verschmutzt. haben auf einer sandbank (weisser feiner sand) unser lager aufgeschlagen und dort uebernachtet. in der naehe gabs ein dorf, drei holzhuetten. ueberhaupt die ganze strecke den fluss entlang ist sehr urspruenglich. die doerfer, die am fluss liegen kann man nur ueber beschwerliche pfade und mit eseln erreichen. abends kam einer der hiesigen bauern daher und hat die tourguides mit rakshi und marihuana versorgt. Rakshi ist das Nationalgetraenk, irgendeein aus reis und einer schwindligen beere vergorener saft. Hab davon gekostet, aber dann die finger davon gelassen. wurde schon zuvor von meiner schweizer kollegin gewarnt, die damit einmal bekanntschaft gemacht hat.
sie hatte innerhalb einer halben stunde einen ganz schlimmen rausch. Mit dem marihuana in diesem land ist das so eine sache. die pflanzen wachsen hier wild durch die gegend, man braucht sich eigentlich nur zu bedienen. gibt sogar ein marihuanafest (ende februar), wo, wie man mir erzaehlte, sich wirklich alle zu kiffen. der bauer jedenfalls verkaufte einen sack voll davon um 85Rp (ca. 70 cent). ein lohnendes geschaeft...
am naechsten tag sind wir noch eine weile den fluss runtergefahren, haben dann noch wo zu mittag gegessen und die dann die sachen zusammengepackt. ich wollte gleich direkt nach kathmandu weiterfahren um nicht wieder nach pokhara zurueck zu muessen. so kam es, dass die tourguides einfach auf der strasse einen bus anhielten und mich hineinverfrachteten.
und hier hab ich dann das lustigste seit einer ganzen woche erlebt....
man muss wissen, in nepal gibt es zwei arten von bussen. einen touristen bus und einen sogenannten localbus. optisch und im komfort unterscheiden sich die beiden nicht von einander. ich glaub der unterschied besteht hauptsaechlich darin, dass im einen keine huehner mitfahren duerfen. hab sogar mal eine kuh in einem localbus gesehen. naja, war ein kalb, aber immerhin. wie es also der teufel will, lande ich in einem localbus, der bis oben hin ueberfuellt ist. und damit meine ich wirklich ueberfuellt. die leute sitzen teilweise uebereinander. da stehe ich also und ca. 50 nepali, hauptsaechlich bauern (haben ihre ware gleich mit in den bus gebracht), gaffen mich mit offenen muendern an.
fragte mich, was es da so zu gaffen gibt, kann ja schlieslich nicht das erste mal sein, dass sie eine touristin sehen (war die einzige touristin im bus). und als ich dann so an mir heruntergesehen hab, ging mir ein licht auf. ich hatte voellig vergessen mich nach dem rafften umzuziehen. ich trug immer noch den bikini und darueber ein weisses t-shirt und weisse hosen. nachdem ich noch nicht ganz trocken war, konnte man den bikini noch ziemlich gut durchsehen. nachdem nepali niemals im bikini rumlaufen, muss ich also einen recht merkwuerdigen anblick geboten haben. ihren blicken nach zu urteilen, war mein anblick fuer sie eigentlich nicht unbedingt verwerflich, sondern einfach nur so, als wuerd ich von einem voellig anderen stern kommen. ich hatte also keinen platz und hab mich auf einen der reissaecke am boden gesetzt.
der dazugehoerige bauer hatte da aber was dagegen. wahrscheinlich weil ich keine hiesige bin. musste also wieder aufstehen, wobei stehen ein relativer begriff ist. in einem nepali bus ist es fuer einen europaer nicht moeglich aufrecht zu stehen. ich stand also 2 minuten bis ich von ganz hinten auf der bank einen der bauern winken sehe. er hat fuer mich ein viertel eines platzes freigemacht. ich kaempfe mich also ueber die reissaecke und unter der niedrigen decke durch. komme mir dabei wie schnewittchen bei den 7 zwergen vor. die rueckbank ist eigentlich fuer 5 leute gedacht. da sitzen bereits 6 leute und das gepaeck einer inderin, die sich partout nicht dazu ueberreden liess, das gepaeck auf den boden zu stellen, damit wir alle mehr platz haetten.
ich nahm also platz und laechle die bauern dabei dankbar an. die laecheln zurueck. es ist eng, aber alle sind zufrieden. die inderin beginnt mir fragen zu stellen. hab ihr mehrmals versucht zu erklaeren, dass ich ihre sprache nicht verstehe. kein hindernis fuer sie. hat mich zwei stunden lang unterhalten und mir wahrscheinlich ihre ganze lebensgeschichte erzaehlt. danach waren wir richtig gute freunde. sie hat sich bei mir so wohl gefuehlt, dass sie irgendwann eingeschlafen ist und ihren kopf vertrauensvoll auf meine schulter gelegt hat. hab mich also den rest der fahrt, immerhin weitere drei stunden, kaum bewegt. wollte das zarte band unserer freundschaft nicht zerstoeren, indem ich sie aufwecke. mit den bauern hab ich mich dann weiter unterhalten.
sie haben mir was erzaehlt, dann ich ihnen was. sie koennen kein wort englisch und ich nur einen satz nepali. war aber lustig. haben nach jedem satz einvernehmlich gelacht. was hatten wir fuer einen spass. ich muss sagen, die nepali sind wirklich ein unglaublich freundliches volk. es hat vielleicht eine zeit gedauert mich an das alles zu gewoehnen, aber jetzt will ich eigentlich gar nicht mehr weg von hier. ueberleg mir, ob ich hier nicht noch eine zeit anhaenge. bin aus dem bus mit schweren muskelschmerzen ausgestiegen, hab mich aber koestlich amuesiert.
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Pokhara
photo by: Makkattack