Mer sin in Leipzsch

Leipzig Travel Blog

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Meine Tante Elke und Frank, die sich so lieb um mich gekümmert haben

Liebe Leute,

die erste Etappe ist geschafft, ich bin in Leipzig. Gott sei Dank...

Wie immer, war die Uhr nämlich mal wieder schneller als ich und ich stand erst um 14:30 Uhr in Elster an der Straße. Die erste Fahrt nach Wittenberg war in höchstem Maße amüsant, denn die Fahrerin war eine patente 70jährige und ihr Fahrstil komatös langsam. So blieben uns während der 15 Kilometer bis zur Lutherstadt knappe 30 Minuten für eine angeregte Unterhaltung. Die Frau kannte meine Familie und lauschte dankbar den Berichten über das momentane Treiben meiner Verwandschaft. Zum Abschied spendierte ich ihr noch einen dieser wunderbaren Hustenbonbons, die mir meine Oma kurz vorher noch mit auf den Weg gegeben hatte. So waren wir beide glücklich und verabschiedeten uns herzlich.

Dann wurde es weniger lustig: Da ich ohnehin schon zu spät war und in Wittenberg noch einiges zu erledigen hatte und seltsamerweise auch an jeder Ecke Leute traf, die ich kannte, fing ich natürlich viel zu spät, erst um 18:30 Uhr, an meinen Daumen auszustrecken. Nach 20 Minuten fragte mich eine Mittvierzigerin - auch Mitglied im Hospitality Club - ob sie mich mit in den nächsten Ort, bis nach Pratau nehmen solle. Ich war dumm und sagte ja, ohne zu bedenken dass die B2, meine Aorta an diesem Tag, um Paratu herum verläuft und es keine gute Idee wäre, sich bei einsetzender Dämmerung an die Auffahrt oder gar die Schnellstraße selbst zu stellen. Fazit: Ich saß fest! Während es um mich herum immer dunkler wurde, versuchte ich verzweifelt wenigstens bis nach Eutzsch zu kommen, wo die B2 wieder durch den Ort verläuft. Doch niemand war bereit anzuhalten, bis dann ein netter Herr anhielt und mir anbot, mich bis dorthin zu fahren, obwohl er eigentlich in die entgegengesetzte Richtung musste.

Eine weitere halbe Stunde später, die ich an der Straße in Eutzsch verbrachte, kam mir ein gelber Audi A3 entgegen, der mir schon öfters aufgefallen war. Er fuhr vorbei, um eine Minute später wieder zurückzukommen und neben  mir anzuhalten. "Was machst du denn hier?", fragte mich der Fahrer, den ich nach genauerem Hinsehen als einen Bekannten aus Elster erkannte. Er wollte zu seiner Freundin und bot an, mich mit bis nach Gräfenhainichen zu nehmen. Ich war begeistert von seinem Vorschlag, doch musste wenig später feststellen, das Gräfenhainichens Verkehrssystem ähnlich tramperfreundlich ist, wie das in Pratau. Da es schon finster war und ich nicht die geringste Lust verspürte gleich am ersten Abend am Kühlergrill eines Wagens zu enden, der  mit Tempo 100 über die ausgebaute Umgehungsstraße ballert, entschied ich mich den Rest des Weges mit dem Zug zurückzulegen und bat meinen Freund, mich dorthin zu bringen. Gerade angekommen stellten wir fest, dass seine Freundin mit demselben Zug ankommt, der mich nach Leipzig bringt und er wartete die knappe Stunde mit mir. Wir erzählten dummes Zeug darüber, dass seine Freundin plötzlich doch nicht in dem Zug wäre. Er würde sie anrufen, fragen wo sie sei, sie würde antworten "Gerade aus dem Zug ausgestiegen" und schwupps wär die Affäre aufgedeckt. Und siehe da: Als der Zug kam und ich mich bedankt und verabschiedet hatte, war die Gute weit und breit nicht auszumachen. Vom Ausgang der Geschichte kann ich leider nicht mehr berichten, da ich ja einsteigen musste, aber ich hoffe sehr, dass sich der Rest unserer Prophezeiungen nicht auch noch bewahrheitet hat.

Um 22:30 war ich dann endlich bei meiner Tante, die mich herzlich aufnahm und verwöhnte (auch hier noch einmal tausend Dank!). Hier konnte ich bei einem deftigen Abendessen meinen nicht mehr vorhandenen Energievorrat wieder auffüllen und den Abend bei dem/den abschließenden "Zigarettchen" und einem Glas schweren, spanischen Rotweins, den Abend ausklingen lassen. Wir führten eine intensive Unterhaltung und ich war glücklich, festzustellen, dass sie einen Großteil meiner Einstellung teilt. "Schiffe liegen sicher im Hafen, aber dafür sind Schiffe nicht gebaut", sagte sie dann zu mir und ich war mir sicher, dass ich heute den ersten Schritt eines wichtigen und vor allem richtigen Weges zurückgelegt habe. Ein schönes Gefühl, mit dem ich wenig später erschöpft und todmüde in mein Bett fiel.

Erkenntnis des Tages: Ich habe keine Lust, im Hafen zu verfaulen.

Held das Tages: Björn Däumichen im gelben A3

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photo by: aloneinthecrowd