Je suis en France enfin!

Amiens Travel Blog

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Zwei, die sich gefunden haben: Chloé und ich
Ja, ich bin endlich in Frankreich, doch nur weil wieder das Glück auf meiner Seite stand. Eigentlich stand es nicht nur auf meiner Seite, sondern hat eine wahre Schlacht für mich geschlagen, die ich vom Zaun gebrochen hatte, indem ich mir einmal mehr reichlich Zeit ließ. Vor meiner Abreise wollte ich den sonnigen Samstag noch für einen Rundgang durch das mittelalterliche Gent nutzen. Das war wirklich ein wahrer Schmaus für meine Augen, denn Gent vereint auf dem laufbaren Terrain einer kleinen Studentenstadt alles, was Belgiens historische Architektur zu bieten hat. Ich genoss es, die Natursteine der alten Gebäude im Sonnenlicht glühen zu sehen und suchte immer neue Ecken und Perspektiven, da ich gar nicht genug bekommen konnte.
Endlich angekommen: Der Tour Perret war das erste, was ich von Amiens sah
Natürlich wäre es auch blanker Frevel gewesen, im Mutterland der Pommes noch nicht eine Portion davon genossen zu haben und so stärkte ich mich am Ende meiner Tour noch in Ruhe für die vor mir liegende Etappe.

Es war also schon fast um sieben, als ich anfing zu trampen. O
bwohl es den ganzen Tag sonnenklar gewesen war, begann mein treuer Begleiter Regen nach nicht einmal fünf Minuten, ein wahres Trommelkonzert auf meiner Jacke zu geben. Dementsprechend schnell hatte sich auch mein Schild aufgelöst und ich hielt einfach so den Daumen raus während das Wasser auch in die tieferen Schichten meiner Kleidung vordrang. Alle fünf Minuten stoppte mitleidsvoll ein Wagen doch dummerweise waren alle auf dem Weg in die entgegengesetzte Richtung.
Weihnachtsstimmung: Amiens Straßen hell erleuchtet
Es kam mir vor wie eine kleine Ewigkeit, bis endlich eine junge Frau anhielt, um mich wenigstens zur nächsten Raststätte entlang der Autobahn mitzunehmen. Sie schluckte, als ich ihr erzählte, dass ich noch bis nach Amiens kommen wollte und riet mir, sie lieber auf eine Party
zu begleiten und mein Glück am nächsten Tag zu versuchen. Ich erinnerte mich daran, dass ich die gleiche unmoralische Situation schon in Utrecht erlebt hatte und entschied mich, auch dieses Mal auf den Flügel zu setzen, der mich deckt.

An der Raststätte wimmelte es von Leuten, die seltsamerweise angaben, nach Brüssel zu fahren und auch dann noch darauf beharrten, als ich sie freundlich darauf aufmerksam machte, dass das in die komplett entgegengesetzte Richtung läge und sie doch ein französisches Kennzeichen hätten.
Da lachte ich noch: Kaum nachdem ich das Trampen begann, brach ein Unwetter los
Manche Menschen sind wirklich schlechte Lügner. So dauerte es fast eine halbe Stunde bis sich ein junges Pärchen nach reichlicher Diskussion breit erklärte mich einige zwanzig Kilometer weiter zu bringen. Nun war Brüssel wirklich keine passende Ausrede mehr und es dauerte zum Glück auch nicht lange, bis ich einen älteren  Franzosen fand, der auf dem Weg nach Paris war. Er nahm mich eine gute Stunde lang in seinem Wagen mit, bevor er mich an einer Tankstelle absetzte.

Hier war ich nun und wusste, dass es jetzt wirklich schwer werden würde, da die Uhr bereits neun schlug und ich zu allem Übel auch noch die Autobahn wechseln musste, um nach Amiens zu kommen. Dieses ungute Gefühl verstärkte sich zur Gewissheit, gestrandet zu sein, als ich bemerkte, dass nur etwa alle zehn Minuten ein Auto an der Zapfsäule Halt machte. Nach guten zwei Stunden des Wartens hatte ich praktisch aufgegeben, denn es war schon um elf und die Autobah nahezu leergefegt. Ich überlegte schon, wie ich den Angestellten der Tankstelle am besten davon überzeugen konnte, mich im Foyer schlafen zu lassen, als ich endlich die erlösende Antwort hörte: "Amiens? Mais bien sûr!"

Ludo war der Name meines Retters und es schien, als ob wir an diesem Tag beide Glück haben sollten. Mein Glück war es, dass sein Tank fast leer gewesen war und ich ihn so gefunden hatte und seines, dass die Zollbeamten etwas nicht gefunden hatten, als sie sein Auto auf dem Rückweg von den Niederlanden auseinandernahmen. So konnten wir beide unser Glück kaum fassen und brachen jedes Mal, wenn wir uns schweigend ansahen in Lachen aus.

Um halb eins stand ich dann endlich vor der Kathedrale von Amiens, wegen der ich eigentlich hergekommen war und das Wort Freude war kein Ausdruck, für das, was ich in diesem Moment fühlte. Ich ging durch die Straßen, die in weihnachtlichen Farben mit Lichterketten erleuchtet waren und suchte die Bar, in der meine Gastgeberin Chloé mit zwei Freunden auf mich wartete. Sie konnte es ebenso wenig glauben, dass ich wirklich angekommen war und zur Feier des Tages orderte ich einen meiner geliebten Caipirinhas, von denen ich mir bisher noch keinen einzigen gegönnt hatte. Nun war alles in Butter, denn ich war am Ziel und verstand mich mit Chloé mehr als nur fabelhaft. Nichts konnte mich mehr erschüttern, als wir den Abend bei reger Unterhaltung in zwei weiteren Bars fortsetzten. Als ich dann auch noch hörte, dass Chloé zu Silvester auch nach Barcelona kommt, setzte das meinem Glück die Krone auf und ich war nach diesem Abenteuer wirklich sicher, auf dem richtigen Weg zu sein.

Erkenntnis des Tages: Warum aufgeben?

Held des Tages: Ludo, mein Retter
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Amiens
photo by: buddieshot