Es geht voran!

Antwerp Travel Blog

 › entry 24 of 77 › view all entries

Das Wochenenende war vorbei doch ich fühlte mich überhaupt nicht so. Die Party am Samstag war die dritte in Folge und steckte mir noch gehörig in den Knochen. So ließ ich es ruhig angehen und der Nachmittag war schon fast vorbei, als ich mit Floris in Richtung Lier aufbrach. Berlaar war ungefähr so groß wie Elster und es gab auch nur eine Hauptstraße, an der wir uns mit ausgestrecktem Daumen postierten. Schon auf dem Hinweg dachte ich darüber nach, dass es wohl nicht lange dauern würde, bis wir auf irgendeinen Bekannten von Floris stoßen, der uns nach Lier mitnimmt. Und siehe da: Fünf Minuten später stoppte ein Wagen mit zwei Freunden von Maarten und Floris und wir waren im Handumdrehen in Lier.

Floris wollte mir die Stadt zeigen, da sie sehr alt und wirklich traditionell Belgisch ist. Das stellte sich nach einem kurzen Rundgang auch schnell unter Beweis, als wir von Neugierde getrieben ein Haus am Marktplatz betraten. Dort hatten sich einige Leute versammelt, um den alten Brauch der Kantstickerei, der Lier einen landesweiten Ruf beschert hat am Leben zu erhalten. In Handarbeit fertigten sie die Kleider einer riesigen Puppe der Frau des Stadtheiligen und Floris und ich betrachteten neugierig die wunderschönen Skizzen und bereits fertig gestellten Stücke. Man bemerkte unser Interesse schnell und eine alte Frau nahm sich Zeit um uns etwas mehr zu erzählen. Ich war stolz wie Oskar, dass ich die Legende um den Heiligen auf Niederländisch verstand und beschloss, die Unterhaltung mit Floris in der Landessprache weiterzuführen.

 Das funktionierte auch dann noch ganz gut, als wir unseren Belgien-Kompaktkurs bei einem abschließenden "Duvel" beendeten.

Da die Busfahrer in Belgien dank eines neuen und zugegebenermaßen seltsamen Gesetzes keine Fahrscheine mehr kontrollieren dürfen, trudelte ich eine Stunde später für lau bei Gwen und ihrem Bekannten Sven in Antwerpen ein. Dort wurde ich mit einem wunderbaren Abendessen empfangen und wir begannen schnell ein Gespräch, das wir den ganzen Abend angeregt fortführten. Gwen war komplett ruhig und schien sich um nichts wirklich Sorgen zu machen, was eine sehr angenehme, entspannte Atmosphäre ergab, die von Svens scheinbar endlosen Witzen aufgeheitert wurde. Ich fühlte mich sofort wohl und hatte die seltsame Ahnung, dass ich hier mehr erleben würde als gewöhnlich.

Am nächsten Tag wollte ich es mir nicht nehmen lassen, Antwerpen einen Besuch abzustatten. Die Stadt hat mich nicht wirklich vom Hocker gehauen da ihre Architektur größtenteils in grauem Betonklotzstil gehalten ist. Einige interessante Ecken gab es hier aber trotzdem zu entdecken, wie zum Beispiel das bekannte Diamantenviertel neben dem Bahnhof, wo ich die Augen zusammenkneifen musste um nicht vom Glanz des Luxus und Reichtums in den Schaufenstern der unzähligen Juweliergeschäfte geblendet zu werden. Klischeegetreu schließt sich danach das Judenviertel an und ich träumte mich ein wenig nach Israel als die bärtigen  Kippaträger mit ihren Schläfenlocken an mir vorbeizogen. Wirklich gemütlich wurde es dann rund um das historische Stadtzentrum am Grote Markt, das schon von Weitem durch den Turm der pittoresken Liebfrauenkirche auszumachen ist.

Je näher ich dorthin kam, desto mehr wichen die unansehnlichen Baubrocken kleineren historischen Häusern die für mich am besten beschreiben, wie Belgien ist. Sie haben große Ähnlichkeit mit den verträumten Giebelhäusern der Niederlande und sind doch wie alles hier ein wenig größer, massiver und mit einer reichlichen Portion ungehobelter aber heimeliger Rauheit versehen.

Am Abend wurde es dann wieder einmal unglaublich. Gwen erzählte mir, dass sie über den Hospitality Club jemanden zum Essen eingeladen hatte, um mit ihm über Themen ihrer Arbeit im Umweltschutz zu diskutieren. Ich war gerade dabei, unser Mahl mit meinen Kochkünsten zu traktieren als es klingelte und meine Kinnlade nach unten klappte. Die Stimme an der Tür war mir vertraut und ich wusste sofort, wem sie gehörte: Es war Maarten.

Als wir uns gegenüberstanden und auch er im ersten Moment glaubte, einen Knick in der Pupille zu haben, mussten wir wieder an unsere erste Begegnung denken: Alles ist eins!

Der Rest des Abends konnte also nur großartig werden und nach dem Essen, wofür ich mich ausnahmsweise einmal selbst loben muss, war der Umweltschutz bald vergessen. Stattdessen waren Maarten und ich vielmehr daran interessiert, unsere These auszuprobieren und erklärten Gwens drei Katzen zu unseren Versuchskaninchen. Wenn alles eins ist, müssten wir auch die Katzen sein und die Katzen wir und es müsste eine Möglichkeit geben zu kommunizieren, dieses Ganze zu steuern. Schon früher hatte ich beim Anblick dieser Tiere ein seltsames Gefühl, da es schien als besäßen sie eine eigene Persönlichkeit und ausgesprochen hohe Intelligenz, was sie den Menschen zumindest in den meisten Fällen sehr nahe bringt.

Diese ohnehin schon vorhandene Nähe müsste unser Experiment also noch vereinfachen und die Katzen waren die perfekten Testobjekte.

Wir begannen damit, die Tiere anzusehen, sie aufzufordern auch zu uns zu schauen, um das volle Bewusstsein der gegenseitigen Einheit zu erlangen. Schnell wurde uns klar, dass es dazu absoluter Ausgeglichenheit bedurfte, denn schon wenn einen von uns die geringste innere Unruhe durchzuckte, brach die Verbindung ab. Nachdem wir uns dessen bewusst waren, versuchten wir die Katzen zu uns kommen zu lassen und sie kamen nicht nur irgendwo hin sondern genau dahin, wo wir wollten: Auf die Rückenlehne des Sofas, zu unseren Köpfen. Dort verharrten sie eine Weile bis Maarten mich plötzlich ansah und sagte: "Gleich wird eine von ihnen aufstehen und sich dort drüben auf die Fensterbank setzen.

" Ich glaube, ihr könnt euch vorstellen, was kurz darauf passierte.

Es war unbegreiflich, dass diese Kommunikation überhaupt funktionierte, doch die Unglaublichkeit wurde noch gekrönt, als sich die drei Katzen kurze Zeit später auf unsere geistige Aufforderung hin auf den Rücken legten und von einer Seite auf die andere rollten. Ich weiß, dass das klingt, als hätte ich zu viel X-Factor geschaut und hoffe ihr denkt jetzt nicht, dass mich das ganze Reisen vollkommen bescheuert gemacht hat. Ich war weder vollkommen betrunken noch unter dem Einfluss anderer Drogen und weiß mit Sicherheit, was ich an diesem Abend erlebt habe. Egal, was ihr davon haltet, ich bin mir nun einer Sache sicher: Alles ist ein großes Ganzes.

Erkenntnis der Tage: Die einzige Zahl ist eins.

Held der Tage: Gwen und ihre Katzen

Join TravBuddy to leave comments, meet new friends and share travel tips!
Antwerp
photo by: skydiver