Endlich Me(e/h)r sehen

Rostock Travel Blog

 › entry 9 of 77 › view all entries
Endlich mehr sehen - wenn auch nur ein bisschen. Ein Blick über den Rostocker Stadthafen.

Rostock war nun angesagt. Als ich bei Jule erst ziemlich spät aufstand, freute ich mich schon riesig auf die Stadt, weil ich endlich das Meer sehen wollte. Zuerst musste ich aber noch einmal in die Schweriner Altstadt, denn eines wollte ich auch: mehr sehen. Ich hatte am Vortag, das unangenehme Gefühl, nur durch die Stadt gehetzt zu sein und alles ein Bisschen aber nichts ganz aufgenommen zu haben und beschloss, mir in Zukunft mehr Zeit für die einzelnen Städte zu nehmen beziehungsweise gezielt weniger Sachen auszusuchen und diese dafür intensiver wahrzunehmen.

So ging ich als erstes noch einmal zum Dom, wo ich das Glück hatte, genau zum Mittagsgebet anzukommen. Ich setzte mich in eine der Kirchenbänke und lauschte den Worten der Pfarrerin, während ich meinen Blick durch das schöne gotische Gebäude schweifen ließ.

Die Universität zu Rostock
Das Einzige, was mich bei meinem anschließenden Rundgang bei Orgelmusik nervte, war mein Rucksack, der mit der vollen Macht, die ihm seine 30 Kilogramm Gewicht dank der gnadenlosen Wirkung der Schwerkraft gaben, an meinem Rücken zerrte. Ein zufriedenes Gefühl durchströmte mich, als ich den Dom nach einer knappen Stunde in Richtung des Schweriner Sees verließ. Dort angekommen, ließ ich mich für die Dauer einer Postkarte und einer Zigarette auf einer Mauer des Stadtmuseums mit Blick auf das Schloss nieder, bevor ich dieser schönen Stadt endgültig Adé sagte und mit der Straßenbahn in Richtung Bundesstraße fuhr.

Es war schon fast um vier als ich meinen Daumen ausstreckte und ich hatte beim Gedanken an die Hassetappe von Berlin nach Wittenberge, bei der ich fabelhafte 30 Kilometer geschafft hatte, ein beunruhigendes Gefühl, denn von Rostock trennte mich noch mehr als das Dreifache dieser Distanz.

Noch einmal der Rostocker Stadthafen mit dem Büro und Hotelschiff "Georg Büchner" im Vordergrund.
Doch heute war alles anders. Es dauerte keine 10 Minuten, bis mich ein junger Versicherungskaufmann nach Wismar mitnahm, wo er mich an der Auffahrt zur A20 in Richtung Rostock absetzte. Dort hatte ich im Prinzip gerade erst mein Schild geschrieben und es waren höchstens 10 Autos an mir vorbei gefahren, bis ein silberner Ford anhielt. Das ältere Ehepaar darin war zwar ungefähr so gesprächig wie eine Horde Taubstummer, doch brachten sie mich bis ins Hansaviertel, von wo aus ich innerhalb von zehn Minuten bei meinen Gastgebern war und somit gerade einmal gute eineinhalb Stunden von Schwerin nach Rostock gebraucht hatte, was nicht viel mehr war, als wenn ich selbst gefahren wäre. "Geht doch!", dachte ich mir und klingelte an der Tür.

Dann lernte ich Lars und seine Feundin Nicole kennen, deren runder Bauch nicht übersehen ließ, dass die beiden schönerweise bald zu dritt sein würden.

Überbleibsel aus der Sowjetzeit: Das Denkmal des revolutionären Matrosen.
Sie machte sich bald daran, das Loch, wo sich normalerweise mein Magen befindet, mit einer großartigen indischen Suppe zu füllen, wofür sie ein Riesenlob verdient hat. Lars führte mich dann noch in den Genuss eines Hefeweizenbieres ein, bevor wir den Tag gegen elf vergleichsweise früh beendeten. Am nächsten Tag wollte ich Rostock unsicher machen.

Und das habe ich auch ganz gut geschafft. Gegen Mittag startete ich zu einem groß angelegten Stadtrundgang. Ich ließ mich einfach durch die Straßen treiben und hatte am Ende gute 10 Kilometer zurückgelegt (siehe Review). Der Tag war großartig und der Sonnenschein wurde nur von einigen Schönwetterwolken unterbrochen. Ich ging natürlich zuerst zum Hafen und war so glücklich endlich über das Wasser sehen zu können, obwohl ich nur das Hafenbecken vor mir hatte.

Hier hätte ich bleiben können: Blick auf Warnemünde vom Ende der Westmole
Von dort aus führte mich mein knurrender Bauch zum Café "Lom", was eine wirklich Empfehlung für jeden ist, der jemals in Rostock Hunger verspürt. In angenehmer Atmosphäre bekam ich dort eine große Portion indischer Hänchenpfanne und dazu noch leckeres Fladenbrot für schlappe 4 Euro serviert. Gesättigt und zufrieden lief ich weiter, schaute mir eine Fotoausstellung im Kröpeliner Tor an, schlenderte durch Parks und stand enttäuscht vor den verschlossenen Türen von sage und schreibe fünf Kirchen. Den Sonnenuntergang bewunderte ich auf meinem Rückweg am Hafen entlang und kam kurz nach sieben wieder in meinem "zu Hause" an.

Da es Freitag war, wollte ich abends natürlich herausfinden, ob Rostocker auch feiern können. Ich zog los und fragte die ersten Party People, die ich traf nach einer Empfehlung.

Der Alte Strom in Warnemünde
Beim zweiten Anlauf lernte ich Sandra und Kassandra kennen, die mich mit ein paar Freunden in den ST(udenten)-Club nahmen, der eine bunte Musikmischung und Vodka zu Flatratepreisen bot. Der Rest des Abends liegt im Dunkeln.

Erkenntnis der Tage: Hab Vertrauen! Schlechte Tage gibt es, damit bessere folgen können.

Held der Tages: Nicole mit ihrer grandiosen Suppe.

Join TravBuddy to leave comments, meet new friends and share travel tips!
Endlich mehr sehen - wenn auch nur…
Endlich mehr sehen - wenn auch nu…
Die Universität zu Rostock
Die Universität zu Rostock
Noch einmal der Rostocker Stadthaf…
Noch einmal der Rostocker Stadtha…
Überbleibsel aus der Sowjetzeit: …
Überbleibsel aus der Sowjetzeit:…
Hier hätte ich bleiben können: B…
Hier hätte ich bleiben können: …
Der Alte Strom in Warnemünde
Der Alte Strom in Warnemünde
Rostock Hostels review
When I was in Rostock I did a city tour on my own and just walked trough the streets as it seemed good and interesting to me. The result was a really … read entire review
Rostock
photo by: ela82