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Ein Festival wird geboren

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Here you can watch the course of my hitchhiking trip to Spain. Starting the 1st October I plan to arrive in Barcelona around New Years Eve. From there I want to work and travel around the country in order to learn the Spanish language and get to know the people and their culture. I would be happy to see you as my reader or to find a mail of yours in my inbox. Everybody is welcome!
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Ein Festival wird geboren

Das nennen die Franzosen "bordel": Komplettes Chaos am ersten Tag meiner Arbeit
Mein Wecker zeigte sich von seiner unmenschlichsten Seite, als er am Montagmorgen um 4:30 Uhr klingelte. Diesmal konnte ich ihn auch  nicht einfach ausstellen und mich noch einmal umdrehen und weiterschlafen, wie ich es sonst gewöhnlicherweise mache, denn erstens hatte ich noch kein Auge zugemacht und zweitens war ich mir sicher, dass der TGV nach Rennes nicht auf mich warten würde. Mein Schädel glich einem Mußtopf, in dem mein Gehirn umherschwabbelte, während ich nach der Zigarettenschachtel tastete. Wenn es überhaupt etwas gab, dass mich diesen Tag überstehen lassen konnte, dann waren das Zigaretten und literweise Kaffee. So öffneten sich meine Augen mit jedem Zug ein Stückchen mehr und ich bereitete mich darauf vor, mich durch den morgendlichen Pariser Metrodschungel bis zum Gare Montparnasse zu kämpfen, wo meine Bahn um 6:35 dem Namen getreu mit großer Geschwindigkeit startete.
Kletteraffen: Dort bin auch ich herumgeklettert


"Tu es prêt à travailler? - Bereit zur Arbeit?", lautete die gnadenlose Frage, die mir Tangui, mein "Chef" für die nächsten sieben Tage stellte, als er mich um kurz nach neun vom Bahnhof in Rennes abholte. Das klang für mich wie blanker Hohn, denn der Train à Grande Vitesse war dank eines voll besetzten Abteils auch ein Train à Grand Bruit, was es mir unmöglich machte, wenigstens hier eine Weile zu dösen. Zu meiner ausgesprochenen Freude entdeckte ich jedoch kurz darauf zwei riesige Kaffeekannen in der Gemeinschaftsecke des Festivalgeländes und überlegte für einen Moment, mich mit offenem Mund darunter zu legen oder mir gleich einen intravenösen Zugang zu legen. Egal wie, der Tag war auf jeden Fall gerettet.
Ungewohntes Bild: Ich in schicker Malerkombi


Nachdem ich meinen Pass ergattert hatte, der mir für den Rest des Festivals die Türen zu allen Bereichen öffnen würde, begann die Arbeit. Es gab viel zu tun, denn überall lagen Latten, Stoffbahnen, Teppiche und Gerüststangen herum und das gesamte Gelände glich einem einzigen Chaos, wofür die Franzosen übrigens das schöne Wort "bordel" haben. Ich war für die VIP-Lounge eingeteilt und half ein wenig bei allem. Ich putzte hier, baute dort ein Gerüst auf oder tüdelte mit Draht etwas fest, malerte, hämmerte und feilte auch - an meinem Französisch. Spätestens nach dem ersten kurzen Gespräch hatte nämlich jeder meiner zumeist sehr freundlichen Kollegen begriffen, dass ich er einzige Ausländer im Team war und bald kannten alle meinen Namen.
Es geht los: Das Eröffnungskonzert am Mittwochabend


Erwartungsgemäß kurz gestaltete sich der Abend, denn das Wort Energie war meinem Körper nun völlig fremd. Ich fühlte mich wie der Bote, der einst von Marathon nach Athen lief, als ich mich und meinen Rucksack die letzten Meter zur Wohnung von Mareva, meiner Gastgeberin für die ersten zwei Tage schleppte. Beinahe hätte ich mir Streichhölzer in die Augen klemmen müssen, um zu vermeiden, dass mein Gesicht nähere Bekanntschaft mit dem Abendessen macht und ich war ungefähr so gesprächig wie ein plappernder Teddybär, dessen Batterie leer ist. Es tat mir ehrlich leid, dass ich kein sonderlich ergiebiger Gast war, doch gegen neun konnte ich nicht mehr widerstehen, fiel um und schlief wie ein Kadaver.

Der Dienstag begann um 9 Uhr recht zeitig, obwohl ich mir das frühe Aufstehen auch hätte sparen können, da es an diesem Morgen nicht sonderlich viel zu tun gab und ich meine Zeit größtenteils mit Zigaretten und Kaffeetassen totzuschlagen versuchte.
Eine gesprächige Runde: Ich, Mareva und ihre Freundin Céline
Mein Magen war davon überhaupt nicht begeistert und verlangte grimmig blubbernd nach dem Mittagessen. Das war wirklich der Höhepunkt eines jeden Tages, denn die Franzosen wissen einfach, wie man gut isst und ich dinnierte klischeegetreu bei drei Gängen, verschiedenstem Käse und einem Glas leckerem Rotwein, um mich für den Nachmittag zu stärken, der bedeutend mehr Arbeit bereithielt.

Was ich am Vortag versäumt hatte, wollte ich an diesem Abend nun wieder gut machen und kaufte eine Flasche Wein, bevor ich zu Mareva ging, die eine Freundin zu Besuch hatte und mein Mitbringsel freudig entgegennahm. Beim ersten Glas berichteten die beiden von ihren Reiseerfahrungen in Mexiko und erteilten mir einige erste Spanischlektionen. Wir passten das Niveau unserer heiteren Diskussion jedoch dem Füllstand der Flasche an und gingen bald dazu über, eine besondere Art des Sprachaustauschs zu betreiben, indem wir die Geräusche von Tieren in der deutschen und französischen Mundart verglichen.
Wundersame Wandlung: Am Ende sah alles schon viel besser aus
Ich konnte mich vor Lachen kaum halten, als ich feststellen musste, dass in Frankreich sogar die Esel Nasallaute von sich geben. Das ist nebenbei bemerkt buchstäblich eine Eselsbrücke, wenn man sich die Reihenfolge der Präpositionen merken will, da diese witzigerweise "y en" lautet.

Am Mittwoch stand der vorerst letzte Arbeitstag auf dem Plan und alles musste fertiggestellt werden. Es war der blanke Wahnsinn, zu sehen, wie sich aus dem Chaos, das am Anfang die kahlen Messehallen durchzog, langsam eine wirklich stylische Festivalumgebung entwickelte. Dennoch gab es viel zu tun und die Anspannung steigerte sich, bis die Eröffnung vor der Türstand und es plötzlich zuging wie bei einer Not-OP. Es wurden Planzen durch die Luft geworfen, den letzten Widerständen des Teppichs mit gnadenlosem Getackere der Garaus gemacht und die Kommunikation beschränkte sich auf stakkatoartige Komandos, die von einem Ende der Halle zum anderen geschrien wurden.
Der Süden rückt näher: Palmen in den Straßen von Rennes
Doch es half nichts: Der Patient VIP-Lounge war noch nicht komplett zugenäht als die ersten Gäste aus Presse und Politik eintrudelten, sodass wir die offenen Wunden notdürftig hinter einer Wand aus Pflanzen verstecken mussten. Mit uns Freiwilligen hatte man jedoch ein Nachsehen und entließ in den Empfang, wo ich mich unter die Leute mischte und nobel bei kleinen Häppchen Champagner schlürfte, während der Bürgermeister seine Rede hielt.

Es war auch dem Champagner geschuldet, dass ich bereits etwas "bourré" war, als ich Marie, meine neue Gastgeberin traf. Die schien das allerdings nicht zu stören, denn sie war überzeugt, dass es sich bei einem Glas Wein am besten auf den Bus warten ließe und konnte sich auch als wir in der Wohnung angekommen waren nicht zurückhalten, gleich eine ganze Flasche des Traubensafts zu öffnen.
There's a little song stuck inside my head
Ich war tapfer und biss anstandslos die Zähne zusammen, doch nach diesem Arbeitstag brauchte es bei mir nicht mehr viel, bis ich einen Zustand erreicht hatte, den die Franzosen mit einer anderen Farbe betiteln als die Deutschen: Ich war "gris" - grau.

Erkenntnis der Tage: Alles fängt mal klein an.

Held der Tage: Arnaud, der mir mit seiner ruhigen, verständnisvollen Art der liebste meiner Kollegen war
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