Das Wismar noch nicht
Es war Samstagmorgen und ich wollte an diesem Tag nach Wismar weiter. Vorher musste ich jedoch noch einen Abstecher in mein von vielen Urlaubsreisen wohlbekanntes Warnemünde machen. Nach einem leckeren Geburtstagsfrühstück für Nicole wurde es dann noch richtig spektakulär, weil es auf der Straße direkt vor dem Fenster gründlich krachte.
Am S-Bahnhof angekommen geschah etwas Seltsames und zugleich Wunderbares. Die Bahn fuhr ein und ich war gerade noch mit dem Ticketautomaten beschäftigt. Die Türen schlossen sich schon, als dieser endlich meinen Fahrschein ausspuckte. Ich ging zum Zug und drückte auf den Türöffner, aber es war bereits zu spät: Die Bahn ließ mich mal wieder stehen. Am Einstieg neben mir hatte eine alte Dame dasselbe Schicksal und wir gerieten ins Gespräch.
Mit dem Eindruck dieser wunderschönen Begegnung schlenderte ich am Alten Strom entlang bis zum Ende der Westmole, wo ich gute drei Stunden lang rastete, um zu lesen, schreiben und zeichnen.
Dar Tag war wunderbar, die Sonne schien und das Meer lag spiegelglatt bis zum Horizont. Ich genoss diesen grandiosen Blick und war vollkommen glücklich, obwohl ich mir bewusst war, bald wieder gehen zu müssen. Auf dem Rückweg gönnte ich mir dann meinen lang ersehnten Snack und ging zur Straße nach Rostock. Es dauerte garnicht lange bis mich jemand mitnahm, doch scheinbar schien der gute Herr mich etwas falsch verstanden zu haben, denn er fuhr gar nicht bis zur A20 sondern bog vorher ins Zentrum ab, weshalb ich mich notgedrungen mitten auf der Stadtautobahn absetzen lassen musste. Dort stand ich reichlich beschissen auf dem Standstreifen und sah mich mal wieder laufen. Doch dann brachte es der Fahrer eines Busses, in dem eine Kirchengemeinde aus der Nähe von Bremen saß, tatsächlich fertig, auf der Schnellstraße den Rückwärtsgang einzulegen, um mich einzusacken. Im Bus versorgten mich diese überaus freundlichen Menschen mit reichlich Schweizer Schokolade (von einem echten Schweizer) und brachten mich bis in die Wismarer Innenstadt.Dort erlitt ich erst einmal einen gründlichen Schock. Als ich bei der Adresse ankam, die für einen Tag mein Heim sein sollte, öffnete mir jemand die Tür und fragte nur: "Zu wem willst du denn? - Fabian? Der wohnt hier schon lange nicht mehr." Ich war entsetzt und versuchte aus dem nicht sonderlich gesprächsfreudigen Neumieter hilfreiche Informationen über den Verbleib meines Namensvetters herauszuquetschen. Doch der junge Herr begegnete mir mit einem Enthusiasmus, wie ihn wohl nur ein Mörder kurz vor der Hinrichtung verspürt, weshalb ich bald entnervt aufgab und zum nächsten Internetcafé ging.
Glücklicherweise hatte der andere Fabian seine Handynummer im Profil hinterlassen und ich landete bald darauf in seiner neuen Wohnung. Die Nachricht, dass bald sein Bruder käme und er etwas kochen würde begeisterte mich sehr, denn mein Magen knurrte und ich brauchte eine Grundlage für den Abend, an dem er mit Freunden und mir in seinen Geburtstag hineinfeiern wollte. Als Fabians Bruder Kasper dann noch zwei Flaschen Wein mitbrachte und wir gemütlich Spaghetti aßen, war ich sicher, dass der Tag gut enden würde.Erkenntnis des Tages: Wenn sich eine Tür vor meiner Nase schließt, geht eine andere auf.
Held des Tages: Die alte Dame vom Morgen









