I AMsterdam

Amsterdam Travel Blog

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Wieder da: Blick auf die Waddensee...

Es war der 06. November und mich rief die Stadt, in der ich die nächsten acht Tage verbringen wollte: Amsterdam! Die Tage werden immer kürzer und so blieb mir gerade noch Zeit für einen Kaffee, bevor ich mich auf den Weg zum Bahnhof machte. Dort nahm ich den Bus nach Harlingen und ließ mich für schlappe 2 Euro eine Stunde lang im Sonnenschein durch die ewig flache grüne Landschaft Frieslands fahren. Nach einem kurzen Blick über das Meer und die Hafenstadt Harlingen, den ich schon während meines Segeltörns im Juli so lieb gewonnen hatte, startete den ersten Versuch in den Niederlanden zu trampen.

Als ich dann an der Straße stand und bemerkte, dass Autos hier ebenso selten waren wie Palmen am Nordseestrand, machte sich in mir eine gewisse Angst breit, dass ich einmal mehr den Zug nehmen müsste.

... und auf den Hafen von Harlingen
Doch Trampen in den Niederlanden ist wirklich easy, denn obwohl das hier keine ausgewiesene Trampingstelle war, wie es sie hier in größeren Städten gibt, hielt schon das dritte Auto an. Drin saß ein älterer Herr von Terschelling, der wohl schönsten Insel im Wattenmeer, der auch Mitglied bei CouchSurfing ist. Er war gerade auf dem Weg nach Trinidad, wo er auf einem Baggerschiff arbeitet und nahm mich bis nach Amersfoort mit. Dort wartete ich dann keine zehn Minuten an der Autobahnauffahrt, bis mich ein junger Mann nach Amsterdam brachte.

Ich war wieder da! Und ich wusste auch schon wo ich als erstes higehen würde: Ins "Independent" von Amsterdam, das Café "The Doors Palace". Ich hatte den Laden schon während meines ersten Amsterdam-Besuchs im August entdeckt und mir gemerkt, denn hier gibt es alles, was mein Herz begehrt: Witzige Leute, hunderte von Plakaten und Fotos der Doors und anderer Altrocker, die passende Musik und ein großes Bier für 3,50 anstatt der üblichen 5 Euro.
Radiohead-Fan, Gitarristin und Frühaufsteherin: Eluza aus Prag
Okay, hier ist alles etwas schmuddelig und das Herrenklo hat nicht einmal eine Tür aber genau das verwandelt das Doors-Café in einen wahren "Schuppen" ganz nach meinem Geschmack.

Nachdem ich hier etwas zur Ruhe gekommen war und vergeblich versucht hatte, mich auf Amsterdam einzustellen, brach ich zum Rembrandtplein auf wo ich mit Eluza verabredet war, die mir für die ersten zwei Tage ein zu Hause gab. Ich war sehr erfreut, festzustellen, dass sie ebenfalls keine Niederländerin ist, sondern eigentlich aus Prag kommt und für ein Austauschjahr in Amsterdam studiert. In der Wohnung zögerte sie keine Sekunde, mir ein leckeres Abendessen zu bereiten und ich machte Bekanntschaft mit ihrer Zimmergenossin Kate und dem vermutlich geistesgestörten Kater, der entweder wie tot in der Gegend herumliegt oder in einem Anfall von Zerstörungswut die Wände hochjagt und mich in den kommenden zwei Nächten einige Male nachts besuchen sollte.
Fluss in der Stadt: Die Grachten sind eine von Amsterdams nettesten Seiten


Im Anschluss gab mir El dann noch eine kleine Nachtführung und ich entdeckte zum ersten und leider auch zum letzten Mal eine von den dreizehn Windmühlen, die heute noch in ganz Amsterdam verteilt sind. Dabei wurde mir der erste Nachteil von Amsterdam bewusst: Die Stadt verschluckt alles. Wegen des durchgängig flachen Terrains gibt es hier keine weithin sichtbar herausragenden Punkte und die schmalen, kurvigen Straßen denken nicht einmal daran, irgendwo eine Sichtachse freizugeben. So bleibt alles verworren und verwinkelt und manchmal hat man sogar den Eindruck zwischen Grachten, Patrizierhäusern und bunten Farben auf der Stelle zu treten.

Am nächsten Morgen startete ich ganz gemütlich wenngleich um 8 Uhr morgen ungewöhnlich früh.
"Bing!": Das Geräusch der Straßenbahn hört man überall in der Stadt
El musste zur Uni und ich musste schleunigst einen Kaffee trinken, wenn ich nicht beim Laufen einschlafen wollte. Dummerweise machen die meisten Cafés hier erst um zehn auf und so schlenderte ich die ersten beiden Stunden durch die Straßen, beobachtete Lieferanten und schaute zu, wie die Stadtreinigung Amsterdam vom Dreck der vorangegangenen Nacht befreite. Es war ein seltsames Bild, dass sich mir um diese Uhrzeit bot, denn so gar nichts erinnerte an die Stadt, die ich mittlerweile doch schon ganz gut kenne. Die Straßen und Plätze waren noch menschenleer, nirgendwo brannte das Licht eines Werbeschildes und das sonst so zwielichtige und verruchte Amsterdam lag bedürftig und verletzlich wie ein Kind an der Brust seiner Mutter. Das verwirrte mich nur noch mehr.
Vibrierend vor Geschäftigtkeit: Blick in die Oude Hoogstraat


Nach einigen Stunden, in denen ich Briefe und Postkarten an die Heimat schrieb und mir Zeit nahm, Chinatown etwas näher zu erkunden, errang ich dann einen heldenhaften und glorreichen Sieg für meine Kenntnisse des Niederländischen: Ich kaufte das Buch "Dutch for Dummies". Nicht dass ich mich selber als Dummie betiteln wollte, aber diese Lehrwerk schien mir genau das zu bieten, wonach ich auf der Suche war: Einfaches und alltägliches Niederländisch. So machte ich mich gleich ans Werk und begann eifrig, die ersten Lektionen durchzuarbeiten. Obwohl die Sprache dem Deutschen sehr ähnlich ist, gibt es einige Tücken, die Deutschen nicht immer leicht fallen. An erster Stelle wären da wohl die Zwielaute "ui" und "eu" zu nennen, die nicht im Entferntesten an einen deutschen Laut erinnern.
Auf das Gramm genau: De Waag, das alte Waagehaus am Nieuwe Markt
Nachdem ich meine Zunge also drei Stunden lang mit niederländischer Aussprache gequält und meinen Kopf um viele praktische und witzige Vokabeln bereichert hatte, war ich einigermaßen geschafft und trottete nach Hause, wo ich für El meine Kochkünste unter Beweis stellen durfte und wir den Abend bei einer Flasche Rotwein ausklingen ließen.

Der nächste Tag begann ähnlich früh und sollte der Kunst gewidmet sein. Im ersten geöffneten Café wurde ich munter und tankte den obligatorischen Treibstoff, bevor ich ins Van-Gogh-Museum ging. Von Amsterdam hatte ich schon einiges gesehen und verspürte auch keine besondere Lust, sofort noch mehr zu entdecken. Deshalb war es eine erfrischende Abwechslung, nun einmal etwas Kunst genießen und mehr über Vincent Van Gogh in Erfahrung bringen zu können als das berühmte Selbstportrait und seine Sonnenblumen.
Etwas fürs Klischee: Patrizierhäuser und Kanalrundfahrt an der Amstel
Ich ließ mir Zeit, um mir zu jedem Bild eine Geschichte außudenken, die Beziehungen der Personen zu analysieren und auch mein Auge und Kunstverständnis soweit es mir Kunstidiotem möglich war zu schulen. Natürlich wollte ich auch meine Sprachstudien nicht auf der Strecke bleiben lassen und laß tapfer alle Texte in Niederländisch. So verging die Zeit und ich erschrak, als ich einen Blick auf die Uhr warf und sah, dass es kurz vor fünf war. Ich hatte annähernd sechs Stunden in diesem Museum verbracht und musste nun zusehen, dass ich nach Hause komme.

Denn am Abend war es Zeit umzuziehen. Ich verabschiedete mich von El, machte mich auf den Weg und hatte wieder einmal Glück: Ich lernte Erik kennen. Er ist Fotograf und schon 46 aber von dem Moment an, in dem er mich an der Wohnungstür mit "Hey Junge!" begrüßte, waren wir Kumpels und die Zeit konnte nur großartig werden.
Ein wahrer Glücksgriff: Erik van den Boom, der mir ein Freund geworden ist
Auch wenn er mich das ein oder andere Mal "Arschloch!" nannte, weil ich den Wein alle gemacht hatte, oder ich ihn wegen seiner homöopathischen Pillen, die er massenweise schluckte, als "Junky!" betitelte, wussten wir beide doch genau, dass es nur Spaß war und wir eigentlich einen Narren am anderen gefressen hatten. Eriks Deutsch war nahezu perfekt und er kannte viele Sprichworte die er am laufenden Band mit seinem witzigen holländischen Akzent herausposaunte, wobei man fast hätte denken können, das Rudi Carell vor einem steht. Noch dazu war er vollkommen entspannt und offenherzig und spätestens wenn er mit seinem raspelartigen Instrument zu Techno-Musik durch die Wohnung tanzte, war der Höhepunkt eines jeden Tages erreicht. Auch mit seinem argentinischen Mitbewohner Pablo, der um einiges jünger ist und Tanz studiert, verstand ich mich von Anfang an gut und so genoss ich jede Minute bei diesem angenehmsten Gastgeber, den ich bis jetzt hatte.
Wunderschön und doch trostlos


Am Samstagnachmittag traf ich mich dann mit Sheela, die seit zwanzig Jahren in Amsterdam lebt und mir einige Insiderecken der Stadt zeigen sollte. Um mich mit ihr zu unterhalten hätte ich zwischen sechs Sprachen wählen können, wenn sie nicht darauf bestanden hätte, ihr Deutsch etwas zu üben. Obwohl sie anstatt "mit jemandem ausgehen" immer "jemanden ausnehmen" sagte, waren ihre Kenntnisse gar nicht so schlecht und konnten für eine muntere Unterhaltung während des dreistündigen Rundgangs herhalten. Mein persönlicher Höhepunkt davon war der riesige Markt, auf dem ich aus dem schier endlosen Angebot einige Zutaten für das Abendessen auswählte.

Es war Besuch angekündigt und ich hatte versprochen mein Bestes am Herd zu geben. Zum Glück ließ mich meine Kochkunst nicht im Stich und das Essen war ein wahrer Genuss, was mich und Pablo ebenso erfreute wie Erik und seinen alten Freund Leon.
Hoch über den Dächern: Nachtansicht vom Club "11"
Der setzte der ohnehin schon kolossalen Unterhaltsamkeit Eriks die Krone auf, denn im Duo waren die beiden noch witziger und ein Brüller jagte den nächsten, wodurch sich die Stimmung immer besser entwickelte. Ich muss gestehen, dass ich das mit Freude zur Kenntnis nahm, da mein Kochdienst nicht ganz uneigennützig war: Am nächsten Tag war ich mich Katie aus den USA verabredet, die auf der letzten Station ihrer Europareise drei Tage mit mir in Amsterdam verbringen wollte. Doch es gab etwas, das uns fehlte und das Erik hatte: Ein Platz zum Schlafen. Hinterlistig wie ich bin, hatte ich den Plan zu kochen ausgeheckt, ihn konseqünt in die Tat umgesetzt und startete nun zum finalen Angriff: "Erik, könnten Katie und ich vielleicht hier bleiben?", sagte ich während meine Lider klimperten.
Schleusen an der Amstel
Da verschwand das Lachen in seinem Gesicht, er stellte sein Weinglas ab, schaute Leon fragend an und zuckte dann mit den Schultern: "Mach doch, Arschloch!" Damit war alles klar.

Doch leider war doch nicht alles klar, denn am nächsten Morgen war vom Gast aus den USA keine Spur. Wir ließen es ruhig angehen während wir auf Meldung von Katie warteten und unter den ersten Dingen, die ich an diesem Tag hörte, war Leons Frage "Glas Wein?", die ich dankend bejahte. Es war ein Sonntag wie er im Buche steht: Wir faulenzten herum, redeten viel und hatten schon die erste Flasche Wein leer, bevor wir uns gegen halb drei nachmittags ans Frühstück machten, das mit Salat, Ei, Hühnchen, Olive und Muscheln wohl in keinem Sternerestaurant hätte besser serviert werden können.
Eine Lichtung im City-Dschungel: Blick über den Museumsplein


Gegen fünf kam dann die Schreckensnachricht: Katie hatte in Paris in den Katakomben ziemlich arg gefeiert und eine Flasche Absinth geleert, weshalb es ihr wohl nicht möglich war, vor dem Sonnenuntergang aus dem Koma zu erwachen und sich alles um einen Tag nach hinten verschob. Doch Erik, Leon und mich konnte an diesem Tag nichts aus der Ruhe bringen und so lachten, redeten und gammelten wir weiter.

Am Abend nutzte ich die letzte Gelegenheit etwas vom Internationalen Filmfestival mitzubekommen, das vom 08. bis 11. in Amsterdam stattfand und ging mit Leon in den Opener-Film "Fay Grim" von Hal Hartley, der das Genre der Agentenstreifen für mich in ein vollkommen neues Licht rückte und nicht nur deshalb äußerst interessant war. Leon konnte ich danach nicht mehr überreden, noch etwas trinken zu gehen und so zog ich alleine weiter, in der Hoffnung, bald jemanden kennen zu lernen.
Imposanter Prunkbau: Das Rijksmuseum
Es dauerte auch nicht lange, bis ich auf eine Gruppe von etwa 50 Australiern und Neuseeländern traf, die eine Art Pauschalurlaub in Amsterdam gebucht hatten und so überschwänglich feierten, dass sie sich auf dem Weg zur nächsten Disko in lauter versprengte Haufen aufteilten und bald orientierungslos in Amsterdam standen. Dieses Elend konnte ich nicht mit ansehen und bot mich als Führer an, was sogleich mit dem Ruf "Red Light District" beantwortet wurde, wo ich sie bereitwillig hinbrachte und noch einige Zeit herumführte, bevor auch ich den Heimweg antrat.  

Am Montag dann kam Katie endlich nach Amsterdam und ich holte sie vom Bahnhof ab. Nachdem auch sie sich von Eriks freundlicher Art überzeugt hatte, starteten wir zu einem groß angelegten Stadtrundgang.
Für drei Tage an meiner Seite: Katie aus Pittsburgh, Pennsylvania
Ich zeigte ihr die wichtigsten Ecken und Katie bekam den Mund vor lauter Begeisterung gar nicht mehr zu. Diese vielen kleinen Geschäfte, die tausenden Fahrräder und die niedlichen Häuser und Grachten hatte sie noch nie zuvor gesehen und war dementsprechend beeindruckt. Da sie sich auf Anhieb in die kleinen Cafés der Stadt verliebt hatte, machten wir viele Stops und ich stellte schon während der ersten zwei oder drei Stunden fest, dass wir komplett auf einer Wellenlänge lagen. Es passierte nicht selten, dass einer dem anderen die Wörter aus dem Mund nahm und wir redeten kreuz und quer über alle möglichen Themen, wobei wir am Lachen keineswegs sparten. Das hätte noch ewig so weitergehen können, doch nach sieben Stunden des Laufens waren wir mehr als erledigt, weshalb es mich auch nicht wunderte, dass wir beide, kaum bei Erik angekommen, mit all unseren Sachen auf dem Boden von der Heizung einschliefen.
Het Concertgebouw - Die Konzerthalle


Aber wir hatten ja noch genügend Zeit, denn auch am nächsten Tag starteten wir wieder in die Stadt und ich führte Katie in einige Gegenden, die sie noch nicht gesehen hatte. Nachdem sie das Rotlichtviertel völlig aus der Fassung gebracht hatte und wir beschlossen, dass auch das Erotikmuseum keine gute Idee mehr wäre, gab ich das Ruder an sie  ab und forderte sie auf, einfach irgendwo hinzugehen und stehen zu bleiben, wo es ihr gefällt. Und ihr Riecher war wirklich gut: Nach nicht einmal einer Viertelstunde hatte sie das Café "Latei" aufgespürt, das für mich wohl auf ewig den Titel "Coolstes Café in Amsterdam" tragen wird. In einem Raum, der von Lampenschirmen über Brillen bis hin zu Eierbechern mit allem möglichen Zeug vollgestopft ist, serviert der genügsame und freundliche Wirt hier bei angenehmer Rockmusik verschiedene Sorten Kaffee, Tee und allerlei Leckereien.
Hübsche Nachtansicht: Das Nemo am Oosterdok
Hier ließen wir noch für einen Moment die Seele baumeln, bevor wir aufbrachen um bei Erik eine gute Grundlage für den Abend zu legen.

Denn eigentlch war es das, worauf wir uns schon den ganzen Tag über gefreut hatten: Die Ultimate Party Amsterdam. Für alle, die von dieser wunderbaren Party noch nichts gehört haben werde ich kurz erklären was das bedeutet: Für schlappe 20 Euro bekommt man professionelle Guides die einen durch 6 Bars und Diskotheken in Amsterdam führen, ein Freigetränk in jeder Lokalität und zum nachspülen kostenlosen Wodka so viel wie man will und verkraften kann (www.joinultimateparty.com). Schon im August hatte ich hier mitgemacht und war mir sicher, dass es nicht zu verantworten wäre, wenn Katie das verpasst. Sie war da der gleichen Meinung und obwohl Mitte November anstatt 200 nur etwa 30 Leute mit uns feierten, stand deser Abend dem im August in nichts nach.
Im Sommer noch schöner: Der Vondelpark
Lächeln war definitiv der dominierende Gesichtsausdruck bei allen, wir tanzten, schrien und hatten einen Mordsspaß. Mit Katie an meiner Seite war meine Freude noch ungleich größer und ich genoss das wunderbare Gefühl, zum ersten Mal kein einsamer Reisender mehr zu sein.

Das wortwörtliche böse Erwachen kam dann erst am nächsten Tag, als ich von Katies aufgeregter Stimme gegen Mittag geweckt wurde. Sie hatte ihren Flug verschlafen und es sah ganz danch aus, als müsse sie einen weiteren Tag hier bleiben. Nachdem ich einigermaßen zu mir gekommen war und es geschafft hatte auf die Beine zu kommen, schleppten wir uns, immer noch leicht benommen, zum nächsten Café um unser Lebenselixier zu tanken und etwas zu frühstücken, was mein Körper mir bald damit lohnte, mir ein deutlich besseres Gefühl zu bescheren.
Irgendwo an der Amstel
Ich konnte wieder klar denken und spürte, wieviel Spaß mir die Zeit mit Katie machte und dass es dumm wäre, sie alleine hier zurückzulassen, woraufhin ich beschloss, erst am nächsten Tag nach Den Haag weiterzufahren. Ich sah ihrem Gesicht an, dass das auch ihre Gedanken waren und wir freuten uns, Amsterdam einen Tag länger zusammen unsicher machen zu können. So hatten wir genügend Zeit, dem Café "Latei" noch einen Besuch abzustatten und vor allem den Blick über Amsterdam vom Club "11" im 11. Stock eines Hochhauses zu genießen, bevor wir uns gemeinsam mit Erik und einer Flasche Wein langsam von der Zeit in dieser Stadt verabschiedeten.

Was bleibt, ist ein seltsames, unwohles und undefiniertes Gefühl in meinem Bauch. Ich war mir sicher, Amsterdam als Stadt nicht sonderlich zu mögen.
Man kann den Lärm förmlich hören: Berufsverkehr und das neue Business-Zentrum im Süden der Stadt
Dann traf ich Katie, die hier fremder war als ich, verbrachte eine wundervolle Zeit mit ihr und  führte sie herum, wodurch ich Amsterdam aus einer anderen Perspektive betrachten konnte, die mir schon deutlich besser gefiel. Dennoch gibt es in dieser Stadt, die vor Geschäftigkeit förmlich vibriert, etwas, das mich stört, das mich zugleich aber auch lockt und herausfordert. Ich merke, dass sie ein Geheimnis, etwas Charakteristisches, ein inniges Gefühl verborgen hält, doch es ist mir nicht gelungen es zu entdecken. Das mag daran liegen, dass Amsterdam vielleicht gar nicht mehr es selbst ist, sondern im Meer von Leuchtreklamen, Coffeeshops, Nutten und Touristen verschwimmt zu einem hohlen Bild von Freiheit und überschäumenden Möglichkeiten. Es gibt viele, die hier her kommen, weil sie Amsterdam "Die freiste Stadt der Welt" nennen und glauben, hier ihren Alternative Lifestyle, ihre eigene Vision vom Leben Realität weren lassen zu können.
Kalt und grell trotz tausend bunter Farben: Straßenansicht am Leidseplein
Doch wenn ich durch die Straßen gehe spüre ich von alldem, von dieser Energie, die dadurch eigentlich freigesetzt werden müsste nichts. Stattdessen spüre ich Kälte, Unpersönlichkeit, Verzweiflung und zwielichtige Angst. Ich weiß nicht, was hinter diesem Widerspruch steckt, aber vielleicht ist es ja gerade das, was Amsterdam ausmacht. Denn ich glaube, solange hierher zurückzukommen, bis ich es herausgefunden habe.

Erkenntnis der Tage: Alles ist nur so frei wie du selbst.

Held der Tage: Mein Freund Erik van den Boom

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photo by: pearcetoyou