Zurueck nach Irkutsk
Hab
eigentlich recht gut in der Holzhütte geschlummert. Abends hab ich mit dem
Elektroofen ordentlich eingeheizt, hab mir aber gedacht, daß es sicherer wäre,
diesen über Nacht auszuschalten, was ich auch getan habe. Nachts bin ich dann
aber aufgewacht und es war reichlich kalt, also hab ich mir gedacht, ich schalt
den Ofen ein, heiz ein wenig auf und schalt ihn dann wieder ab, aber der Ofen
hat nicht funktioniert, ich glaub die haben dort gewußt daß das eine
gefährliche Konstruktion ist und über Nacht sowieso die Heizungen abgestellt. Also
bin ich einfach tiefer unter die Decke und es war in Ordnung, hab dann bis etwa
9 geschlummert und eine Stunde später bin ich mit den Holländern die paar km
nach Listvjanka spaziert. Mußte dort aufs Klo, gab nur eine öffentliche
Toilette und der Grund, warum ich das erwähne, ist, daß man für diese Toilette
10 Rubel zahlen mußte und dafür abgezählte 5 Stück Klopapier erhalten hat. Dafür
wars wenigstens sauber.
Mich hat
dort nicht mehr viel gehalten, ich hab viel gesehen in den letzten Tagen und
wollt eigentlich nur noch zurück ins Hostel in Irkutsk, wo ich auch meinen
großen Rucksack deponiert habe. (Den wollt ich natürlich nicht die ganze Zeit
mitschleppen.) Nachdem der nächste Linienbus erst vier Stunden später gegangen
wäre und ich mittlerweile rausgefunden hab, daß weder Linienbus noch Minibus
europäischen Sicherheitsstandards genügen, hab ich wieder einen Minibus zurück
nach Irkutsk genommen. Lustig war, daß Fahrer und Beifahrer kurz den
Sicherheitsgurt angelegt haben, als Polizei in Sicht war. Danach haben sie ihn
gleich wieder abgenommen. Ganz verstanden hab ich das nicht, denn wenn der
Polizei überfüllte Busse egal sind, denk ich mir daß sie sich nicht um
Sicherheitsgurte kümmern, aber wer weiß.
In Irkutsk
angekommen, wollt ich eigentlich ehestmöglich zurück ins Hostel. Aus
irgendeinem Grund hab ich mich aber mit der Straßenbahn verfahren, bin dadurch
aber an einigen netten sibirischen Holzhäusern in der Stadt vorbeigekommen. Die
stehen da in großer Zahl zwischen Plattenbauten und westlich anmutenden
Gebäuden rum, sind aber großteils sehr verkommen. Bin auch durch einen Markt
gegangen, die verkaufen hier wirklich alles. In Schachteln werden sogar kleine
Kätzchen und junge Hunde zum Kauf angeboten. Auch Schlüsselmacher sitzen da
herum und kopieren wahrscheinlich auf Anfrage diverse Schlüssel. Ein Teil
dieses Marktes ist Bazarartig und dort werden nur Kleidungsstücke angeboten. Die
Verkäufer unterschiedlicher Läden haben dort gleich versucht, mich in Ihren Laden
zu ziehen, bin da schnell wieder raus. Bin dann zu Fuß zurück zum Hostel
gegangen. Unterwegs hab ich Hunger bekommen und mir gedacht, ich brauch zur
Abwechslung wieder mal etwas, das nach was schmeckt. Bin dann in eine Pizzeria,
die für russische Verhältnisse sicher teuer war, reingegangen. Die Speisekarte
war sogar auf russisch und englisch, aber die haben nicht mal meine
Pizzabestellung verstanden und mich auf die Karte deuten lassen. Egal, die
Pizza war genauso eklig wie der andere russische Fraß. Außerdem haben sie die
in der Mikrowelle vor meinen Augen warm gemacht. Danach bin ich also zum Hostel
zurückgewandert.
Dort
angekommen hab ich mich erstmal geduscht und rasiert, denn das hab ich,
abgesehen vom Baden im Baikalsee, zuletzt 3 Tage zuvor gemacht. Angenehmens
Gefühl. Danach hab ich aber immer noch das Gefühl gehabt, was anständiges Essen
zu müssen. Bin also zum Supermarkt um die Ecke (gottseidank gibt es einen, denn
in der Regel gibt es nur winzige Läden mit kleiner Auswahl und außerdem mit Bedienung,
und der zu erklären, was man will, ist immer recht umständlich) und hab mir das
übliche besorgt, Joghurt, Äpfel, irgendein Instant-Fraß, und zwecks der
Kalorien eine Packung Chips. Unglaublich, wie eklig Chips sein können. Die
Russen schreiben übrigens auf Ihre Nahrungsmittel kein Ablaufdatum, sondern das
Datum des Verpackens drauf. Hab mich schon gewundert, warum die lauter
abgelaufenes Zeug verkaufen. Naja, jetzt werd ich dieses Instantzeugs
probieren, selbst gekauft hab ichs ja bisher noch nie. Aber bisher hab ich
außer Obst, Gemüse und geräuchertem Fisch in diesem riesigen Land nix
anständiges zu Essen gefunden. Und Getränke, wie schon mal erwähnt, gibts -
einschließlich Wasser - fast nur mit Kohlensäure. Ich hab das Gefühl, daß
selbst Cola hierzulande mehr Kohlensäure hat als bei uns. Während man das
Wasser 50km entfernt aus dem Baikalsee schlürfen kann, ist das Leitungswasser
hier in Irkutsk absolut ungenießbar. Warum die nicht einfach das Wasser aus dem
See pumpen, versteh ich nicht.
Die nächsten paar Tage muß ich wohl irgendwie rumbringen, denn eigentlich wollte ich zur Insel Olchon fahren, von der mir mehrmals gesagt wurde, daß sie ein absolutes Muß und sehenswert sei. Ich wollte dorthin mit dem Boot fahren (18 Stunden), das wäre sicher schön gewesen, allerdings fährt dieses Boot nur zur Touristenhauptsaison und hat den Verkehr mit 3. September eingestellt. Die Insel ist zwar auch mit dem Bus und einer kurzen Fähre erreichbar, aber das wären zweimal 8 Stunden Busfahren, also hin und retour - und darauf hab ich gerade wirklich keine Lust. 18 Stunden Boot wären entspannender gewesen. So mein leckeres Instantessen wartet auf mich.









