Zirkumbaikalbahn

Irkutsk Travel Blog

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Dieser Tag war sicher einer der Highlights meiner Reise, aber von Anfang an. In der Früh bin ich also wieder von den lästigen Fliegen wach geworden. Heute wollte ich unbedingt von diesem Ort mit der Zirkumbaikalbahn nach Port Baikal weiterfahren und von dort mit der Fähre auf die andere Seite des Flusses nach Listvjanka wo ich schon vor ein paar Tagen war. Mein Guide wollte mich mehrfach von dieser Idee abbringen, weil er gemeint hat, die Bahn sei soooo langweilig, die Züge würden so langsam fahren, es wären nur viele Touristen da drin und es wären nur viele Tunnels und nur viel See zu sehen. Ich hab gemeint, abgesehen von den Touristen sei das eigentlich genau das richtige und das was ich sehen will. Er hat gemeint, ich würde es bereuen, hat aber dann organisiert, daß ich bei irgendeinem Touristenzug, der nur alle paar Tage dort fährt, einsteigen kann.

Gegen mittag hab ich das dann auch getan. Der Zug war voll von Touristen, die meisten davon allerdings Russen. Hab aber auch Deutsche und Holländer getroffen (die sind wirklich überall). Der Zug war wirklich seeeeehr langsam unterwegs, beinahe hätte man nebenherlaufen können. Aber die Aussicht war einmalig. Alle paar Kilometer gab ist der Zug stehengeblieben und eine Touristenführerin hat auf englisch geschrien "Excursion, excursion" und alle sind vom Zug gehüpft, egal ob da grad eine Station war oder nicht. Dann war immer etwa 20 Minuten Aufenthalt und diese Führerin hat russisch in ein Megaphon geplärrt und die Russen haben andächtig gelauscht. Natürlich kein Wort verstanden, kann aber nicht so wichtig gewesen sein, hab die Zeit zum Fotographieren genutzt. Schon beim ersten Halt hab ich mir gedacht, daß man doch eigentlich auf der Lokomotive mitfahren könnte, weil diese russischen Loks auf allen Seiten so eine Art Balkon haben. Als der Lokführer zur Abfahrt gehupt hat, bin ich einfach hingegangen und hab erst auf mich gedeutet, dann auf die Lok und dann die Geste für Geld gemacht. Er hat genickt, also bin ich vorn auf die Lok geklettert. Die Holländer und Deutschen hab ich auch gefragt, ob sie mit wollen - klar wollten sie. Hat ein wenig gedauert, dann ist der Zug losgefahren, mit uns ganz vorne drauf. War wirklich extrem toll, beste Aussicht überhaupt und das Gefühl ganz vorne drauf durch Tunnels zu fahren war einfach nur genial. Bei der nächsten Station wollte der Lokführer natürlich Geld sehen und hat uns wieder runtergejagt, aber das waren sicher 20 Minuten, ich hab ihm 5 US-Dollar gegeben und er war happy. Bin dann wieder im Zug mitgefahren bis zu der Station, die auf russisch "Halbe Strecke" heißt. Dort war dann mehr als eine Stunde Aufenthalt, damit die Touristen ein wenig See spüren konnten. Dann ist es nur ganz kurz bis zum nächsten Halt weitergegangen, wieder Aussteigen, zu Fuß durch einen Tunnel laufen und dann wieder in den Zug einsteigen. Dort hab ich mir wieder gedacht, eigentlich wars auf der Lok schöner als im Zug, außerdem war zu diesem Zeitpunkt das Licht zum Fotographieren besser, also wieder zum Lokführer und das gleiche Spiel nochmal. Diesmal war ich der einzige, der da mitgefahren ist, die Holländer wollten nicht mehr und die Deutschen sind vorher ausgestiegen. Jetzt hab ich aber bis zur Endstation mitfahren dürfen, er wollt aber gleich 5 Dollar haben. Die hab ich ihm natürlich gegeben, in Summe also 10 Dollar - für auf der originalen Transsib-Strecke vorn auf der Lok mitfahren is das ein fairer Preis.  Zumal ich für den Zug sowieso kein Ticket hatte, weil ich erst mittendrin eingestiegen bin. Hab zwar vorher gefragt, was das Ticket kostet, aber nachdem niemand gefragt hat und ich auch niemanden gesehen habe, der Tickets verkauft hat, hab ich mich nicht drum gekümmert. Der zweite Teil der Strecke war genauso schön, vor allem war es schon in der Abendsonne. Diesmal hab ich mir in weiser Voraussicht meine Jacke angezogen, denn in den Tunnels wars recht kühl. Überhaupt wars ziemlich kühl als der Zug durch schattigere Gebiete gefahren ist. War mir aber ziemlich egal, ich hab diese Fahrt wirklich seeeehr genossen.

In Port Baikal bin ich dann ausgestiegen und bin wieder auf die Holländer gestoßen. Mit denen und den anderen Touristen bin ich auf das Schiff von Port Baikal nach Listvjanka gestiegen. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten. Der Fluß ist breit und eine Brücke lohnt an dieser Stelle sicher nicht. Die meisten sind danach nach Irkutsk mit dem Bus zurückgefahren, ich wollt aber nicht und bin mit den Holländern in Listvjanka geblieben. Wir wollten uns dort was zum Übernachten suchen, als plötzlich ein Auto hält und uns fragt, ob wir was zum Schlafen suchen, er könnte uns ein Bett für 250 Rubel, etwa 7 EUR, anbieten. Mir war das erst etwas suspekt, einfach jemand der vorbeikommt, aber die Holländer haben gemeint, das sei gängige Praxis bei jene Hostels, die nicht direkt an der Straße liegen, weil das für die die einzige Chance ist, Kunden zu finden. Gut, nachdem ich also nicht alleine war bin ich mit den Holländern in das Auto gestiegen und wenige Minuten später waren wir am Ziel, es waren etwa 1km abseits der Straße gelegene, winzig kleine Holzhäuschen mit jeweils zwei Betten drin. In der Mitte gerade so hoch, daß man drin stehen kann. Ein solches hatte ich für mich alleine. Der Besitzer hat uns dann sogar noch zu einem Laden geführt, wo ich was zu essen und trinken besorgt habe. Wie schon gesagt, russiche Nahrungsmittel sind geschmacklos und fad. Kekse sind hart. Meistens besorg ich mir Joghurt, Obst und irgendwas mit Kalorien. Brot schmeckt grauslich und ist nur mit langweiliger Wurst genießbar. Ich glaub, der viele Wodka, von dem ich bisher gar keinen getrunken hab (nur anderes Zeugs von dem ich nicht genau weiß was es war), hat den Russen einwenig die Geschmacksnerven verdorben. Selbst Fast-Food, das es hier ohnehin nicht gibt, wäre besser. Naja, nach einer Packung Joghurt bin ich schlafen gegangen.

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Irkutsk
photo by: nidge76