Winnipeg

Edmonton Travel Blog

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Als ich morgens aufgewacht bin, lag Alberta bereits weit zurück und "The Canadian" war bereits unterwegs durch Saskatchewan, nach Osten hin die nächste Provinz Kanadas. In der aufgehenden Sonne hat das trockene Gras golden geleuchtet, dazwischen sind immer wieder kleine dunkle Seen und Teiche aufgetaucht. Große Städte gibt es hier nicht, der Zug fährt an einigen sehr kleinen Siedlungen vorbei, teilweise mit weniger als 100 Einwohnern. Wer hier aussteigen will, muß seinen Haltewunsch 48 Stunden vor Abfahrt des Zuges deponieren.

Noch vormittags haben wir die nächste Provinz, Manitoba und damit auch die nächste Zeitzone, "Central Time", erreicht und alle Passagiere wurden aufgefordert, die Uhren um eine Stunde nach vorne zu drehen. Der Großteil der Strecke ist nur eingleisig, daher mußte der Zug immer wieder stehenbleiben, um Gegenverkehr abzuwarten. Passagierverkehr gibt es hier praktisch nicht, dafür verkehren nahezu unendlich lange Güterzüge, auf deren Waggons gleich zwei Standardcontainer aufeinander Platz finden - mangels Oberleitung können die Züge hier natürlich höher sein.

Gegen Mittag hat der Zug Winnipeg, die Hauptstadt Manitobas, erreicht. Dort war eine halbe Stunde Aufenthalt angesagt, um mir ein wenig die Füße zu vertreten, bin ich ausgestiegen. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, den Bahnsteig verlassen zu müssen und so bin ich in einen kleinen Park neben dem Bahnhof gegangen und habe mir dort die Wartezeit vertrieben. Schließlich hieß es wieder anstellen zum Einsteigen und nachdem alle an Bord waren, ging es weiter durch die endlosen Prärien Manitobas. Ebene, wohin das Auge blickt, nur wenige Bäume, aber doch auch einiges Grün dazwischen. In Winnipeg wurde das Zugpersonal getauscht und ich mußte mir, diesmal ganz genau, weil ich gegenüber einer einschlagbaren Notausgangsscheibe saß, nochmals erklären lassen, wie man mit dem Nothammer die Scheibe einschlägt. Die beiden älteren Damen, die vor mir gesessen sind, hat das allerdings ziemlich verunsichert und sie waren ein wenig empört, daß die Sicherheitsunterweisungen nicht etwas ausführlicher ausgefallen sind.

Diese Landschaft hat sich an der Grenze zu Ontario abrupt geändert: Der Zug mußte in Schlangenlinien zwischen unzähligen Seen hindurchfahren. In kleinere Erhebungen wurden während des Eisenbahnbaus kleine Schluchten gesprengt anstatt Tunnels zu bauen, die Felswände haben in der Abendsonne rot vor sich hingeleuchtet. Um eine bessere Aussicht auf diese Landschaft zu haben, bin ich in einen der "Dome Cars" gegangen. Dieser Waggon hat oben eine Glaskuppel, die über den Zug hinausragt, sodaß man eine wunderbare 360° Panoramaaussicht hat. Wider erwarten war kein Mensch dort, was wohl darauf zurückzuführen war, daß die Klimaanlage offenbar auf arktisches Klima eingestellt war. Mit bereits zwei Stunden Verspätung ging der Tag in Sioux Lookout zuende und ich habe wieder versucht, mich halbwegs gemütlich zur Nachtruhe zu betten. Vorher hieß es allerdings nocheinmal Uhren nachdrehen zur "Eastern Time", von hier sind es 6 Stunden Zeitunterschied nach Hause.
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Edmonton
photo by: silan