Ulan Baatar

Ulaanbaatar Travel Blog

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Bin sehr früh aufgestanden, denn der Zug sollte um 07:05 in Ulan Baatar sein. Also noch restlichen Proviant als Frühstück vertilgt und dann zum Aussteigen bereit gemacht. Die für diesen Waggon zuständige Begleiterin, eine ältere rundliche Dame, hat die ganze Fahrt über von Irkutsk nicht gelächelt - und das war auffällig, denn alle Passagiere haben sie angelächelt und versucht, sie dazu zu bringen, zurückzulächeln. Erst kurz vor der Ankunft in Ulan Baatar haben wir uns ein wenig mit ihr unterhalten und siehe da, sie konnte ein klein wenig deutsch - die Unterhaltung hat sie zum Lächeln gebracht, wahrscheinlich war sie ob des nahenden Endes ihrer Schicht erfreut.

Am Bahnhof in Ulan Baatar wurde ich auch wieder abgeholt und bin dann gleich zum Hostel (UB Guesthouse) gebracht worden. Das habe ich schon zuhause gebucht gehabt. Duschen war seeehr angenehm nach zwei Nächten Zugfahrt. Zwei Holländerinnen haben sich auch für dieses Hostel entschieden, weil es angeblich das sauberste in Ulan Baatar ist. Bisher kann ich mich auch nicht beklagen, alles ist sauberer als in Russland. Sind dann gemeinsam durch die Stadt spaziert, über den Suchbataar-Platz. Ich mußte mongolisches Geld beheben (heißt Tukrit oder so ähnlich und etwa 1100 davon entsprechen einem US-Dollar), die Holländerinnen mußten ihr Zugticket nach Peking besorgen. Warum die beiden nur zwei Tage für die Mongolei eingeplant haben, versteh ich nicht ganz, denn selbst die 6 Tage, die ich Zeit habe, sind viel zu wenig. Beim Besorgen der Zugtickets haben wir bemerkt, daß wir offensichtlich in der falschen Zeitzone unterwegs sind, denn unsere Uhren waren eine Stunde zu weit vorn. Die Russen haben uns versichert, in der Mongolei herrsche die gleiche Zeit wie in Irkutsk, aber das scheint ein Irrtum gewesen zu sein, es ist hier eine Stunde früher.

Dann hieß es Nahrung suchen. Bald fündig geworden und für umgerechnet etwa 2,50 EUR ein Beef Tanderloine bestellt. Hmmm, nach dem ungenießbaren russischen Essen war das sehr lecker. Ein "österreichisches Cafe Sacher" war daneben, aber das hat wohl mit dem echten Sacher nichts am Hut. Danach sind wir zu einer großen (der größten der Mongolei) Tempelanlage im Westen der Stadt spaziert. Darin ist die "Buddhist University of Mongolia" untergebracht und es laufen selbst kleine Kinder im rot-gelben buddhistischen Mönchsgewand herum. Um ein wenig zu erholen haben wir uns auf die Stufen vor einem Tempel gesetzt. Nachdem wir einige Zeit die buddhistischen Kinder beim Spielen beobachtet haben, ist aus dem Tempel ein etwa 25jähriger Mönch gekommen. Er konnte sehr schlecht, aber doch ein kleinwenig englisch und hat uns erklärt, daß er hier Lehrer sei. Sein Lehrer selbst sei der Dalai Lama persönlich gewesen. Er hat uns zu dritt in einen der Tempel geführt, uns alles gezeigt und in schlechtem englisch versucht, uns einiges zu erklären. Er hat uns sogar drei Flaschen Wasser besorgt und uns ein Buch über den Buddhismus geschenkt, allerdings in einer mir nicht bekannten Sprache und Schrift, vermutlich Tibetanisch.

Danach hat er uns durch die weiteren Tempel der Anlage geführt - darunter das Highlight: In einem der Tempel ist eine riesige Buddhastatue. Wenn ich schätzen müßte, wie hoch, würde ich sagen 25 Meter - und vollständig vergoldet. Er wollte uns zwar den Eintritt bezahlen (keine Ahnung, warum) aber das wollten wir natürlich nicht annehmen und haben selber bezahlt. Dafür durften wir drinnen fotographieren, was sonst 5 Dollar pro Foto gekostet hätte.

Noch einige weitere Tempel durften wir sehen und danach hat er uns Taubenfutter gekauft und wir sollten damit Tauben füttern. Scheint irgendein eigenartiges Ritual zu sein. Danach hat er uns verlassen und wir hatten das sichere Gefühl, eine Spezialführung durch die Tempelanlage bekommen zu haben. Danach war es schon spät, denn wir sollten um 4 Uhr beim Hostel sein um diverse Touren durch die Mongolei planen zu können. Ich hoffe, mit einem anderen alleine Reisenden eine dreitägige Tour durch näher gelegene Orte machen zu können, aber das wird sich erst herausstellen.

Mein Eindruck von Ulan Baatar bisher ist, daß die Stadt eine Mischung aus Russland und China ist. Es sprechen deutlich mehr Leute englisch als in Russland und sie sind auch freunlicher und offener. Wie mir schon eine Mongolin in Wien gesagt hat, werden hier überall neue Gebäude errichtet - riesige hässliche Wolkenkratzer, ohne Rücksicht auf das bestehende und eigentlich recht nette Stadtzentrum. Links und rechts des Suchbaatar-Platzes stehen die Rohbauten dieser Türme und ruinieren Aussicht und Anblick des Platzes. Schade. Der Buddhismus hinterläßt seine Spuren, ähnlich wie in Japan sieht man oft Tempel oder Tore, die auf Tempel ausgerichtet sind - in markant roter Farbe. Die meisten davon sind aber relativ schäbig, werden aber gerade restauriert. In der Stadt herrscht sehr viel Verkehr und der ist ziemlich chaotisch. Unzählige Polizisten mit Trillerpfeifen laufen herum, können aber gegen das Chaos nichts ausrichten. Auch in Gegenwart von Polizisten dienen Ampeln mehr der Zierde. Lautes Gehupe gehört wohl zum Balzverhalten der Mongolen - in unterschiedlichen Tonlagen ist es auf Hauptstraßen ständig zu hören.

Hier im Hostel hab ich auch bekannte Gesichter wieder getroffen - das englische Pärchen und die beidem Französinnen, die ich in Irkutsk getroffen hatte, sind auch wieder hier. Mit dem englischen Paar bin ich abends essen gegangen, in ein für hiesige Verhältnisse irrsinnig teures Lokal - hat umgerechnet etwa 5 EUR gekostet, war aber sehr lecker.

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Ulaanbaatar
photo by: Biedjee