Telegraph Cove

Telegraph Cove Travel Blog

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Auch heute Nacht haben sich keinerlei Bären oder andere interessante Tiere in die Nähe gewagt. Dafür hat es zu regnen begonnen - ist wohl doch noch nichts mit Frühlingsbeginn. Dem Frühling werde ich wahrscheinlich ohnehin entkommen, wenn ich mich weiter nach Norden begebe. In der Früh bin ich als erstes nach Campbell River weitergefahren, wo ich gestern schon war. Dort habe ich in einem großen Supermarkt nochmals Proviant eingekauft, denn hier beginnt die Einsamkeit des kanadischen Nordens - zwar gibt es kleine Orte mit noch kleineren Lebensmittelhandlungen, die sind aber natürlich weit teurer.

Mein Tagesziel heute war Telegraph Cove, schon ganz in der Nähe von Port Hardy, von wo ich morgen die Fähre nach Prince Rupert nehme. Je weiter ich mich von Campbell River entfernt habe, desto leerer ist die Straße geworden. Ich habe unterwegs einige Male Pause gemacht, davon einmal in der Nähe von Woss an einem kleinen See - es hat gerade nicht geregnet, also bin ich ein wenig am Ufer entlanggegangen.

Gegen halb fünf am Nachmittag habe ich Telegraph Cove erreicht - einen winzig kleinen Ort, der aus einer handvoll Häusern besteht, die zum Großteil auf Pfählen rund um die gleichnamige Bucht errichtet wurden. Der Ort scheint im Sommer eine gewaltige Touristenattraktion zu sein, denn die Fläche der Parkplätze in der Umgebung ist um ein Vielfaches größer als der Ort selbst. Obwohl es noch ziemlich kühl ist, sind die Einwohner schon heftig dabei, den Ort für die kommende Saison auf Vordermann zu bringen.

Im Wesentlichen gibt es nur eine einzige Gasse - und die besteht im Grunde aus einem Holzsteg, an den beiderseits Häuser angebaut sind - ebenfalls aus Holz. Wie der Name des Ortes vermuten läßt, ist er um eine Telegraphenstation entstanden, die vor langer Zeit hier errichtet worden ist. Mit noch einer Besonderheit hat der Ort aufzuwarten: Er liegt an einer Meerenge zwischen Vancouver Island und dem kanadischen Festland. Durch die Gezeiten entsteht eine starke Strömung, die zweimal täglich die Richtung wechselt. Weil das Wasser offenbar warm ist, treiben sich viele Killerwale in dieser Gegend herum - im Sommer gibt es Walbeobachtungsfahrten vom Ort aus.

Die Gegend rund um den Ort ist, wie eigentlich Vancouver Island und ganz Kanada, der Holzfällerei gewidmet. Genauso wie in Neuseeland versteht man darunter auch hier den Kahlschlag riesiger Wälder, wodurch häßliche leere Flächen in der Landschaft entstehen. Die Mengen an Holz, die hier per LKW, Zug und Schiff transportiert werden, sind unglaublich, dagegen sieht die Forstwirtschaft zu Hause wie Freizeitbeschäftigung aus. Die breiten Forststraßen gibt es hier überall, und nachts sind sie natürlich völlig verlassen. Dementsprechend habe ich mich zur Nachtruhe wieder auf eine solche zurückgezogen - nur unweit von Telegraph Cove entfernt, sodaß ich morgen, falls das vorausgesagte schöne Wetter tatsächlich zutrifft, dort nochmals hinfahren kann.
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Telegraph Cove
photo by: willekevand