Sljudjanka

Irkutsk Travel Blog

 › entry 12 of 296 › view all entries

Wir, das englische Paar und ich, haben uns am Vortag dazu entschieden, eine mehrtägige Tour an den Baikalsee zu unternehmen, dieselbe sollte mit dem Rad beginnen. Unser Tour-Guide hat uns Fahrräder samt Helmen (Oh Wunder daß die Russen sowas verwenden!) zur Verfügung gestellt. Wir sind also zum Bahnhof geradelt (Radfahren in russischen Städten ist nicht ganz ungefährlich, gottseidank war der Bahnhof nur wenige Minuten entfernt), wo wir einen Zug nach Sljudjanka genommen haben. Das ist etwa 80km von Irkutsk entfernt und liegt am südwestlichen Ende des Baikalsees. Der Zug braucht dorthin eine Ewigkeit von dreieinhalb Stunden - warum, weiß ich nicht, es ist zwar ein bisschen bergig, aber dennoch erscheint die Zeitspanne etwas lang. Wenige Stationen vor Sljudjanka, noch am Berg, sind wir mitsamt Rädern ausgestiegen. Hat sich als etwas schwierig herausgestellt, denn wir waren im letzten Waggon und dort war kein Bahnsteig mehr. Wir habens aber gesschafft und sind dann auf der Bundesstraße, die eigentlich kaum befahren war, bergab Richtung Sljudjanka gefahren. Dort sind wir ein Stück entlang der Eisenbahn und dann auf eine kleine Halbinsel im See geradelt. Diese Halbinsel besteht im wesentlichen nur aus einem Felsen, von dem man ins kalte Baikalwasser springen kann. Es gibt, wie im Schwimmbad, unterschiedliche Höhen, aus denen man springen kann, 2, 4 und 6 Meter, ich hab dann die goldene Mitte gewählt. Das Wasser hat irgendwas zwischen 14 und 18 Grad, ist also reichlich kalt, also gleich wieder raus und in der Sonne getrocknet.

 

Danach sind wir den gleichen Weg zurückgefahren bis Kultuk. Dort trennen sich die neue und die alte Trasse der transsibirischen Eisenbahn. Die alte Strecke führt als Zirkumbaikalbahn bis Port Baikal weiter - das aber hauptsächlich für Touristen. Dieser eingleisigen Strecke sind wir dann mit dem Fahrrad gefolgt - unmittelbar neben und zum Teil auf den Schienen. Die Züge verkehren hier extrem langsam, nämlich mit etwa 25km/h, sodaß im seltenen Falle eines nahenden Zuges genügend Zeit bleibt, die Schienen zu verlassen. Wenn man sich die Schienen anschaut, weiß man auch, warum das so ist. Viele Nägel fehlen, Schwellen fehlen auch oder sind abgemorscht. Das Wetter war toll, die Abendsonne hat geschienen, sodaß das ein wunderbares Erlebnis war, die Strecke verläuft unmittelbar am Ufer des Sees entlang und führt durch unzählige Tunnel, die wir natürlich auch mit dem Rad durchfahren sind. Schnell sind wir allerdings nicht vorangekommen. Gegen Abend haben wir unsere Unterkunft erreicht: Ein 70 Jahre altes sibirischen Holzhaus zwischen Bahntrasse und See direkt an der Station Smaraja Angasolka.

 

Diese Unterkunft bedarf einer kurzen Beschreibung. Die Inhaberin dieses Gebäudes hat natürlich auch kein Wort in einer mir bekannten Sprache gesprochen. Hat aber nichts gemacht, wir haben sie ohnehin nicht oft gesehen. Gleich hinter der Eingangstür war eine kleine Kochstelle mit schmutzigem Geschirr, rechts eine Tür zu dem Zimmer, in dem wir uns aufhalten und schlafen haben können. Das ganze Haus war voll von Marienkäfern, so viele wie ich sie noch nie gesehen habe, die ganze Decke war voll davon, es waren ohne Übertreibung sicher hunderte davon, wenn nicht tausende. Es waren allerdings "invertierte" Käfer, also schwarze Käfer mit roten Punkten. So schön gelegen das Haus auch war, es war extrem schmutzig. Draußen gab es nur ein sibirisches Klo, das allerdings nicht, wie oft vermutet, aus zwei Holzstangen besteht, sondern im Grunde ein Loch im Boden ist, ähnlich einem Plumpsklo. Von Hygiene natürlich keine Spur, jeder Baum im Wald ist weit hygienischer.

 

Abends hat uns unser Guide verlassen und wir mußten das mitgebrachte Essen kochen. Naja, kochen ist übertrieben, das russische Essen ist nicht besonders schmackhaft und die Russen lieben Fertignahrung mit ekligen Geschmacksstoffen. Solche haben wir dann auch zu uns genommen, einfach Pulver mit kochendem Baikalwasser übergossen und fertig war das Abendessen - Allerdings erst, nachdem wir alles Geschirr und Besteck gründlich gewaschen haben. Das tolle am Baikalsee ist, das man das Wasser direkt aus dem See trinken kann. Das Wasser ist so sauber, daß man es in Flaschen abgefüllt kaufen kann und es schmeckt wirklich gut. Die Russen lieben allerdings kohlesäurehältiges Wasser, was ich nicht verstehe und auch nicht ausstehen kann. Deswegen ist auch das einzige russische Wort, das ich bisher kann, das Wort für "ohne Kohlensäure", nämlich "Negasirowannaja". Es ist aber selbst im Supermarkt nicht leicht, solches Wasser zu bekommen, denn die Russen schütten überall Kohlensäure rein. Egal, zurück zur Hütte, danach haben wir uns schlafen gelegt.

Join TravBuddy to leave comments, meet new friends and share travel tips!
Irkutsk
photo by: nidge76