Signpost Forest

Fort Nelson Travel Blog

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Der Tag hat mit dem gleich begonnen, wie der gestrige aufgehört hat: Bewölkt. Deswegen wollte ich schnellstmöglich nach Watson Lake kommen, den Ort, den ich eigentlich gestern erreichen wollte. Eigentlich ein Ort wie jeder andere entlang des Alaska Highway auch, bestehend aus Tankstellen und Motels, wäre da nicht der "Signpost Forest". Wie der Name schon vermuten läßt, handelt es sich hierbei um einen Schilderwald. Doch nicht jene sprichwörtliche Art, die man in so mancher europäischen Großstadt findet, sondern in der Tat um eine Ansammlung von tausenden, wenn nicht Millionen von Schildern. Sollte jemals in irgendeiner Stadt eine Ortstafel verschwinden, hier sollte man danach suchen. Das ist wohl die größte Sammlung geklauter Schilder, die es auf diesem Planeten gibt.

Traditionshalber nagelt jeder Reisende, der hier vorbeikommt, ein Schild seiner Heimat an einen freien Platz an einem der zahlreichen Holzpfähle. Freie Plätze sind rar, aber offensichtlich werden bei Bedarf neue Pfähle aufgestellt. Wer kein Schild dabeihat, kann sich eines anfertigen lassen. Die meisten Schilder sind jedoch original geklaut. Trotz des nassen Schnees habe ich mich mehr als eine Stunde an diesem kuriosen Ort aufgehalten. Ich wollte natürlich österreichische Schilder finden. Während die Ortstafeln unzähliger deutscher Städte mit ihrer markant gelben Farbe deutlich herausstechen, sind die heimischen Schilder eher zurückhaltend und gehen in der Masse der amerikanischen und kanadischen Schilder beinahe unter - doch die eine oder andere (natürlich originale) Tafel hat ihren Weg aus Österreich hierher gefunden - wie, weiß ich natürlich auch nicht. Auch andere Nationalitäten waren vertreten, der Signpost Forest wäre natürlich nicht komplett ohne das charakteristische Schild mit dem Känguruh aus Australien oder dem Kiwi aus Neuseeland.

Nur wenige Kilometer nach Watson Lake habe ich Yukon verlassen und bin nach British Columbia zurückgekehrt. Kurz nach der Grenze haben zwei Bisons meine Aufmerksamkeit erreigt, die das neben der Straße aus dem Schnee ragende (wenn auch trockene) Gras weit interessanter gefunden haben als meine Anwesenheit. Erst ein paar hundert Kilometer später, während derer endlich die Sonne wieder aufgetaucht ist, habe ich die "Liard River Hot Springs" erreicht. Von einem Parkplatz führt ein mehrere hundert Meter langer Holzsteg durch sumpfiges Gebiet zu kleinen Teichen im Wald, in denen man bei bis zu 45 Grad baden kann. Ich war beinahe alleine und habe die Gelegenheit natürlich genutzt. Zwischen sehr heißen und kühlen Bereichen gibt es alles an Temperaturen, dort wo die heiße Quelle hineinfließt, war mir jedoch etwas zu warm. Der Boden des etwa einen Meter tiefen Naturpools ist mit grauem Schotter bedeckt, das Wasser ist sehr klar und verströmt sehr intensiv das aus Neuseeland vertraute schwefelige Aroma.

Die Landschaft in der unmittelbaren Umgebung unterscheidet sich ein wenig vom Rest, denn die heißen Quellen heben die Durchschnittstemperatur um zwei Grad. Das zieht natürlich auch eine Menge Tiere an und so konnte ich einige Wasservögel (genauere Bestimmung war mir mangels biologisch fundierter Kentnisse nicht möglich) aus nächster Nähe beobachten. Überhaupt hatte ich mit dem heimischen Tierleben heute Glück: Auf der Weiterfahrt haben unmittelbar vor mir zwei Elche die Straße gekreuzt, glücklicherweise war ich wegen einiger junger Felsen auf der Straße extrem langsam unterwegs, sodaß ich einen ungewollten Elchtest vermeiden konnte.

Die weitläufigen Täler sind nun immer enger, beinahe schluchtartig geworden, als ich den Muncho Lake Provincial Park erreicht habe. In dessen Zentrum liegt sehr idyllisch der gleichnamige See, eingeschlossen von hohen Bergen. Die stark gewundene Straße hat hier nur knapp zwischen See und Berg Platz, doch alle paar Meter gibt es großzügige Parkplätze. An beinahe jedem bin ich stehengeblieben, um Fotos zu machen. Im See, dessen Eisdecke gerade am Schmelzen ist, haben sich die von der Abendsonne beleuchteten Berge gespiegelt. Das war zwar wunderschön, hat mich aber viel Zeit gekostet. Erst nachdem die Sonne hinter den Bergen jenseits des Sees verschwunden ist, bin ich wieder weitergekommen. Allerdings auch nur bis ans Ende des Sees, wo ich beschlossen habe, die Nacht zu verbringen. Eine große Schotterfläche hat sich geradezu als Übernachtungsplatz aufgedrängt. Erst später bin ich draufgekommen, daß das wohl einer der zahlreichen Airstrips ist, die in jedem noch so winzigen Ort ärztliche und sonstige Versorgung in Notfällen sicherstellen. Nachdem diese Airstrips allerdings ohne jede Infrastruktur auskommen (keine Gebäude oder Markierungen, von Leuchtfeuern ganz zu schweigen), sind sie nachts unbrauchbar. Trotzdem habe ich mich ganz ans Ende zwischen einen Schmelzwasserbach und der angrenzenden Vegetation gestellt - für Luftfahrzeuge jeder Art unerreichbar.
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Fort Nelson
photo by: SuperGlandeur