Seattle

Seattle Travel Blog

 › entry 210 of 296 › view all entries
Da wir die letzte Nacht im Hafen von Seattle verbracht haben und die Verladearbeiten aus irgendeinem Grund noch nicht begonnen haben, hatte ich eine sehr ruhige Nacht. Nachdem ich alle für einen Landgang erforderlichen Dokumente gestern bereits erhalten habe, wollte ich gleich nach dem Frühstück aufbrechen. Wieder gemeinsam mit den beiden Australiern bin ich mit dem Taxi ins Stadtzentrum gefahren. Das Wetter war regnerisch und sehr kalt, für jegliche Aktivität im Freien also gänzlich ungeeignet, also habe ich beschlossen, Redmond zu besuchen.

Nachdem ich mich also bei der Touristeninformation nach dem Weg nach Redmond erkundigt habe, bin ich ebendorthin etwa 20 Minuten mit dem Bus gefahren. Beim Einsteigen hieß es "Fare Free Area", also habe ich nichts bezahlt. Beim Aussteigen in Redmond wollte der Fahrer 2,50 Dollar. Ich hatte nur fünf Dollar und Busfahrer haben in den meisten amerikanischen Städten kein Wechselgeld, also hat mir der Fahrer freundlicherweise den Betrag erlassen. Von der Bushaltestelle bis zum Microsoft Visitor Center habe ich mich von einem Microsoft-Bus chauffieren lassen - die Fahrt durch das Microsoft-Dorf war kostenlos.

Das Microsoft Visitor Center ist eigentlich ein Witz: Im Grunde nur ein Raum mit viel Selbstbeweihräucherung und einer großen Glasvitrine, die die mit der Geschichte des Unternehmens vollgestopft ist. Der Rest ist den letzten technischen Spielereien gewidmet. Von einem Unternehmen dieser Größenordnung hätte ich eigentlich erwartet, daß sie ein bisschen mehr über sich zu erzählen haben. Im oberen Stockwerk gab es einen Bereich, der dem "Visitor Shopping" gewidmet war. Aus welchem Grund auch immer kann man den Laden nur mit unternehmenseigener Magnetkarte betreten - oder man bittet den Wachmann um Einlaß. Dieser hat mich darauf hingewiesen, daß ich alles kaufen darf, nur nicht Hard- oder Software - das sei den Mitarbeitern vorbehalten. Kleidung mit dem Microsoft-Schriftzug hätte ich also kaufen dürfen. Schlußendlich habe ich aber doch nur meinen Fünf-Dollar-Schein in Kleingeld für die Busfahrt gewechselt.

Als ich das Gebäude wieder verlassen habe, hat es draußen heftig geschneit. Davon ist natürlich nichts liegen geblieben. Ich mußte an meine australischen Mitreisenden denken und daß die wohl nun auf ihre Schneerechnung kommen. Zurück in Downtown Seattle habe ich den "Pike Market Place" aufgesucht, einen Markt, wo es alles und nichts gibt. Dort habe ich Crepes zu Mittag gegessen. Nachdem sich nicht nur Microsoft, sondern auch Boeing in Seattle angesiedelt hat und neben Flugzeugen auch ein "Museum of Flight" gebaut hat, wollte ich mir das am Nachmittag anschauen.

Einige Busse fahren durch einen "Downtown Transit Tunnel", eine Art U-Bahn-Tunnel einschließlich Stationen, durch den statt Zügen Busse fahren. Auf den Bus ins Industriegebiet im Süden, wo Boeing und das Museum ist, mußte ich einige Zeit warten, die Fahrt selbst hat auch gut eine halbe Stunde gedauert, und so war es bereits halb vier, als ich im Museum war. Um fünf Uhr schließt es leider schon und die wirklich interessanten Dinge schließen überhaupt schon viel früher, darunter zu besichtigende Flugzeuge wie die Air Force One oder eine Concorde. Trotzdem habe ich die verbleibenden eineinhalb Stunden genutzt, mir das Museum anzusehen. Dieses ist sehr umfangreich und beinhaltet eine große Sammlung an Flugzeugen aus dem ersten und zweiten Weltkrieg sowie allerlei Mond- und sonstige Weltraumfahrzeuge. War recht interessant, leider hatte ich nicht mehr Zeit. Die zuvor genannten Flugzeuge, die im Freien ausgestellt waren, habe ich leider nur von außen gesehen.

Hinterher war der Schneesturm Geschichte, auf der Fahrt zurück ins Stadtzentrum hat sich Seattle von seiner sonnigen Seite gezeigt. Trotzdem war es bereits kurz vor sechs Uhr, es gab nicht mehr viel zu tun und so bin ich mit dem Taxi zurück zum Hafen gefahren. Am Gate hat mich der Aufpasser nach meinem Shore-Pass gefragt - den brauchen aber nur Crewmitglieder, Passagiere brauchen nur einen Ausweis der Reederei und den Reisepaß. Beides hatte ich, und es hat einige Zeit in Anspruch genommen, den Wächter davon zu überzeugen, daß ich besagtes Dokument ganz sicher nicht brauche. Zurück auf dem Schiff hat der Kapitän bestätigt, daß den meisten Hafenarbeitern ihre eigenen Regeln und Gesetze gar nicht bekannt sind.

Die Abfahrt von Seattle war für drei Uhr morgens, eventuell Mitternacht, angekündigt. So lange wollte ich nicht warten, also habe ich nochmal die Schiffseigene Waschmaschine benutzt, bevor ich mich zur letzten Nachtruhe auf der MS Hansa Flensburg begeben habe - Morgen erreichen wir Vancouver.
Join TravBuddy to leave comments, meet new friends and share travel tips!
Seattle
photo by: diisha392