Schneiderei

Hoi An Travel Blog

 › entry 47 of 296 › view all entries
Heute morgen hab ich noch vor dem Frühstück eine ganze Menge meiner Wäsche der Hotelwäscherei überlassen. Hierzulande ist das mit dem Selberwaschen nicht so einfach, weil die Wäsche wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sehr lange nicht trocken wird. Mein nasser Rucksack trocknet noch immer vor sich hin, aber ich denke bis morgen wird er ganz trocken sein. Frühstück habe ich im Hotel eingenommen, weil beim Zimmerpreis inkludiert. Ich hätte sowas wie Palatschinken haben können, beim Buffet war ein Koch, der dieselben bei Bedarf frisch zubereitet hat. Mir war aber gerade nicht danach.

Nachher habe ich mich bald auf den Weg in eine der Schneidereien gemacht. Zuerst war ich wieder bei jener, die mir das Hotel empfohlen hat. Die ist aber erstens die teuerste im ganzen Ort (wohl weil sie im Lonely Planet empfohlen wird) und zweitens wird man dort geradezu genötigt, etwas zu kaufen. Also bin ich zu einer anderen Schneiderei gegangen, deren Mitarbeiter einen freundlichen Eindruck gemacht haben, hab mir nochmal unterschiedliche Materialien, Farben und Schnitte zeigen lassen. Im Prinzip liegen in den Schneidereien westliche Kataloge auf, aus denen man sich etwas aussuchen kann und das wird dann entsprechend angefertigt. Ich habe es also mit zwei Anzügen und fünf Hemden probiert, der Preis dafür war nach ein wenig Verhandeln etwa 300 EUR. Bekommen habe ich sie natürlich nicht gleich, ich wurde ausgiebig vermessen und nachdem alle Details geklärt waren, hieß es ich könne morgen um 14:00 Uhr zur Anprobe vorbeikommen. Die Schneidereien sind ziemlich schnell, denn die meisten Touristen sind nur wenige Tage da.

Danach bin ich wieder ins Hotel gegangen. Meine Wäsche ist schon fertig gewaschen und trocken vor meinem Zimmer gelegen. Ich habe mich ein wenig ausgeruht und bin dann zum Fotographieren durch die Stadt gegangen - wie schon gesagt, die gefällt mir wirklich gut. Ich war auch am Markt, wo ich Früchte gesehen habe, die mir noch nie zuvor untergekommen sind. Einige Straßen, insbesondere im ganz alten Teil der Stadt, waren immer noch überflutet, sodaß ich dort nicht hingegangen bin. Ich habe aber nachgefragt, derartige Überflutungen kommen jährlich in und nach der Regenzeit zumindest einmal vor.

Überall in vietnamesischen Städten stehen Einheimische mit Motorrädern herum und bieten mit der kurzen Frage "Motorbike?" ihre Dienste Touristen an. Das ist auch die günstigste Möglichkeit, herumzukommen, auch wenn ich sie bisher erst einmal genutzt habe, denn die Distanzen in den Städten sind relativ kurz. Das lustige ist, sobald an die Grenzen des überfluteten Bereichs stößt, lautet die Frage dann "Boat?" und im etwa 15 cm tiefen Wasser könnte ich mich mit kleinen Holzbooten befördern lassen.

Einen kleinen Tempel habe ich auch wieder besucht, aber mittlerweile habe ich genug davon gesehen. Sie sind alle sehr schön und interessant, sehen aber sehr, sehr ähnlich aus. Irgendwann bin ich dann wieder zufällig auf Robert, den Kanadier gestoßen - und wir sind gemeinsam weitergegangen bis wir Hunger bekommen haben. Er hat sich in der Schneiderei einen Ort zum Essen empfehlen lassen, dort sind wir auch hingegangen. Und das war wohl das erste mal, daß wir wirklich originales vietnamesisches Street Food bekommen haben, das war eine sehr interessante Erfahrung. Das Lokal war in einer schmalen Seitengasse. Wir haben uns zu beiden Seiten eines niedrigen Plastiktischs auf kleine Sessel gesetzt und gewartet. Nach einiger Zeit wurde der Tisch mit Frühlingsrollen, Fleisch auf Stäbchen, einer Art dicker Palatschinken mit Gemüse und Reispapier gefüllt. Wir haben uns dann erklären lassen, wie man das ganze ißt, und das funktioniert so: Man nehme zwei Blatt von diesem Reispapier und lege Salat, Frühlingsrolle und Fleisch hinein und wickle das Reispapier danach fest herum. Diese eingerollte Frühlingsrolle ißt man dann und taucht sie gelegentlich in eine der Saucen. War gut, auch wenn das Lokal bzw. die Straße davor nicht besonders sauber ausgesehen hat - Boden voller Essensreste und sobald Gäste aufgestanden und gegangen sind, haben Hunde nach eßbaren Überresten am Boden gesucht.

Nachher sind wir noch in eine Bar gegangen um uns ein wenig zu unterhalten, denn mit dem morgigen Tag trennen sich unsere Wege, ich fahre übermorgen nach Hue zurück, um von dort den Zug nach Saigon zu nehmen, und der Kanadier fährt morgen mit dem Bus weiter Richtung Süden. Nachdem ich wegen der Malariapille keinen Alkohol trinken soll, hab ich mich auf frische Fruchtsäfte beschränkt und Ananas, Banane, Zitrone und Mango probiert - für alle vier insgesamt 1,25 EUR, und das sind Touristenpreise, die Einheimischen zahlen natürlich deutlich weniger. Danach haben wir uns also verabschiedet und ich bin zurück in mein Hotel gegangen - es war etwa 11 Uhr abends, aber die zwei Stunden vorher noch sehr belebte Straße war plötzlich wie ausgestorben, völlig leer. Ich habe mich etwas unwohl Gefühlt, alleine durch die engen dunklen Gassen zu laufen, aber nachdem mir mehrfach gesagt wurde, Hoi An sei die sicherste Stadt Vietnams, habe ich mir keine Sorgen gemacht. Außer ein paar Ratten ist mir auch nichts und niemand begegnet. Überhaupt ist Vietnam ziemlich sicher, denn über Gewaltverbrechen ist mir bisher nichts zu Ohren gekommen. Einzig Taschendiebstahl und gelegentliche Hotelzimmerdiebstähle stehen in den größeren Städten an der Tagesordnung. Wie auch immer, ich kann ohne die eine wie auch die andere Erfahrung auskommen.
Join TravBuddy to leave comments, meet new friends and share travel tips!
Hoi An