Saigon

Ho Chi Minh City Travel Blog

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Nach dem Frühstück habe ich meine Weiterreise organisiert. Morgen fahre ich für zwei Nächte ins Mekong-Delta, von dort möchte ich auf dem Mekong mit dem Boot nach Angkor Wat, einer riesigen Tempelanlage, fahren - wie schon geschrieben, Züge gibt es von hier bis Thailand keine und wenn ich die Wahl zwischen Boot und Bus habe, nehme ich ganz sicher das Boot, auch wenn es vielleicht ein wenig länger unterwegs ist.

Das Wetter war vormittags zumindest schön, also bin ich nocheinmal durch die Stadt spaziert, um jene Sehenswürdigkeiten zu sehen, die ich bisher noch nicht besucht habe. Als erstes bin ich zum Rathaus gegangen. Das stammt so wie das Hauptpostamt, bei dem ich gleich nachher war, aus französischer Kolonialzeit und beide sehen wirklich beeindruckend aus, passen aber kein bisschen nach Asien. Gleich neben dem Postamt ist der Diamond Department Store. Ein Kaufhaus nach westlichem Stil und eigentlich auch westlichen Preisen. Ich habe ein bisschen herumgeschaut, hauptsächlich wegen der Klimaanlage, weil draußen war es ziemlich heiß.

Dann wollte ich eigentlich zum War Museum, das nicht genau dort war, wo es auf meinem Stadtplan eingezeichnet war. Als ich schließlich angekommen bin, war es allerdings geschlossen - Mittagspause. Eine solche habe ich dann also gezwungenermaßen auch eingelegt und nicht besonders schmackhaftes vietnamesisches Fast Food zu mir genommen.

Danach war das Museum wieder offen. In erster Linie gab es Fotos zu sehen - von 25 Journalisten, die den Krieg dokumentiert haben, aber während ihrer dokumentarischen Arbeit getötet wurden, darunter auch ein Österreicher. Die Fotos sind alle sehr gut und man bekommt einen Eindruck von der Gewalt, die auch an Zivilisten ausgeübt wurde. Ein ganzer Bereich war wieder den diversen Giften, die die USA eingesetzt haben (wie Agent Orange, Napalm und Dioxin) und ihren Folgen für die Bevölkerung gewidmet, einschließlich fotographischer Dokumentation der Auswirkungen. Wieder in einem anderen Teil wurden die Konzentrationslager nachgebaut, in denen Gefangene gefoltert und in einer Art Käfig eingesperrt wurden. Sieht zwar völlig anders aus als die bekannten Konzentrationslager in Europa, der Besuch des Museums hinterläßt aber einen ganz ähnlichen Eindruck.

Während meines Besuchs im Museum hat es ziemlich heftig geregnet. Das hat mich daran erinnert, daß ich mir noch einen Schirm besorgen sollte. Am Weg zurück zum Hotel bin ich deshalb zuerst durch den Tao Dan Park gegangen und dann zum Ben Thann Markt. Das ist eine riesengroße Markthalle, wo man allerlei nützliches und nutzloses bekommt. Ich habe sicher eine Dreiviertelstunde gesucht, bis ich endlich einen Schirm für etwa 2 EUR gefunden habe. Man findet dort günstige Kleidung, Taschen, Schuhe, aber im nördlichen Teil auch Lebensmittel. Als ich dort mit dem Fuß gegen eine flüchtende Ratte gestoßen bin, habe ich mir gedacht, es wäre doch besser, dort nichts zu kaufen. Hatte ich aber ohnehin nicht vor. Durch die Markthalle führen von Norden nach Süden bzw. von Osten nach Westen zwei breite Gänge, von denen schmälere Gänge abzweigen, die durch noch engere Gässchen verbunden sind - gerade so breit, daß man noch durchgehen kann.

Abends habe ich mich wieder mit dem Kanadier getroffen. Wir haben uns zwar schon mindestens drei Mal voneinander verabschiedet, aber nachdem wir bisher eine ähnliche Route hatten, immer wieder getroffen. So also auch heute zum Abendessen. Wir sind in ein für vietnamesische Verhältnisse teureres Lokal gegangen, dort gab es Wiesel und Stachelschwein zu essen, das wollten wir natürlich probieren. War eine interessante Erfahrung, aber leider war alles mit Knochen und Knochensplittern durchsetzt, sodaß das Essen eher mühsam war. Das Stachelschwein hat eher nach Rind geschmeckt, das Wiesel hatte einen eigenen zarten Geschmack, aber an den Knochen war bei beidem nicht allzu viel Fleisch dran. Die Krabbensuppe, die ich zuvor bestellt habe, hatte etwa Konsistenz und Aussehen von Tapetenkleister und hat auch ungefähr so geschmeckt, nämlich nach nichts.

Auch heute sind wir danach wieder etwas trinken gegangen - Fruchtsäfte, versteht sich. Allerdings bekommt man hier alles mit Eis und eigentlich ist es eher Eis mit Saft als umgekehrt. Also wollten wir Limonensaft ohne Eis. Der Kellner hat uns gewarnt, es würde dann aber (aus welchem Grund auch immer) heiß sein. Wir haben das auf sein schlechtes Englisch geschoben und gemeint, mit "hot" würde er "nicht kalt" meinen. Tatsächlich war der Saft dann aber so heiß wie Tee. Warum, blieb unklar. Vermutlich, um zu rechtfertigen, warum sonst so viel Eis drin ist. Am Nebentisch saß jedenfalls ein Paar aus Schweden und die haben gemeint, sie hätten Irish Coffee bestellt und der sei aber kalt gewesen - also irgendwas hat mit den Temperaturen der Getränke nicht so ganz gepaßt. Dann haben wir uns verabschiedet, diesmal aber sicher für längere Zeit, denn morgen mache ich mich auf den Weg Richtung Süden und der Kanadier übermorgen auf den Weg nach Hong Kong.
tauzinger says:
ping aileron ... schon in Thailand?
Posted on: Nov 01, 2007
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