Pacific Rim National Park

Ucluelet Travel Blog

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An die Kälte in der Früh habe ich mich schon gewöhnt, also wieder ganz schnell umgezogen und gleich losgefahren. Der Regen, der die ganze Nacht wieder aufs Dach getrommelt hat, hat noch immer nicht aufgehört. Mein heutiges Ziel war ein Teil des "Pacific Rim" Nationalparks namens Long Beach. Um dorthin zu gelangen, mußte ich wieder die ganze Insel der Breite nach durchqueren. Waren es gestern die vielen Schlaglöcher, die mein Vorwärtskommen eingebremst haben, so war es heute das Eis auf der Straße. Schon knapp vor der Küste erreicht die Straße den Lake Kennedy, in dem sich die umliegenden Berge gespiegelt haben.

Bald habe ich den Nationalpark erreicht. Für kanadische Nationalparks muß man leider, anders als in Australien und Neuseeland, Eintritts- bzw  Parkgebühr bezahlen - und das nicht knapp. Beinahe hätte ich einen Jahrespaß erworben - der gilt aber nur für die Parks, die der Staat Kanada verwaltet, nicht für jene, die der Provinz British Columbia gehören. Ob dieser sehr unsinnigen Einrichtung habe ich es bei einem 24-Stunden-Ticket belassen. Der etwa 25km lange Nationalpark besteht im wesentlichen aus dichtem Urwald. Durch den Park führen an unterschiedlichen Stellen Holzstege. Der erste, den ich aufgesucht habe, war auch gleich, der Witterung entsprechend, der "Rainforest Trail", der durch dichtesten Regenwald geführt hat. Gemeinsam mit seinen tropischen Gegenstücken hatte er nur die Feuchtigkeit, bei weitem nicht die Temperatur.

Aber ich mußte nur ein kleines Stück weiterfahren, am "Radar Hill" war der Regen dem Sonnenschein gewichen. Der Hügel ist zwar nicht besonders hoch, aber es ist die höchste Erhebung im Park und man sieht dementsprechend gut auf den Wald und die Küste hinunter. Außerdem führt auf den Hügel die "Tsunami Evacuation Route", die mit genau den gleichen Schildern gekennzeichnet ist, wie ich sie schon in Thailand gesehen habe. Zwar wird vor Tsunamis überall mit Schildern gewarnt, aber die Wahrscheinlichkeit, einen solchen zu erleben, ist vermutlich weit geringer, als einem Bären, Puma oder Wolf über den Weg zu laufen - einer anderen natürlichen Gefahr, auf die vielerorts hingewiesen wird. Bisher ist mir aber noch keines dieser Tiere begegnet - das ist auch gut so, obwohl ich nichts dagegen hätte, einen Bären zu beobachten - solange ich dabei im Auto sitzen kann.

Am Nordende dieser kleinen Halbinsel und des Parks liegt ein Ort namens Tofino - ein Zuhause einiger Begüterter Menschen, die nahezu das ganze Küstengebiet in Privatgrund verwandelt haben, sodaß man auch hier kaum ans Wasser kommt. An diesem Ort hätte ich mir ein wenig mehr erwartet, nach dem ich dort meinen Nahrungsmittelvorrat ein wenig aufgestockt habe, habe ich mich auf den Rückweg gemacht. In der "Grice Bay" wollte ich Mittagspause machen - der kleine Parkplatz an dieser Bucht hat sich als besonders schöner Ort erwiesen. Obwohl das Wasser in der Bucht mit dem Meer verbunden ist, war es so ruhig wie der Lake Kennedy heute morgen. Wie schon an einigen Orten in Kanada hat mich die Stille beeindruckt - kein Laut menschlichen, tierischen oder sonstigen Ursprungs.

Am Südende der Halbinsel liegt ein etwas kleinerer Ort mit dem unaussprechlichen Namen Ucluelet. Um dorthin zu gelangen, mußte ich den Nationalpark wieder durchfahren - nun aber bei Sonnenschein. Angesichts desselben bin ich noch an ein paar schönen Wegen in den Park stehengeblieben, darunter dem "Schooner Cove Trail", der durch sonnendurchfluteten, aber noch immer feuchten Wald an den Strand geführt hat. Bei Ebbe kann man zu Fuß auf eine kleine Insel gehen - Ebbe war zwar gerade, aber heute wohl nicht tief genug. An einem weiteren Punkt bin ich bis zum Strand vorgestoßen, dort habe ich mich mit zwei einheimischen Surfern unterhalten, die mir einen Platz zur Übernachtung empfohlen haben - in Ucluelet.

Auf meiner Karte von Ucluelet war ein Leuchtturm eingezeichnet, den habe ich auch bald gefunden und beschlossen, zu Sonnenuntergang wieder zu kommen. Inzwischen habe ich mich auf die Suche nach dem beschriebenen Übernachtungsplatz gemacht, denn den wollte ich noch bei Tageslicht finden. Auch hier bin ich bald fündig geworden. Beim Leuchtturm führt der West Coast Trail vorbei - entlang einer zerklüfteten Küstenlandschaft. Ich hatte ausreichend Zeit, das Wetter war schön, also bin ich dem Pfad Richtung Norden gefolgt. Immer wieder gab es Aussichtsplattformen, auf einer davon wollte ich dann umkehren, als mein Blick auf einigen Walen in der Ferne hängengeblieben ist, die zwischen den Felsen immer wieder aufgetaucht sind und ihre unübersehbare Fontäne in die Luft geblasen haben. Ein Ehepaar hat das Schauspiel auch bestaunt und mir nachher erklärt, daß es sich um Grauwale handelt. Am Rückweg habe ich mich mit den beiden ein wenig unterhalten. Zurück beim Leuchtturm war die Sonne schon untergegangen, also habe ich mich bald auf den Weg zurück zu dem kleinen Fischerhafen gemacht, wo ich auf einer winzigen Landzunge die Nacht verbringen werde.
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Ucluelet
photo by: margunn