Mount Isa

Mount Isa Travel Blog

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Der Zug hatte eigenartigerweise richtige Jalousien mit Lamellen, die bei den meisten Fenstern geschlossen waren. Trotzdem bin ich, gerade als die Sonne aufgegangen ist, aufgewacht. Ich habe zwar lange nicht so gut geschlafen wie in den Schlafwagen in Asien, allerdings deutlich besser als bei Nachtfahrten im Bus. Ich habe mir im Speisewagen Frühstück besorgt und die vorbeiziehende Landschaft bewundert, die übernacht noch einmal mehr trockener geworden ist. Immer wieder sind einige Känguruhs vorbeigehoppelt, in den wenigen Bahnhöfen waren nicht gerade kleine Lizards zu sehen, die offenbar das Schotterbett der Geleise als ihr zuhause schätzen.

Kurz nach elf Uhr ist der Zug schließlich in Mount Isa angekommen - einer Stadt mitten im Nichts, die nur deswegen dort ist wo sie ist, weil hier vor etwa 150 Jahren große Vorräte an Kupfer, Zink und Blei entdeckt wurden und bis heute abgebaut werden. Der Bahnhof ist auch hier abseits der Stadt und nur ganz winzig. Auf meine Frage, wie man denn ins Zentrum komme, habe ich erfahren, daß das nur mit dem Taxi um teures Geld möglich sei. Vor dem Bahnhof ist mir allerdings eine Reisende ins Auge gestochen, die genauso wenig zu den anderen Zugreisenden gepaßt hat wie ich, nämlich mit überdimensionalem Rucksack ausgestattet, während die meisten anderen im Zug ihre Wurzeln unübersehbar bei den Aborigines hatten. Ich von ihr erfahren, daß sie abgeholt und in eines der Hostels gebracht wird. Also habe ich die Fahrerin einfach gefragt, ob ich mitfahren darf - war auch kein Problem, sie hat mich gleich bei der Busstation abgesetzt, von wo aus ich acht Stunden später weiterfahren wollte.

Dort habe ich zuerst das Busticket nach Darwin für abends gelöst. Die Touristeninformation war gleich nebenan, also habe ich gefragt, was ich innerhalb dieser acht Stunden alles machen kann. Um zwölf sollte eine Führung durch eine der stillgelegten Minen stattfinden, das war in fünf Minuten. Das hat erstens nicht ganz uninteressant geklungen, zweitens war es verglichen mit vielen anderen derartigen Aktivitäten in Australien verhältnismäßig günstig und drittens hegte ich die zarte Hoffnung, daß es unter Tage etwas kühler sein würde - bei meiner Ankunft in Mount Isa hat das Thermometer immerhin 42 Grad gezeigt, eine Temperatur, bei der sich Kontaktlinsen übrigens sehr schnell sehr trocken anfühlen.

Etwa acht Personen haben sich für diese Führung angemeldet - sechs davon leben in Mount Isa. Es waren durchwegs jüngere Leute, die Eltern der meisten arbeiten in der Mine. Einer hat selbst in der Mine gearbeitet und hat seinen schätzungsweise sechsjährigen Sohn dabei gehabt, dem er quasi seinen Arbeitsplatz zeigen wollte. In einer australischen Mine zu arbeiten scheint ein sehr lukratives Geschäft zu sein, jedenfalls wurde mir schon mehrfach gesagt, daß viele Australier aber auch Ausländer für wenige Jahre in einer Mine arbeiten, das Geld sparen und hinterher relativ reich sind.

Jeder bekam Overall, Stiefel, Gürtel, Helm, Stirnlampe und Batterie. So ausgestattet, ging es mit einem käfigartigen Aufzug 20 Meter in die Tiefe in eine sehr kleine Mine. Jene Mine, in der heute immer noch abgebaut wird, ist deutlich tiefer, mehr als 1400 Meter. Wir haben erfahren, daß diese Mine eine Art unterirdische Stadt mit Autos und Straßen ist, das gesamte Netz an Stollen sei über 1000km lang. In dem Schaustollen waren allerdings etwas betagtere Maschinen und Fahrzeuge zu sehen, die uns auch in Aktion vorgeführt wurden. Nach Tee, Kaffee und Keksen im unterirdischen Jausenraum sind wir wieder an die Oberfläche zurückgekehrt und ich habe mir das Minen-Museum gleich nebenan angesehen.

Die ganze Sache hat etwas länger als zwei Stunden gedauert, also immer noch genug Zeit, um mir etwas anzusehen. Etwa 2km entfernt war das Besuchszentrum des Royal Flying Doctor Service. Das war zwar nicht besonders groß, hat aber durchaus interessant Geschichte und Gegenwart der fliegenden Ärzte Australiens beschrieben. Trotzdem es nur zwei kleine Räume waren, habe ich mich etwas länger dort aufgehalten, denn die Klimaanlage war bei der Hitze ziemlich erfrischend. Trotzdem bin ich irgendwann aufgebrochen und auf den Aussichtsberg des Ortes hinaufgestiegen. Dort habe ich mit Aussicht auf das nicht gerade kleine Minengelände auf den Sonnenuntergang gewartet.

15 Minuten später sollte der Bus Richtung Darwin abfahren - das hat sich allerdings noch eine halbe Stunde verzögert. Die Greyhound-Busse befördern offenbar auch Pakete und Briefe für die australische Post, und durch die in der Weihnachtszeit ansteigende Zahl der Postsendungen hat das Verladen derselben etwas mehr Zeit in Anspruch genommen, doch schließlich ist der Bus Richtung Westen abgefahren und hat einige Zeit später die Grenze zu Northern Territories erreicht - das hieß Uhren um eine halbe Stunde zurückdrehen, denn in NT und South Australia herrscht eine etwas eigentümliche Zeitzone, die sich zu den angrenzenden Zeitzonen um 30 Minuten statt einer ganzen Stunde unterscheidet. Unterwegs sind natürlich wieder einige Känguruhs, die die Straße überquert haben, im Licht der Scheinwerfer zu sehen gewesen. Zwei davon waren leider zu langsam und haben die andere Straßenseite nicht mehr lebend erreicht. Während solche Kollisionen mit einem gewöhnlichen Auto durchaus gefährlich sein können, merkt man im Bus kaum etwas davon. Die Greyhound-Busse sind vorne mit mehreren dicken "Känguruhfängern" sowie einem Gitter vor dem unteren Ende der Windschutzscheibe ausgestattet. 
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Mount Isa
photo by: ice4swervin