MS Jonni Ritscher (06)

Montreal Travel Blog

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Der erste Maschinist hat heute für Abwechslung gesorgt: Er hat uns eine Führung durch den Maschinenraum angeboten. Um 10 Uhr haben wir uns in der Offiziersmesse getroffen und wir sind zuerst in den Kontrollraum hinuntergegangen. Dieser Raum ist mehr als 10 Meter lang, auf einer Seite vollständig mit Schalttafeln zugepflastert, auf der anderen Seite reihen sich die Monitore einiger PCs aneinander, über die jeder der tausenden Sensoren abgefragt werden kann. All das haben wir uns erklären lassen, bevor wir Gehörschutz ausgefaßt haben - denn der Motor ist reichlich laut.

Die höchste Drehzahl ist zwar nur 79 rpm, dafür leistet der Motor allerdings fast 17 Megawatt oder mehr als 22.000 PS. Der Antrieb hat sechs ziemlich große Zylinder und füllt einen dreigeschoßigen Raum gut aus. Gut 30 Tonnen Schiffsdiesel werden pro Tag verbrannt - dieser wird allerdings zuvor zentrifugiert, um Schmutz herauszufiltern, auf 130 Grad vorgeheizt und schließlich mit drei Düsen pro Zylinder eingespritzt. Auch die Generatoren, die für die Stromversorgung an Bord sorgen, konnten wir bewundern. Derer gibt es vier - zwar deutlich kleiner als der Motor, aber mindestens genauso laut versorgen sie mit jeweils knapp 1 Megawatt Schiff und Fracht. Weit weniger Lärm macht die Wasseraufbereitungsanlage, die aus Meerwasser täglich bis zu 20 Tonnen Trinkwasser erzeugen kann - in der Regel liegt der tägliche Verbrauch bei etwa 6 Tonnen. Um das Wasser mit Mineralstoffen zu versehen, läuft es einige Male über Steine und Sand, bevor es dann im Wassertank gebunkert wird. Durch all die vielen Räume im Schiffsrumpf laufen unzählige Rohre, deren Inhalt mit Farbcodes markiert ist. Natürlich haben wir auch die Werkstatt sehen können, in der dringend benötigte Ersatzteile notfalls selbst hergestellt werden können. Die ganze Führung hat eine gute Stunde in Anspruch genommen und war natürlich sehr interessant.

Der Rest des Tages ist ähnlich verlaufen wie die Tage zuvor. Die Zeit verfliegt, mittlerweile beträgt der Zeitunterschied nach Hause nur noch zwei Stunden. Die anderen Passagiere reden viel, auch wenn jeder Tag um eine Stunde kürzer ist. Obwohl selbst Deutsche, beklagen sie sich über das Verhalten ihrer eigenen Landsleute, besonders im Ausland. Mich erheitert, wenn sie dann im nächsten Moment genau das tun, worüber sie sich gerade beklagt haben. Trotzdem, sie sind sehr nett und wir kommen gut miteinander aus.

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Montreal
photo by: cvanzoen