MS Jonni Ritscher (01)

Montreal Travel Blog

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Der Tag meiner Abreise hat, wie sollte es anders sein, mit Einpacken begonnen. Damit konnte ich mir allerdings Zeit lassen, denn meine Gastgeber waren so freundlich, mich gegen elf Uhr vormittags am Containerhafen abzusetzen. Wie immer hat mich ein Shuttlebus vom Gate direkt ans Schiff, die "MS Johnny Ritscher", gebracht. Das Schiff selbst ist sehr modern, nicht einmal zwei Jahre alt. Ich wurde gleich zum Kapitän gebracht und der erste Eindruck, den er auf mich gemacht hat, sollte sich als richtig herausstellen. Ein ungepflegt wirkender Deutscher hat sich als Kapitän vorgestellt, mich zur Kabine begleitet und gelangweilt ein paar Dinge erklärt.

Die Kabine ist deutlich kleiner als auf allen anderen Schiffen bisher und die Fenster gehen leider nur nach hinten hinaus. Während ich noch damit beschäftigt war, mein Gepäck zu verstauen, sind bereits die nächsten Passagiere die Treppe heraufgekommen: Ein deutsches Ehepaar, ebenfalls auf der Rückreise nach Europa. Nun war es schon beinahe Zeit zum Mittagessen, wo wir den vierten Passagier, ebenfalls deutscher Staatsbürger, kennengelernt haben - der allerdings hat eine Rundfahrt von und nach Antwerpen gebucht.

Schließlich ist auch der Kapitän in der Offiziersmesse erschienen und hat uns, während wir bereits unsere Suppe gelöffelt haben, sehr rüde aufgefordert, ihm die Pässe zu bringen - sofort. So ganz nebenbei hat er sich, ebenfalls nicht gerade freundlich, darüber beschwert, daß ich mit Kappe am Tisch sitze, woraufhin ich dieselbe abgenommen und neben mir auf den Tisch gelegt habe - auch das hat sein Gemüt nicht besänftigt. Alle Passagiere waren ob dieses Verhaltens schwer überrascht, alle waren zuvor auf anderen Frachtschiffen unterwegs und haben nur freundliche Kapitäne erlebt. Das deutsche Ehepaar ist übrigens so wie ich mit der "MS Hansa Flensburg" nach Vancouver gefahren, mit dem gleichen Schiff, mit dem ich dort auch angekommen bin, allerdings war ich acht Wochen vor ihnen da.

Alles in allem hatten wir Passagiere den Eindruck, daß wir nicht besonders willkommen seien, jede weitere Begegnung mit dem Kapitän hat zu einer Unmutsäußerung seinerseits geführt. Auf allen anderen Schiffen gehört eine Bibliothek und eine großzügige Sammlung an DVDs zur Standardausstattung, nicht jedoch hier. Für mich kein Problem, habe ich mich doch ausreichend selbst mit Literatur und Filmmaterial versorgt, allerdings waren die anderen Passagiere auch hierüber sehr enttäuscht.

Dem Abendessen ist die ganze Mannschaft offenbar ferngeblieben. Ich habe mich ausführlich mit den anderen Passagieren unterhalten. Obwohl das Schiff neuer ist und optisch von außen einen besseren Eindruck macht, ist es bei weitem nicht so luxuriös wie all die anderen Schiffe, mit denen ich gefahren bin. Die Abfahrt war ursprünglich für 22:00 Uhr angekündigt, dann für 24:00 Uhr, aber nachdem um halb zwölf immer noch Container verladen wurden, bin ich doch schlafen gegangen.
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Montreal
photo by: cvanzoen