Livengood

Livengood Travel Blog

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Ob der Ereignisse des gestrigen Tages habe ich beschlossen, mich wieder in die Einsamkeit abseits menschlicher Siedlungen zurückzuziehen. Ursprünglich wollte ich dem Yukon River einerseits und dem Polarkreis andererseits einen Besuch abstatten, doch beide liegen am Dalton Highway - jener Straße, die Fairbanks mit dem hohen Norden Alaskas verbindet. Die Straße ist nicht asphaltiert und war bis vor wenigen Jahren ausschließlich dem Güterverkehr vorbehalten, denn am Ende der Straße befinden sich ausschließlich Anlagen zur Ölförderung. Obwohl die Straße durch faszinierende Landschaft führt, ist sie leider seit kurzem für Mietautos gesperrt - also konnte ich zu diesen beiden Zielen nicht vordringen.

Um den Polarkreis war es weniger schade, dort war ich bereits zuvor an anderer Stelle, den Yukon River, der auch um diese Jahreszeit sehr eindrucksvoll weil breit ist, hätte ich aber schon gerne gesehen. Auch der "Top of the World"-Highway, der über den Yukon River nach Dawson City in Yukon, Kanada führt und der entsprechende Grenzübergang, sind leider erst ab Ende Mai geöffnet. Um von Fairbanks nach Dawson City zu gelangen, muß man während der Wintermonate einen fast 1000km langen Umweg in Kauf nehmen, weil ein 200km langes Straßenstück dazwischen gesperrt ist.

So habe ich meinen Ausflug also abgekürzt und als Ziel den Ort Livengood gewählt, laut Auskunft ein kleiner Minenort. Unterwegs habe ich am Visitor Center der Trans-Alaska-Pipeline angehalten, über die schon gestern im Museum einiges zu lesen war. Dieselbe pumpt Öl aus dem Norden Alaskas über 1200km an einen Hafen im Süden. Das besondere daran ist, daß mehr als die Hälfte der Pipeline oberirdisch verlegt wurde, weil eingraben nicht funktioniert. Die Wärme der Pipeline würde den Permafrostboden auftauen, das Rohr im Schlamm versinken und irgendwann abbrechen. Damit die Fundamente der Steher, die die Pipeline etwa 2m vom Boden entfernt halten, nicht ebenfalls einsinken, müssen dieselben gekühlt werden - mit Heatpipes. An jenen Stellen, wo die Pipeline zwangsläufig unterirdisch verlegt werden muß, zB an Kreuzungen mit Straßen, wird das umgebende Erdreich gekühlt, um ein Einsinken des Rohrs zu verhindern. Das und noch vieles andere Interessante war hier zu erfahren. Nach den gestrigen Erfahrungen war ich aber umso mehr erstaunt, als daß die Pipeline völlig ungeschützt ist. Kein Zaun, keine Warnhinweise, man kann das Rohr praktisch berühren - nur beklettern darf man es nicht. Durch das Rohr fließen 20 Prozent des amerikanischen Öls - in meinen Augen stellt so eine ungeschützte Pipeline ein beträchtliches Sicherheitsrisiko dar, die amerikanische Regierung scheint das wohl anders zu sehen, auch die örtliche Polizei interessiert sich scheinbar eher für friedlich schlafende Reisende.

Ich habe meine Fahrt bald fortgesetzt, die Landschaft nördlich von Fairbanks besteht aus langgezogenen Hügeln, war zwar schön, aber nicht so besonders aufregend. Als ich dann den Beginn des Dalton Highway erreicht habe, habe ich umgedreht - lieber wäre ich dort weitergefahren. Stattdessen bin ich einer Abzweigung nach Livengood gefolgt. Dieser Ort ist zwar auf jeder Karte eingezeichnet, aber es gibt hier wirklich nichts - abgesehen von einer Holzhütte und einer Sammlung von Gerätschaften zur Straßenerhaltung, das scheint der ganze Ort zu sein. Ich habe diesem reichlich unspektakulären Ort einen Sinn verliehen, indem ich ihn bei N 65°30.996' W 148°33.083' zum nördlichsten Punkt meiner Reise erklärt habe. Also habe ich mich wieder auf den Rückweg nach Fairbanks gemacht, aber schon bald habe ich auf einem der Hügel angehalten, angesichts der phantastischen und wolkenfreien Aussicht nach Norden und Nordosten habe ich diesen Ort zum Übernachtsungsplatz erklärt - aber es hat nicht lange gedauert, bis das bereits bekannte Wetterschema wieder eingesetzt hat.
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