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Kiwi360

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Um nach Abschluß meines Telematikstudiums ein bisschen mehr von unserem Globus zu sehen, habe ich beschlossen, denselben einmal in östlicher Richtung zu umrunden - wenn möglich, ohne Flugzeug. Ob mir das gelingt, weiß ich nicht, aber ihr könnt meine Erfahrungen und Erlebnisse jedenfalls hier mitverfolgen. Viel Spaß!

Kiwi360

Hobbiton heute morgen war wolkenverhangen. Unser erster Weg hat uns nach Matamata geführt - auch dort begrüßt ein Schild Ankommende mit den Worten "Welcome to Hobbiton". In der danebenliegenden I-Site, dem Informationsbüro, gibt es eine ganze Menge überteuerter Herr-der-Ringe Devotionalien zu erstehen, darunter das Hobbit-Bier "Sobering Thought". Peter Jackson, der Regisseur, hat die Brauerei gekauft und dort Bier mit einem Alkoholgehalt von 1% brauen lassen - eigens für die Trinkszenen im Film, die natürlich mehrmals gefilmt wurden. Bei normalem Bier wären die Schauspieler nicht lange nüchtern gewesen.

Gegen Mittag haben wir Matamata wieder verlassen. Erst am Abend wollten wir in Te Puke sein, wir hatten also genug Zeit, in Tauranga in die "Hot Salt Water Pools" zu gehen, eine Art Mini-Therme mit aufgewärmtem Meerwasser. Im Grunde nichts Besonderes, aber der Hauptgrund des Besuchs war weniger das Salzwasser als die Duschen, denn Duschgelegenheiten sind in Neuseeland nur sporadisch zu sehen.

Gestern waren wir in einem Kiwi-Haus, heute wollten wir ein weiteres besuchen - in Te Puke stehen allerdings Neuseelands Exportfrüchte Nummer Eins im Vordergrund - nicht die gleichnamigen Vögel. Schon von einiger Entfernung ist die größte Kiwi der Welt, mit der Kiwi360 wirbt, zu sehen - mindestens 10 Meter mißt das Denkmal, das der Frucht hier gesetzt wurde. Für die wenigen Kilometer nach Te Puke haben wir etwas länger gebraucht, als ursprünglich geplant, daher sind wir nur knapp zu spät für die letzte Führung gekommen. Auf unsere Bitte hin, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, sich noch der Führung anzuschließen, hat uns die Kassierin in ihr Auto gesetzt und ist dem kleinen Zug, der durch die Kiwiplantagen fährt, querfeldein nachgefahren sodaß wir doch noch teilnehmen konnten.

Dafür haben wir interessante Dinge über Neuseelands Fruchtikone gehört und außerdem eine Erklärung dafür bekommen, warum ich vor einigen Tagen italienische Kiwis in einem neuseeländischen Supermarkt gefunden habe: Neuseeland exportiert so viele Kiwis, daß der eigene Bedarf nicht mehr gedeckt werden kann. Unmengen an Kiwis werden binnen zehn Wochen geerntet, zwischen 0 und 1°C eingekühlt und dann portionsweise exportiert. Die gekühlten Kiwis halten bis zu neun Monate lang, 50 Prozent der Ernte gehen nach Europa. Normalerweise lassen sich Kiwis so lange kühlen, bis die nächsten geerntet werden. Wenn aber der Vorrat erschöpft ist, muß Neuseeland Kiwis importieren - vorwiegend aus Italien, dem zweitgrößten Kiwiexportland. Und der Import ausländischer Früchte kommt offenbar billiger als eigene Kiwis dem Export vorzuenthalten. Im Grunde war das zwar eine schlüssige Erklärung, aber es ist trotzdem ökologischer Nonsens.

Die Kiwiplantagen, von denen unsere Neuseelandkiwis stammen, sehen aus wie eine Mischung zwischen Obst- und Weingarten. Die Kiwibäume werden in Reihen gepflanzt und ranken sich an Seilen entlang. Während es in China, dem Ursprungsland der Kiwi, 150 unterschiedliche Sorten gibt, werden in Neuseeland nur drei davon kommerziell angebaut. Diese Kiwifelder sind jeweils etwa ein Hektar groß und von sehr hohen und dichten Bäumen umgeben, denn der größte Feind der Kiwipflanzen ist der Wind. Dieser Windschutz aus Bäumen erklärt, warum wir bisher auf unserer Reise keine einzige Kiwiplantage gesehen haben - die sind alle hinter einer dichten Wand aus Bäumen versteckt.

Im Kiwi360 gibt es natürlich auch einen Laden, der alles verkauft, was mit Kiwis zu tun hat oder auch nicht. Neben den grünen gab es auch goldene Kiwis zu sehen, leider aber nicht zu kosten, denn die waren noch nicht reif. Nach Te Puke, wo 80 Prozent der neuseeländischen Kiwis wachsen, haben wir uns auf den Weg Richtung Norden gemacht. Nachdem Stephan seinen Rückflug, der eigentlich gestern gewesen wäre, um eine Woche verschoben hat, haben wir nun noch etwas Zeit, um uns Northland auch noch anzusehen - Neuseelands Norden, die Gegend nördlich von Auckland. Ganz bis Auckland haben wir es heute nicht mehr geschafft, aber in einem etwa 60 Kilometer entfernten Vorort namens Bombay haben wir uns zur Nachtruhe niedergelassen.
76,607 km (47,601 miles) traveled
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