Kanadische Forstwege

Port Alberni Travel Blog

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Natürlich war es heute früh mindestens genaus kalt wie gestern, also gleich Motor angeworfen, um einerseits einzuheizen und andererseits die angelaufenen Scheiben wieder halbwegs transparent zu machen. Geregnet hat es noch immer, weswegen ich nicht, wie ursprünglich vorgesehen, zum Strand gegangen bin. Port Renfrew ist ein winzig kleines Nest, ich habe keine Menschenseele erblickt. Ich stand vor der Entscheidung, entweder die gleiche Route wie gestern zurück- oder eine Schotterstraße nach Lake Cowichan weiterzufahren. Ich habe mich für letzteres entschieden.

Nach einigen Kilometern hat ein Straßenschild vor einer engen und kurvenreichen Straße gewarnt, praktisch war es allerdings eine Forststraße. Kanadische Forststraßen sind deutlich breiter als alle anderen Straßen, theoretisch hätten drei der riesigen Holzlaster, die hier verkehren, leicht nebeneinander Platz. Trotz Regens habe ich unterwegs ein paar landschaftliche Schönheiten erblickt, darunter den "Lizard Lake", ein völlig ruhiges Gewässer. Es war beinahe gespenstisch ruhig, nur einige Vögel haben vereinzelt ein paar Laute von sich gegeben, auch das Echo hat noch einige Zeit über den See gehallt. Von den Bären, die es hier zuhauf geben soll, habe ich noch keinen erblickt, allerdings hat hier ein hungriger Bär seine Spuren in Form ausgeleerter Mülleimer hinterlassen.

Die Straße ist eine zeitlang angestiegen und hat durch eine winterliche Landschaft geführt. Nach etwa drei Stunden habe ich dann Lake Cowichan erreicht, einen Ort am gleichnamigen See. Abermals habe ich mich hier dafür entschieden, die Fahrt durchs landesinnere fortzusetzen, zuerst am See entlang. Das war zuerst auch ganz angenehm, kein Verkehr, Straßen breit wie ein Rollfeld und auch ohne frühlingshaftes Grün beeindruckende Landschaft. Die "Honeymoon Bay" war noch weniger spannend, schließlich bin ich aber an einen Campingplatz am See gelangt, der im Wald zwischen dick bemoosten Bäumen angelegt war. Der war natürlich um diese Jahreszeit noch völlig leer, aber der Besitzer, ein uriger Kanadier, war gerade dabei, für die bald beginnende Sommersaison aufzuräumen. Der Blick auf den See und die gegenüberliegenden schneebedeckten Berge war mehr als beeindruckend.

Die Forststraße war nur so lange wunderbar eben, bis ich ein etwas sonderbares, aber offenbar sehr effektives Straßenreparaturfahrzeug überholt habe. Dasselbe hat offensichtlich ähnlich einem Pflug auf dem Feld vorn die Straße aufgerissen und hinten wieder glattgedrückt. Die nächsten 70 Kilometer haben sich etwas gezogen, denn Schlamm- und Schlaglöcher haben sich abgewechselt und das Vorankommen sehr erschwert. Ich war froh, mich für ein Auto mit Vierradantrieb entschieden zu haben, trotzdem habe ich für die Strecke mehr als vier Stunden gebraucht - statt der eineinhalb, die mir in der Touristeninformation in Lake Cowichan prophezeit worden waren.

Irgendwann am späten Nachmittag habe ich dann endlich Port Alberni erreicht, wo ich bei der nächstbesten Tankstelle das Auto von einer zentimeterdicken Schlammschicht befreit habe. Von hier sind es nur wenige Kilometer zum nächsten See, dem "Sproat Lake". Ich habe gehofft, irgendwo an den Rand des Sees zu kommen und mir den See aus der Nähe ansehen zu können, aber das Ufer ist lückenlos mit offenbar recht luxuriösen Häusern bestückt. Einzig Park- und Campingplatz hat den Zugang zum See ermöglicht - hätte ich dort bleiben wollen, hätte ich dort zehn Dollar zahlen müssen - dafür, daß die ganze Infrastruktur wie Toiletten etc. geschlossen ist, ein etwas teures Vergnügen. In den See hinein ragt eine Halbinsel, die natürlich auch vollständig in Privatgrundstücke aufgeteilt ist. Am Ende einer Sackgasse habe ich dann eine offenbar unbenutzte Einfahrt gefunden, in der ich beschlossen habe, mein Nachtlager aufzuschlagen.
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Port Alberni
photo by: Vikram