Irkutsk
Gestern spät
abends sind plötzlich die beiden Französinnen, die mir schon am Baikalsee
begegnet sind, aufgetaucht. Hat eine Zeit lang gedauert, bis die schlafen
gegangen sind. Die haben noch Unmengen an Wäsche in die Waschmaschine gestopft,
ich hab die Gelegenheit ergriffen und zwei TShirts mitgewaschen. Heute war ich
dann lang im Bett, sicher bis 10. Hab Joghurt und Apfel gefrühstückt. Die
Französinnen mußten zum Bahnhof, Tickets besorgen, haben aber wen gebraucht,
der russisch spricht. Ich mußte zur Bank, Geld abheben, dafür hab ich aber auch
wieder wen gebraucht, der russisch spricht, weil selbst Geld mit Kreditkarte
beheben ist in Russland kein einfaches Vorhaben. Der Betreiber von diesem
Hostel, der übrigens ziemlich chaotisch ist, hat uns dann erst zum Bahnhof und
dann zur Bank begleitet und war uns dort behilflich. Das Geldabheben war
aufwändig, mußte mich lang anstellen, aber schließlich hab ich 6000 Rubel, etwa
180 Euro, behoben. Ein, wenn auch geringes, russisches Monatsgehalt. Der
Hostelmensch hat uns dann verlassen und wir sind in ein Internetcafe gegangen. Internetcafes
in Russland sind seltsam, man muß einerseits für die Zeit zahlen (1
Rubel/Minute) und andererseits für die übertragene Datenmenge (4 Rubel/MB). In
weiser Voraussicht habe schreibe ich meine Blogs am Notebook, speichere sie am
USB-Stick und brauche sie dann nur noch raufladen. Ich hab mich ein wenig über
meine Bank geärgert, nachdem mir meine Bankomatkarte geklaut wurde, hab ich die
Karte sperren lassen und seitdem versuche per Mail Kontakt zu meinem Betreuer
aufzunehmen bzw. zu seiner Vertretung. Das sind jetzt fast zwei Wochen, aber
die haben es noch nicht der Mühe Wert gefunden, meine Anfragen zu beantworten. Dann
hat die Steiermaerkische ein Kontaktformular, in das man - aus welchen Gründen
auch immer, nur 2000 Zeichen eingeben kann - ärgerlich, wenn man einen Roman
getippt hat und ihn dann nicht abschicken kann. Außerdem funktioniert das
Formular oft nicht und der ganze Text ist weg. Ich glaub eines der ersten
Dinge, die ich tue, wenn ich zurück bin, ist die Bank zu wechseln - Support ist
unter jeder Kritik.
Nach dem
Internetcafe hatten wir alle Hunger. Mir stand der Sinn endlich nach schmack-
und nahrhaftem Essen und ich konnte mich erinnern, zuvor eine Art Kebapstand
gesehen zu haben. Dorthin sind wir auch zurück und tatsächlich gabs dort etwas
Kebapartiges mit ganz echt richtigem und gutem Fleisch. War zwar nicht ganz so
gut wie gewohnt aber immerhin deutlich besser als sonstiges russisches Essen. Hab
mir dann auch noch gleich sowas wie fleischgefüllte Palatschinken besorgt. Die
Franzosen haben es als Crepes bezeichnet, waren dann aber enttäuscht, daß sie
etwas dick waren. Ich war froh, endlich was halbwegs brauchbares zu essen
gefunden zu haben. War aber für russische Verhältnisse mit gut 2 EUR relativ
teuer. Irgendwie versteh ich die Relationen nicht ganz, ein Straßenbahnticket
kostet 6 Rubel, das sind nicht mal 20 Cent. Essen ist dann genauso teuer wie
bei uns. Naja, sind dann durch die Stadt zurück zum Hostel gegangen.
Irkutsk ist typisch russisch, hat aber irgendwie keine eindeutiges Gesicht, weil sich ständig Bauwerke völlig unterschiedlichen Stils aneinanderreihen - aber das habe ich glaub ich schon mal erwähnt. Aber auch alles andere ist typisch russisch - Löcher im Boden sind keine Seltenheit, man muß also aufpassen, wo man hinsteigt. An vielen Stellen ist die Straße oder der Gehsteig aufgegraben - Hinweise oder gar Absperrungen gibt es aber keine, die Leute hüpfen einfac über die Gräben drüber. Viele davon sehen so aus, als wären sie vor Wochen aufgegraben worden, würden aber nie mehr zugeschüttet werden. Lustig ist auch, daß an vielen Stellen der Gehsteig mit Betonsteinen gepflastert wird. Unter die Steine kommt eine Schicht Beton. Da aber der Gehsteig beim Betonieren nicht abgesperrt wird, latschen immer wieder Leute in den nassen Beton und das ganze wird völlig uneben. Je weiter man sich vom Stadtzentrum entfernt, desto weniger Straßen oder Gehsteige sind asphaltiert. Die Straßenbahnschienen sind vielerorts gebrochen oder sehen einige Zentimeter aus dem Boden heraus. Die Französinnen haben dann noch heute einen Zug nach Ulan Bator genommen. Ich hab noch zwei Tage hier und weiß nicht genau was ich tun soll, werd morgen nochmal durch die Stadt spazieren. Heute jedenfalls werd ich nicht allzu spät schlafen gehen.










