Hobbiton

Matamata Travel Blog

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Die gestrige Entscheidung, beim Nevins Lookout am Forgotten World Highway zu übernachten, hat sich als richtig herausgestellt. Als wir kurz nach sechs Uhr morgens aus dem Fenster gesehen haben, haben wir ganz ungewohnt die Wolken unter uns statt über uns erblickt. Die Täler rundherum waren mit tiefhängenden Wolken erfüllt. Natürlich sind wir nocheinmal auf den Gipfel hinaufgegangen, von der Straße über eine Wiese nur wenige Minuten entfernt. Gegen sieben Uhr schließlich ist die Sonne hinter dem Wolkenhorizont aufgegangen - ein herrlicher Anblick, den wir so lange genossen haben, bis die Wolken zu steigen begonnen haben und wir schon fast in den Wolken waren.

Die faszinierende Wolken-Nebel-Stimmung hat sich fortgesetzt, als wir den Forgotten World Highway weiter Richtung Norden gefahren sind. Am Ende desselben haben wir Frühstückspause gemacht, bevor wir zu unserem nächsten Ziel aufgebrochen sind: Dem Kiwi House in Otorohanga, wo wir Neuseelands Wappenvogel endlich sehen wollten. Nachdem der Kiwi ein nachtaktiver Vogel ist, der zudem noch extrem scheu ist und außerdem nicht fliegen kann, kriegt man ihn praktisch kaum zu Gesicht. Im Kiwi House wird jedoch der Tag zur Nacht und umgekehrt, sodaß man die Vögel mit dem langen Schnabel wenigstens in Gefangenschaft sehen kann. Es gibt dort zwei Bereiche, in denen die Kiwis zu unterschiedlichen Tageszeiten aktiv sind, sodaß man auf jeden Fall zwei der insgesamt fünf Spezies sehen kann - zwei davon haben wir gesehen. Nachdem es im Kiwi House Nacht ist, ist es sehr dunkel - entsprechend aktiv sind die Vögel, sodaß es leider völlig unmöglich war, Fotos zu machen.

Neben Kiwis waren noch viele andere neuseeländische Vögel zu sehen - allerdings in Gehegen im Freien, die leider einen sehr heruntergekommenen und schlecht gepflegten Eindruck gemacht haben - vermutlich, weil die meisten Touristen nur kommen, um die Kiwis zu sehen. Bevor wir weiter nach Hamilton gefahren sind, haben wir uns noch in Otorohanga mit Vitaminbrause eingedeckt, denn das ungesunde Dosenfutter, von dem wir uns schon seit einiger Zeit ernähren, scheint nicht genug davon zu enthalten und auch die zahlreichen Kiwis (die Früchte, nicht die Vögel), die wir verzehren, decken unseren Vitaminbedarf nicht. Frische bzw. frischzuhaltende Nahrungsmittel können wir mangels Kühlschrank kaum mitnehmen.

Als nächster Punkt auf unserer Route stand eine Schaffarm bei Matamata, besser bekannt als Hobbiton, am Programm. Der letzte Drehort aus der Herr-der-Ringe Trilogie, den wir auf unserer Reise besuchen wollten, ist wohl gleichzeitig der bekannteste. Das Set liegt auf privatem Grund und ist nur im Rahmen einer Hobbiton-Tour zugänglich, die haben wir uns allerdings nicht entgehen lassen. Zum einen ist natürlich die sanft hügelige Landschaft an sich schon sehenswert, zum anderen waren die Hintergrundinformationen zum Dreh wirklich spannend: Die Umgebung wurde vom Regisseur vom Flugzeug aus gefunden und als ideal beurteilt, weil alles aussieht wie im Buch beschrieben. Rundherum sind keine von Menschenhand errichteten Strukturen sichtbar und so wurde ein Teil der Farm in Hobbiton verwandelt.

Allerdings mit riesigem Aufwand: Die New Zealand Army mußte erst eine Straße zum Set bauen, die stark genug war, um schwere LKW mit Filmausrüstung darauf transportieren zu können. Wasser und Abwasserkanäle mußten verlegt, Parkplätze angelegt werden. Ein Generator, der stark genug war, um das ganze Set energetisch zu Versorgen, mußte aus den USA gebracht werden. Früchte würden eigens mit Hormonen vollgepumpt, um sie für den Film größer zu machen und gleichzeitig vergiftet, sodaß sie von Tieren verschont werden.

Zwar befindet sich Hobbiton mitten auf einer Schaffarm, allerdings waren die Schafe für den Film ungeeignet - falsche Sorte, also mußten andere Schafe geholt werden. Ein Baum mußte aus der Umgebung hergebracht werden und weil er schließlich zu kahl war, wurde er von Studenten mit Plastikblättern aus Taiwan bestückt - was drei Monate gedauert hat. Natürlich mußten zahlreiche Kulissen aufgestellt werden - Brücke, Markt, Bar, Mühle und natürlich die Hobbit-Wohnhöhlen. Letztere sind auch das einzige, was noch erhalten ist und das ist einem glücklichen Zufall zu verdanken: Laut Vertrag sollte die Landschaft nach den Dreharbeiten wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Der Abbruch war bereits im Gange, mußte jedoch während schlechten Wetters für einige Wochen unterbrochen werden. Die Grundbesitzer erkannten inzwischen, daß viele Leute die Reste der Dreharbeiten sehen wollten und es gelang ihnen, sich mit der Filmgesellschaft darauf zu einigen, den verbliebenen Rest nicht abzutragen. Dennoch - von den Bildern aus dem Film ist natürlich nichts zu sehen, denn Filmkulissen sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Von besagten Wohnhöhlen ist nur eine begehbar, allerdings ist von den Fassaden nichts übrig: Nur die markant runde Form der Tür- und Fensteröffnungen in Sperrholzplatten erinnert an den Film. Trotzdem waren all diese Geschichten sehr interessant. Die schöne Gegend hat uns im Anschluß dazu verleitet, uns unweit einen Schlafplatz zu suchen.
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Matamata
photo by: MadeleineGL