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Good morning, Vietnam!

Hanoi Travel Blog

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Der Tag hat sehr früh begonnen. Schon um halb eins wurden wir wieder geweckt, für die Chinesen sollten wir noch ein Formular zur Ausreise ausfüllen. Mitsamt überprüfen der Pässe hat das eine ganze Weile in Anspruch genommen und ich bin immer wieder eingeschlafen dazwischen. Das nächste Mal wurden wir um halb drei Uhr morgens an der vietnamesischen Seite geweckt. Wider Erwarten mußten wir inklusive Gepäck aussteigen. Damit hat niemand gerechnet und alle sind halb schlafend ausgestiegen und in das Bahnhofsgebäude gegangen. Dort mußte jeder zunächst zu einem Schalter, um das Einreiseformular abzuholen, dann dasselbe ausfüllen und zu einem weiteren Schalter, Paß und Formular abgeben. Danach mußte jeder zum "Health check" am Quarantäneschalter, der daraus bestand, daß ein Beamter jedem (natürlich das gleiche und ohne Desinfizieren) ein Fieberthermometer ins Ohr gesteckt, die Temperatur abgelesen und schließlich ein "Health Certificate" ausgestellt hat. Dafür mußte man gleich 2000 in vietnamesischer Währung berappen (etwa 10 Cent). Ich hab mir nur gedacht, daß 10 Cent für einen so fortschrittlichen Test, der binnen weniger Sekunden die vollständige Gesundheit feststellen kann, eigentlich nicht viel sind.

Danach mußte man zum Zoll und versprechen, daß man nichts Illegales ins Land bringt, dh. wieder Formular ausfüllen. An einem weiteren Schalter mußten wir unser Zugticket ausstellen lassen. Uns wurden neue Abteile und Betten in einem anderen Zug zugewiesen. Und dann sollten wir noch ein letztes Mal zu dem Schalter, wo wir eingangs die Formulare abgeholt haben. Alles in allem also sehr bürokratisch und das zu nachtschlafener Zeit. Diese Zeit haben wir aber wieder zurückbekommen, denn bei der Einreise nach Vietnam mußten wir die Uhren um eine Stunde zurückstellen, dh. der Zeitunterschied nach Mitteleuropa beträgt nur noch 5 statt 6 Stunden.

Wir durften nun wieder in einen anderen Zug einsteigen, der bei weitem nicht so sauber war wie der chinesische. Es gab keine Bettdecken mehr und der Bettbezug hat so ausgesehen als hätten schon einige zuvor darauf geschlafen. Trotzdem habe ich versucht, ein wenig zu schlafen, mehr schlecht als recht ist mir das auch gelungen.

Vor der Ankunft in Hanoi habe ich alle Reißverschlüsse meines Rucksacks mit Sicherheitsnadeln zugesteckt, nachdem mir eindringlich erklärt wurde, Hanoi sei eine Hochburg der Taschendiebe und diese lenken ihre Opfer gerne ab während sie ihr Gepäck durchwühlen. Nachdem der Zug durch zunächst tropische Landschaft, dann ärmliche Vororte gefahren ist, sind wir schließlich in Hanoi angekommen. Eigentlich habe ich erwartet, abgeholt zu werden, weil das beim Hostel inklusive ist, allerdins habe ich niemanden warten sehen. Ich habe auf die Bitte, mich abzuholen auch keine Antwort bekommen, so daß ich vermutet habe, meine Anfrage sei zu spät gekommen. Nachdem ich auch mehrfach vor den korrupten und viel zu teuren Taxifahrern gewarnt worden bin, habe ich mir auf Anraten des Koreaners aus meinem Abteil (der schon öfters hier war), ein Motorrad mit Fahrer als Taxi organisiert. Ein bisschen unwohl gefühlt habe ich mich natürlich schon, denn Helme gibt es hier freilich keine und die Fahrweise ist für europäische Verhältnisse ziemlich kriminell.

Ich war froh, als wir nach etwa 10 Minuten heil angekommen sind, die Fahrt hat mich umgerechnet 80 Cent, inkl. Trinkgeld für den Fahrer 1 EUR gekostet. Das Hostel hier wird von Australiern betrieben, es ist ziemlich günstig und kostet inkl. Frühstück gerade einmal 4,80 EUR pro Nacht in einem Dormitory mit 10 Betten. Als erstes habe ich mir natürlich eine Dusche gegönnt, denn ich war ziemlich verschwitzt. Es ist ziemlich war hier (keine Ahnung, wie warm) und das Wetter ist schön, obwohl der Wetterbericht ein tropisches Gewitter vorausgesagt hat.

Ich bin dann bald etwas essen gegangen und weil ich Hunger und keine Lust auf kulinarische Experimente hatte, bin ich in ein italienisches Lokal gegangen und habe Spaghetti Carbonara gegessen - war sehr gut. Danach bin ich ein wenig durch die Stadt spaziert, hauptsächlich um den See im Zentrum. Der ist sehr nett, mit einem Tempel auf einer Insel und einer Brücke dorthin. Auch eine Josefskirche gibts hier, die aber abgesperrt war und von außen einen etwas düsteren Eindruck gemacht hat.

Sonst wird die Stadt als sehr ruhig beschrieben. Ist sie stellenweise sicher, allerdings so viele Motorräder auf einem Fleck hab ich noch nie gesehen, die Straßen sind voll davon. Die einzige Möglichkeit, die Straße zu überqueren, besteht darin, die Augen zuzumachen und loszugehen. Was gefährlich klingt, ist es aber nicht, denn Autos und Motorräder sind zwar ziemlich chaotisch, aber sehr langsam unterwegs und weichen gottseidank aus. Die Gehsteige, so vorhanden, sind kaum benutzbar, denn entweder es sind Motorräder darauf abgestellt, es gibt Street Food, es sind Leute am Kartenspielen oder es werden irgendwelche Waren angeboten. Angenehm ist, daß es nicht ganz so stinkt wie in den südchinesischen Städten. In China waren die Straßen zwar vom gröbsten Dreck immer bereinigt, aber verwesende Essensreste konnte man zwar nicht sehen, aber sehr deutlich riechen. Hier auch, aber bei weitem nicht so arg wie in China - speziell Guangzhou war von unangenehmem Geruch erfüllt, aber ich denke das hängt auch von der Temperatur ab.

Nachdem ich heute wirklich müde war, bin ich ins Hostel zurück, nach Einbruch der Dunkelheit aber mit einem Kanadier aus meinem Zimmer Abendessen gegangen. Diesmal vietnamesisch. Mein Hunger hat sich in Grenzen gehalten und so habe ich mich für eine Hühnercremesuppe entschieden. Leider gabs mein Suchtmittel hier nicht, den Traubensaft aus China, aber ich habe schon eine Ersatzdroge gefunden: Frisch gepressten Zitronensaft. Nicht pur, versteht sich, aber sehr gut.
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Hanoi
photo by: mario26