Forgotten World Highway

Taumarunui Travel Blog

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Nachdem wir gestern kein Glück mit dem Sonnenuntergang am Strand hatten, wollten wir es heute mit Sonnenaufgang probieren. Um Richtung Osten sehen zu können, mußten wir noch einige Kilometer ans südliche Ende der Mt. Taranaki Halbinsel fahren. Die Straße zum Strand war jedoch zweimal durch eine Art Kuh-Kreuzung unterbrochen: Wir mußten warten, bis einige Kühe innerhalb eines abgesperrten Bereiches die Straßenseite gewechselt hatten bevor wir die Absperrungen entfernen und durchfahren konnten. Doch abermals war knapp vor dem Strand kein Durchkommen mehr und wir mußten wieder zurück. Ganz abgesehen davon war es im entscheidenden Moment ohnehin bewölkt.

Nicht mehr allzuweit war es zu den Dawson Falls, einem kleinen aber idyllischen Wasserfall mitten im Regenwald, der den Mt. Taranaki umgibt. Der Wasserfall war in wenigen Minuten von der Straße aus zu erreichen, nachher haben wir (endlich bei Sonnenschein), das nahe Visitor Center aufgesucht. An der Größe des noch leeren Parkplatzes ließ sich erahnen, welche Touristenmasen hier tagsüber einfallen und wir waren froh, zu so früher Stunde gekommen zu sein. Nach dem Frühstück haben sich die den Gipfel des Mt. Taranaki einhüllenden Wolken auch noch verzogen und wir konnten endlich einen Großteil des völlig kegelförmigen Berges sehen.

Um 10 Uhr wollten wir in Stratford sein, aber bereits fast eine Stunde früher haben wir den Ort erreicht. Hier gibt es Neuseelands einziges Glockenspiel, das erst unlängst in seiner aktuellen Form fertiggestellt wurde. Nachdem der Ort den gleichen Namen trägt wie Shakespears Geburtsort in England, tragen nicht nur die Straßen Namen von Charakteren aus Shakespears Werken, sondern am Glockenspiel erscheinen dreimal täglich Romeo und Julia. Das (etwas kitschige) Schauspiel dauert fünf Minuten, während derer aus Lautsprechern Musik erklingt und einige markante Verse aus Shakespears wohl bekanntestem Werk rezitiert werden - Mit einem richigen Glockenspiel hatte das natürlich nichts zu tun.

Stratford ist außerdem Ausgangspunkt des "Forgotten World Highway", der 122km durch kaum besiedeltes Gebiet bis nach Taumarunui führt. Der Ausdruck "Highway" läßt, wie in Neuseeland meistens, eine falsche Vorstellung aufkommen, denn praktisch handelt es sich um eine kurvenreiche Straße, die nicht durchgehend asphaltiert ist. Trotz der geringen Besiedelung gibt es unterwegs einiges zu sehen. So haben wir als erstes einen Abstecher zum Makahu Tunnel gemacht. Straßentunnel in Neuseeland gibt es kaum und wenn doch, sind sie aus unterschiedlichen Gründen sehenswert. Dieser bereits einmal eingestürzte Tunnel ist natürlich unbeleuchtet, innen nicht betoniert und wurde vor einigen Jahren nach unten erweitert, sodaß hohe Viehtransporte den Tunnel auch passieren können.

Der "Forgotten World Highway" führt weiter nach Whangamomona, einem 30-Seelen-Dorf, das sich 1989 zur Republik erklärte (die Bewohner waren nicht damit einverstanden, daß ihr Ort von nun an zu einem anderen Bezirk gehören sollte). Damit ist Whangamomona, das im wesentlichen nur aus einer Kirche, einem Hotel, einem Postamt und einem Fleischhauer besteht, sicher noch kleiner als der Vatikan, allerdings bezweifle ich, daß diese Republik von irgendeinem Land jemals anerkannt worden ist - geschweige denn von Neuseeland. Pässe sind im örtlichen Gasthaus erhältlich, alle paar Jahre wird ein Präsident gewählt.

Wie wir den Tag begonnen haben, so wollten wir ihn auch beenden - mit einem Wasserfall. Unser nächstes Ziel waren die Mt. Damper Falls. Auf dem Weg dorthin mußten wir den Moki-Tunnel, der auch auf den klingenden Namen "Hobbit's Hole" hört, passieren - sicher einmalig für einen Tunnel ist die hölzerne Stützkonstruktion an der Decke. Zu den Mt. Damper Falls mußten wir schließlich noch einige Zeit lang fahren, dann noch 20 Minuten durch Weideland wandern. Der kaum wasserführende Wasserfall war weit weniger spektakulär als die riesige ausgewaschene Felswand, über die sich der höchste Wasserfall der Nordinsel in die Tiefe stürzt. Der Ausflug dorthin hat uns relativ viel Zeit gekostet und wir wollten zu Sonnenuntergang am Nevins Lookout sein. Nur wenige Minuten bevor die Sonne hinter den umliegenden Bergen verschwunden ist, waren wir am Gipfel eines Hügels - die abendliche Aussicht war so beeindruckend, daß wir beschlossen haben, unweit von hier die Nacht zu verbringen und morgen früh zurückzukehren.
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Taumarunui
photo by: gbar