Eismuseum

Chena Hot Springs Travel Blog

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Nachts war es, verglichen mit gestern, richtig warm - und das hat sich den ganzen Tag fortgesetzt, tagsüber ist der Schnee in Bächen davongeschmolzen. Für das Nordlicht, das in Fairbanks so gut wie täglich zu sehen ist, war leider eine essentielle Voraussetzung nicht erfüllt: Der Nachthimmel war bei weitem nicht wolkenlos. Morgens habe ich mich ein bisschen umgesehen, das heiße Wasser ist allgegenwärtig und so steigen überall Dampfwolken aus Bächen und Teichen auf. Am Ende meines morgentlichen Spaziergangs habe ich mich für eine Führung im Eismuseum um elf Uhr angemeldet.

Pünktlich um elf Uhr habe ich vor dem Eismuseum gewartet - ich war offenbar der einzige, der sich Vormittags dazu begeistern konnte, also habe ich eine Privatführung bekommen. Das Innere dieses nicht ganz zehn Meter hohen zeltartigen, aber gut isolierten Gebäudes hat der mittlerweile 14fache Weltmeister im Eissschnitzen geschaffen. Darunter sind ein Treppenhaus, völlig aus Eis, eine Eisbar, ein Eisbär, ein Schachbrett mit Figuren aus Eis und, als besonderes Kunstwerk, zwei miteinander kämpfende Krieger auf ihren Pferden.

Außerdem kann man in einem der vier Eishotelzimmer übernachten - in diesen Zimmern ist wirklich alles aus Eis, sogar eine Eistoilette gibt es - an deren Funktionalität zweifle ich allerdings. Minus sieben Grad hat es in diesem Hotel, von den vielen Gästen, die hier angeblich nächtigen wollten, haben es bisher nur sechs zum nächsten Morgen ausgehalten. Nachdem ich letzte Nacht bei -23 Grad im Auto geschlafen habe, hätte ich es gerne probiert, aber die beinahe 600 Dollar pro Nacht waren mir trotz des günstigen Dollarkurses ein klein wenig zu teuer. Auch die 15 Dollar für ein Glas Martini an der Eisbar wollte ich nicht unbedingt investieren, das aus Eis geschnitzte Glas hätte ich allerdings behalten dürfen.

Ebenfalls knappe 600 Dollar kostet eine Trauungszeremonie in diesem Eispalast. Die dauert aber nur wenige Minuten und Hochzeitsnacht und Eismartini für die Gäste sind noch nicht inkludiert. Alle Exponate sind mit ständig in den Farben wechselndem Licht beleuchtet, das die Farben des Nordlichts symbolisieren soll. So wirkt zwar das Eis nicht ganz so kalt, aber die bunten Farben wären mir am Nachthimmel lieber gewesen. Das ganze hat mich natürlich an die Eiskrippe erinnert, die jährlich um die Weihnachtszeit den Landhaushof zuhause ziert, jedoch für gewöhnlich zu schnell ein Opfer der Temperaturen jenseits des Schmelzpunktes wird. Während zuhause teures Spezialeis zum Einsatz kommt, wird das hier benötigte klare Eis winters vom nahegelegenen Beaver Lake in großen Blöcken abgebaut.

Der Rest des Tages ist mit dem Sortieren der Fotos der vergangenen Tage recht schnell vergangen. Für sechs Uhr abends habe ich mich allerdings für eine kostenlose Führung durch das kleine Geothermalkraftwerk angemeldet. Während es solche Kraftwerke in großem Maßstab zuhauf in Neuseeland und Island gibt, ist jenes hier aus mehreren Gründen eine Besonderheit. Chena liegt mehr als 100 Kilometer von der nächsten Stromleitung entfernt, was übrigens auf die meisten Orte in Alaska zutrifft. Strom ist in der Regel extrem teuer, da in den meisten Gegenden Alaskas elektrische Energie mit Hilfe von Dieselgeneratoren gewonnen wird. Alleine die Kühlung des Eismuseums im Sommer würde so mehr als eine Million Dollar verschlingen.

So lag es offenbar nahe, das heiße Wasser, das hier aus dem Boden sprudelt, zur Energiegewinnung einzusetzen. Zwar ist es mit etwa 70 Grad zwar noch zu heiß zum Baden, aber zu kalt, um damit auf effizientem Wege direkt elektrische Energie gewinnen zu können. Vor zwei Jahren wurde hier der Prototyp eines sehr ausgeklügelten Kraftwerks installiert: Das Wasser bringt Kühlflüssigkeit, dessen Siedepunkt niedriger als die Wassertemperatur ist, zum Kochen. Mit dem entstehenden Dampf werden zwei Generatoren mit zusammen 260 KWh angetrieben. Das reicht aus, um Hotel und Campingplatz mit Energie zu versorgen, nicht jedoch, um das Eismuseum zu kühlen. Aber auch dieses wird mit heißem Wasser über ein Verdampfungskühlsystem gekühlt. Die Abwärme des Kraftwerks, das insgesamt nicht größer als 10x10 Meter ist, wird außerdem zum Heizen zweier Glashäuser verwendet. Der außergewöhnlich hohe Wirkungsgrad und die gleichzeitig natürlich extrem umweltfreundliche Energiegewinnung haben der ganzen Anlage, die seit zwei Jahren in Betrieb ist, mehrere Auszeichnungen beschert. Nachdem sich das Konzept offenbar bewährt, sind mittlerweile an anderen Standorten etwa 300 ähnliche Systeme in Bau.

Auch wenn sich abends der tagsüber weitgehend wolkenlose Himmel mehr und mehr in Wolken gehüllt hat, so wollte ich doch noch eine Nacht hier verbringen und mein Nordlichtglück versuchen. Der Campingplatz ist noch geschlossen und so darf ich umsonst hier schlafen. Dunkel wird es erst lange nach zehn Uhr abends, trotzdem habe ich versucht, schon ein wenig früher einzuschlafen, um nachts ein paar Blicke gen Himmel werfen zu können.
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Chena Hot Springs
photo by: schochon