The Canadian

Edmonton Travel Blog

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Nachdem ich heute meinen Aufenthalt im Westen Kanadas beenden wollte, war einpacken angesagt. Nachdem ich ein wenig zu viel Gepäck hatte, das sich teils in den letzten Wochen des Autofahrens angesammelt hat, habe ich einen Teil davon in eine Schachtel gepackt und bin damit zum Drogeriemarkt spaziert - dort gab es ein Postamt, das auch samstags geöffnet hat. Der Rest ließ sich dann problemlos im Rucksack verstauen. Mein Zug sollte laut Fahrplan um 18:20 in Edmonton abfahren. Nachdem ich allerdings beim Bestellen des Tickets mehrfach darauf hingewiesen worden bin, daß ich mindestens eine Stunde vor Abfahrt einchecken muß, war Marshall so nett, mich bereits um fünf Uhr zum Bahnhof zu bringen.

Edmonton ist eine Stadt, die in etwa gleich groß ist wie Wien. Der Bahnhof ist allerdings kleiner als jener von Frohnleiten, Bahnsteig gibt es nur einen. Mehr sind wohl auch nicht nötig, denn hier kommt jeden Tag nur ein Zug vorbei - abwechselnd in die eine, am nächsten Tag in die andere Richtung. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Bahnhof gar nicht zu erreichen. Daran ist zu ersehen, wie beliebt die Eisenbahn als Massenverkehrsmittel in Kanada ist. Der Zug, der auf den Namen "The Canadian" hört, ist auf Kanadas längster Strecke unterwegs und verbindet auf 4466 Kilometern Vancouver im Westen mit Toronto im Osten des Landes. Die ganze Fahrt dauert drei Tage und Nächte, davon habe ich mir eine erspart, dadurch daß ich erst in Edmonton eingestiegen bin.

Natürlich war ich aber viel zu früh am Bahnhof, denn nach fünf Minuten hatte ich mein vorbestelltes Ticket bekommen und mein Gepäck aufgegeben. Während der Wartezeit gab es gratis Kaffee und Tee, die Wartezeit war trotzdem lang, denn der Zug hatte bereits am Weg von Vancouver hierher eine ganze Stunde Verspätung angesammelt. Erst lange nach sieben Uhr abends ist der Zug schließlich angerollt, einfach einsteigen geht in Kanada allerdings auch nicht. Ähnlich wie in China ist der Bahnsteig abgesperrt, erst wenn alles Gepäck verladen ist, dürfen die Passagiere auf den Bahnsteig. Jene mit einem (viel zu teuren) Schlafwagenticket werden mit einer Art Golfwagen zum richtigen Waggon gebracht. Das ist auch nötig, denn der ganze Zug hat 25 silberfarbene Waggons, jeweils mehr als 20 Meter lang, und wird von drei großen Diesellokomotiven gezogen - elektrifiziert ist hier nichts, diesbezüglich ist die transsibirische Eisenbahn etwas moderner. Gemeinsam mit dieser hat "The Canadian" allerdings, daß jeder Waggon über mindestens einen eigenen Schaffner verfügt.

Sitzplatzreservierungen gibt es keine, aber es waren auch genug Sitze frei. Ich habe mir einen Fensterplatz ausgesucht, als der Schaffner das Ticket kontrolliert hat, hat er erst eine Sitzplatzreservierung über meinen Platz geklebt. Das erst allerdings, nachdem die Position aller Notausgänge im Waggon und die Handhabung des Nothammers ausgiebig erklärt wurden. (Von selbst wäre ich nie darauf gekommen, daß man damit im Notfall die Scheibe einschlagen kann.) Die Holzklasse, die ich mir gerade noch leisten konnte, heißt hier "Comfort Class" und in die Sitze sehr komfortabel - mit weitem Abstand zum nächsten Sitz und weit zurückzulehnen. So habe ich es sogar geschafft, über zwei Sitze hinweg eine halbwegs gemütliche Schlafposition einzunehmen.
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Edmonton
photo by: silan