Baikalsee
Ich bin
ziemlich früh aufgewacht, denn sobald es hell war, sind die Fliegen aktiv
geworden und haben mit ihrem lästigen Gesumme den Schlaf geraubt. Nachdem ich
am Vortag den Zeitpunkt des Sonnenaufgangs mit 07:38 berechnet und nun noch
einige Minuten Zeit hatte, habe ich beschlossen, denselben mir anzusehen. Anziehen
habe ich nicht viel brauchen, denn ob der nächtlichen sibirischen Temperaturen
(Heizung hat es keine gegeben) hab ich mitsamt Gewandung geschlafen. Bin also
gleich raus und ein wenig entlang der Eisenbahngeleise spaziert um einen
schönen Punkt zu finden. Die Sonne war schon ein Stück über dem Horizont, ich
hab fotographiert, als meine Kamera plötzlich beschlossen hat, nur noch ein
Drittel der Bilder aufzunehmen. Also ein Drittel Bild, Rest schwarz. Hab mich
natürlich sehr geärgert, aber nach kurzer Reparatur hats wieder funktioniert. Was
allerdings danach nicht mehr funktioniert hat, war der Autofokus. Auch nervig,
aber manuell fokussieren funktioniert ja auch, wenn auch nicht so schnell.
Danach
hab ich mich wieder schlafen gelegt, zumindest hab ichs versucht, aber die
Fliegen haben jeden Versuch zunichte gemacht. Gegen Mittag sind wir, wieder die
Engländer und ich, zu einer kleinen Wanderung aufgebrochen, natürlich mit
Guide. Diesmal ein anderer, nämlich der Bruder von dem vom Vortag. Wir sind
wieder ein wenig entlang der Bahngeleise spaziert, Wetter war schön und nach
etwa 1km haben wir die Bahngeleise bergwärts verlassen und sind ziemlich steil
auf einen der Berge auf etwa 910m geklettert. (Der See und die Bahn liegen auf
etwa 450m). War anstrengend, weil steil. Unser Guide konnte kaum Englisch und
hatte immer das dringende Verlangen, Baumstämme oder große Steine vom Berg
talwärts zu werfen. Wie wir später erfahren haben, ist das in Russland genauso
Unsitte wie auf europäischen Bergen. Naja, in sibirischen Wäldern und auf
sibirischen Bergen ist die Wahrscheinlichkeit, jemandem zu begegnen oder
jemanden mit hinuntergeworfenen Steinen zu verletzen, natürlich deutlich
geringer als bei uns, trotzdem sollte man es natürlich nicht tun. Vom höchsten
Punkt hatten wir jedenfalls eine unheimlich schöne Aussicht auf den See und die
dem Ufer entlangführende Eisenbahn. Von oben hat sie ausgesehen wie eine toll
angelegte Modelleisenbahn.
Der Rückweg
war dann spannend, mir hats aber nicht so gut gefallen, denn der Rückweg war
eigentlich kein Weg sondern einfach querfeldein. Oder eger querwaldein. Der
Waldboden war aber dicht bewachsen, sodaß man den Boden nicht so genau gesehen
hat, viel Gestrüpp und Steine waren im Weg, war nicht besonders spaßig. Dafür
haben wir sibirische Wälder von innen gesehen, im Grunde Urwald, denn da
kümmert sich niemand um irgendwas. Umgefallene Bäume bleiben einfach liegen.
Irgendwie haben wir den Weg zurück zu unserer Unterkunft gefunden. Ich war
ziemlich erschöpft und verschwitzt danach, also war ein Bad im See gerade das
Richtige. War sehr erfrischend, außerdem kann man hier etwas machen, was man
nicht mal in der eigenen Badewanne tut: Das Wasser, in dem man gerade badet,
trinken. Zumindest wenn man wenige Meter von Ufer entfernt ist, kann man das
Wasser völlig gefahrlos aus dem See trinken. Schmeckt einwandfrei und völlig
frisch. (Sollte man aber nicht an jeder Stelle des Sees tun, denn an einigen
wenigen Stellen fließt nicht so sauberes Wasser in den See, das aber umgehend
durch die selbstreinigenden Eigenschaften gereinigt wird.) Die Engländer sind
dann wieder zurück nach Irkutsk gefahren, die haben sich beide nicht
wohlgefühlt, sie hatte Schnupfen. Dafür sind alsbald zwei Französinnen
aufgetaucht, die zum Bergsteigen in Nepal unterwegs waren. Die haben allerdings
ihr Zelt aufgebaut und von deren Anwesenheit hab ich nicht viel mitgekriegt.
Abends
wars aber noch sehr interessant, denn unser Guide hat die russische Sauna
angeheizt, ich glaub die nennen das "Banja". Nachdem die Engländer
schon weg waren, bin ich allein übrig geblieben und mit dem Guide und seiner
Frau in diese Sauna, obwohl das sonst nicht so meins ist, aber ich hab mir
gedacht, Sauna am Baikalsee, wie oft hat man schon die Gelegenheit dazu. Die
Entscheidung war jedenfalls richtig. Die Sauna war ein eigenes kleines Gebäude
unweit jenes Hauses, in dem ich geschlafen habe. Die Sauna war mit einem
Holzofen beheizt. Bin also mehrmals von der Sauna in den See und
zurückgelaufen. Natürlich wieder, wenn durstig, einfach Wasser aus dem See
getrunken. Schmeckt auch nach dem saubersten See der Welt und nach Sauna auch
besonders gut. Russische Spezialbehandlung hats auch gegeben, bin mit mit einer
Mischung aus Salz und Honig massiert worden. In der Sauna ist es so heiß, daß
der Honig flüssig wird. Hab Angst gehabt, das Zeug würde in meinen vielen
Haaren hängenbleiben und nicht mehr rausgehen, war aber unbegründet - bin nachher in den See und es ist alles
wieder problemlos runtergegangen. Eine andere Sache ist, daß in der Sauna ein
Topf mit Wasser steht, in dem Äste von einem Baum sind, dessen Name mir gerade
nicht einfällt. Mit diesen Ästen lässt man sich (natürlich nicht fest) auf den
Körper schlagen und das riecht sehr wohltuend. Alles in allem war es sehr
entspannend, war nachher ziemlich müde.









