Baikalsee

Irkutsk Travel Blog

 › entry 13 of 296 › view all entries

Ich bin ziemlich früh aufgewacht, denn sobald es hell war, sind die Fliegen aktiv geworden und haben mit ihrem lästigen Gesumme den Schlaf geraubt. Nachdem ich am Vortag den Zeitpunkt des Sonnenaufgangs mit 07:38 berechnet und nun noch einige Minuten Zeit hatte, habe ich beschlossen, denselben mir anzusehen. Anziehen habe ich nicht viel brauchen, denn ob der nächtlichen sibirischen Temperaturen (Heizung hat es keine gegeben) hab ich mitsamt Gewandung geschlafen. Bin also gleich raus und ein wenig entlang der Eisenbahngeleise spaziert um einen schönen Punkt zu finden. Die Sonne war schon ein Stück über dem Horizont, ich hab fotographiert, als meine Kamera plötzlich beschlossen hat, nur noch ein Drittel der Bilder aufzunehmen. Also ein Drittel Bild, Rest schwarz. Hab mich natürlich sehr geärgert, aber nach kurzer Reparatur hats wieder funktioniert. Was allerdings danach nicht mehr funktioniert hat, war der Autofokus. Auch nervig, aber manuell fokussieren funktioniert ja auch, wenn auch nicht so schnell.

Danach hab ich mich wieder schlafen gelegt, zumindest hab ichs versucht, aber die Fliegen haben jeden Versuch zunichte gemacht. Gegen Mittag sind wir, wieder die Engländer und ich, zu einer kleinen Wanderung aufgebrochen, natürlich mit Guide. Diesmal ein anderer, nämlich der Bruder von dem vom Vortag. Wir sind wieder ein wenig entlang der Bahngeleise spaziert, Wetter war schön und nach etwa 1km haben wir die Bahngeleise bergwärts verlassen und sind ziemlich steil auf einen der Berge auf etwa 910m geklettert. (Der See und die Bahn liegen auf etwa 450m). War anstrengend, weil steil. Unser Guide konnte kaum Englisch und hatte immer das dringende Verlangen, Baumstämme oder große Steine vom Berg talwärts zu werfen. Wie wir später erfahren haben, ist das in Russland genauso Unsitte wie auf europäischen Bergen. Naja, in sibirischen Wäldern und auf sibirischen Bergen ist die Wahrscheinlichkeit, jemandem zu begegnen oder jemanden mit hinuntergeworfenen Steinen zu verletzen, natürlich deutlich geringer als bei uns, trotzdem sollte man es natürlich nicht tun. Vom höchsten Punkt hatten wir jedenfalls eine unheimlich schöne Aussicht auf den See und die dem Ufer entlangführende Eisenbahn. Von oben hat sie ausgesehen wie eine toll angelegte Modelleisenbahn.

Der Rückweg war dann spannend, mir hats aber nicht so gut gefallen, denn der Rückweg war eigentlich kein Weg sondern einfach querfeldein. Oder eger querwaldein. Der Waldboden war aber dicht bewachsen, sodaß man den Boden nicht so genau gesehen hat, viel Gestrüpp und Steine waren im Weg, war nicht besonders spaßig. Dafür haben wir sibirische Wälder von innen gesehen, im Grunde Urwald, denn da kümmert sich niemand um irgendwas. Umgefallene Bäume bleiben einfach liegen. Irgendwie haben wir den Weg zurück zu unserer Unterkunft gefunden. Ich war ziemlich erschöpft und verschwitzt danach, also war ein Bad im See gerade das Richtige. War sehr erfrischend, außerdem kann man hier etwas machen, was man nicht mal in der eigenen Badewanne tut: Das Wasser, in dem man gerade badet, trinken. Zumindest wenn man wenige Meter von Ufer entfernt ist, kann man das Wasser völlig gefahrlos aus dem See trinken. Schmeckt einwandfrei und völlig frisch. (Sollte man aber nicht an jeder Stelle des Sees tun, denn an einigen wenigen Stellen fließt nicht so sauberes Wasser in den See, das aber umgehend durch die selbstreinigenden Eigenschaften gereinigt wird.) Die Engländer sind dann wieder zurück nach Irkutsk gefahren, die haben sich beide nicht wohlgefühlt, sie hatte Schnupfen. Dafür sind alsbald zwei Französinnen aufgetaucht, die zum Bergsteigen in Nepal unterwegs waren. Die haben allerdings ihr Zelt aufgebaut und von deren Anwesenheit hab ich nicht viel mitgekriegt.

Abends wars aber noch sehr interessant, denn unser Guide hat die russische Sauna angeheizt, ich glaub die nennen das "Banja". Nachdem die Engländer schon weg waren, bin ich allein übrig geblieben und mit dem Guide und seiner Frau in diese Sauna, obwohl das sonst nicht so meins ist, aber ich hab mir gedacht, Sauna am Baikalsee, wie oft hat man schon die Gelegenheit dazu. Die Entscheidung war jedenfalls richtig. Die Sauna war ein eigenes kleines Gebäude unweit jenes Hauses, in dem ich geschlafen habe. Die Sauna war mit einem Holzofen beheizt. Bin also mehrmals von der Sauna in den See und zurückgelaufen. Natürlich wieder, wenn durstig, einfach Wasser aus dem See getrunken. Schmeckt auch nach dem saubersten See der Welt und nach Sauna auch besonders gut. Russische Spezialbehandlung hats auch gegeben, bin mit mit einer Mischung aus Salz und Honig massiert worden. In der Sauna ist es so heiß, daß der Honig flüssig wird. Hab Angst gehabt, das Zeug würde in meinen vielen Haaren hängenbleiben und nicht mehr rausgehen, war aber unbegründet  - bin nachher in den See und es ist alles wieder problemlos runtergegangen. Eine andere Sache ist, daß in der Sauna ein Topf mit Wasser steht, in dem Äste von einem Baum sind, dessen Name mir gerade nicht einfällt. Mit diesen Ästen lässt man sich (natürlich nicht fest) auf den Körper schlagen und das riecht sehr wohltuend. Alles in allem war es sehr entspannend, war nachher ziemlich müde.

Join TravBuddy to leave comments, meet new friends and share travel tips!
Irkutsk
photo by: nidge76