Alice Springs

Alice Springs Travel Blog

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Die aufgehende Sonne hat mich reichlich fr├╝h aufgeweckt. Irgendwann hat der Schaffner verk├╝ndet, da├č es nun Fr├╝hst├╝ck im Speisewagen g├Ąbe, woraufhin alle anderen auch wach waren. Drau├čen war mittlerweile nur noch W├╝ste und vereinzelt einige K├Ąnguruhs zu sehen (viele davon haben sllerdings so ausgesehen, als h├Ątten sie mit den R├Ądern eines Zuges Bekanntschaft gemacht.) Gegen neun Uhr hat der Zug dann Alice Springs erreicht - der erste Ort auf meiner Reise, den ich zuvor schon einmal besucht habe, n├Ąmlich acht Jahre zuvor. Von hier ist es nicht weit zum Ayers Rock, den ich auch bereits gesehen und mir daher erspart habe - obwohl es mir ein wenig leid getan hat, denn eigentlich w├Ąre ich gerne nocheinmal hingefahren. Nachdem ich aber zehn Tage sp├Ąter als geplant in Australien angekommen bin, habe ich beschlossen, jene Orte, die ich bereits kenne, auszulassen, um Zeit zu sparen.

Stattdessen bin ich, weil der Zug wiederum einige Stunden Aufenthalt hatte, in den Desert Park gefahren. Am Weg dorthin hat der Busfahrer auf allgemeinen Wunsch einen Umweg durch den Ort gemacht. Tats├Ąchlich konnte ich mich daran erinnern, einige wenige Geb├Ąude schon einmal gesehen zu haben. Wie der Name schon sagt, gibt es dort Tiere und Pflanzen, die in der W├╝ste leben, die Alice Springs umgibt. Darunter auch ein Geb├Ąude, in dem nachtaktive Tiere in sehr d├╝sterem Licht zu sehen sind, dort ist der Tag quasi umgedreht, tags├╝ber herrscht Nacht und nachts wird das Licht ein- und die Klimaanlage ausgeschaltet, um es f├╝r die Tiere Tag werden zu lassen. Auch ein Kino mit Film ├╝ber die Entstehung der W├╝ste und allerlei anderen Informationen gab es dort - angesichts des klimatisierten Vorf├╝hrraumes eine willkommene Attraktion. Drau├čen hingegen war die Luft erf├╝llt von einem herrlichen Eukalyptusduft. ├ťberraschenderweise war es in Alice Springs aber bei weitem nicht so hei├č wie tags zuvor in Katherine - und schon gar nicht so feucht. Von tropischem Klima nun auch keine Spur mehr, das habe ich in Katherine hoffentlich f├╝r den Rest meiner Reise zur├╝ckgelassen.

Als der Bus mich kurz nach Mittag zum Bahnhof zur├╝ckgebracht hat, waren es zur Abfahrt nur noch wenige Minuten. Wie gestern bereits angek├╝ndigt, war nun tats├Ąchlich jeder Sitzplatz belegt. Auf meinem Fensterplatz hat sich bereits ein schweigsamer Herr mit Vollglatze, seinem Outfit nach zu schlie├čen war er Fu├čballer, niedergelassen. Erst als ich ihn darauf aufmerksam gemacht habe, da├č ich das Ticket f├╝r den Fensterplatz habe, hat er unwillig Platz gemacht. (Auf das Fensterplatzticket habe ich schon bei der Buchung wert gelegt, schlie├člich will ich ja etwas von der einmaligen Landschaft sehen.) Allerdings hat er immer wieder versucht, mir den Platz zu nehmen, wenn ich ihn verlassen habe, ich mu├čte ihn also jedes Mal auf den seinen zur├╝ckscheuchen. (Aber das Ticket war wirklich zu teuer, um auf den Fensterplatz zu verzichten.)

Kurz nach Alice Springs hat es tats├Ąchlich zu regnen begonnen - ein Ereignis, das in der W├╝ste nicht allzu h├Ąufig vorkommt. Es war spannend, zu sehen, da├č der Boden kaum Wasser aufnimmt und wenn dann sehr langsam, denn nach sehr kurzer Zeit hat der Boden durch das spiegelnde Wasser beinahe wei├č gewirkt. Der Regen hat nach einiger Zeit nachgelassen und ist in einen Sandsturm ├╝bergegangen, was dazu gef├╝hrt hat, da├č der ganze Zug, inklusive Fenster, mit Sand verklebt war, den erst der n├Ąchste Regen wieder gro├čteils weggewaschen hat. Den ganzen Nachmittag hat es gewittert und es ist mir sogar gelungen, durch das Fenster einen der vielen Blitze zu fotographieren. Mitten in diesem Gewitter hat der Zug f├╝r mindestens eine halbe Stunde angehalten, um einem G├╝terzug mit Panne eine weitere Lokomotive zu spendieren. ├ťberhaupt mu├č der Zug ├Âfters lange Zeit anhalten, denn die Strecke zwischen Darwin und Adelaide ist nur eingleisig ausgebaut und Ausweichm├Âglichkeiten gibt es nur alle paar hundert Kilometer. Unterwegs hat der Zug ein Denkmal, das an der Millionsten Schwelle errichtet wurde, sowie die Grenze zu South Australia passiert. Nachdem hier im Gegensatz zu Northern Territories Sommerzeit herrscht, wurden die Uhren abends um eine Stunde nach vorne gedreht, der Zeitunterschied nach Hause betr├Ągt also jetzt 9,5 Stunden.

Die Gewitterwolken haben sich gegen Abend zumindest im Westen verzogen und so hat die untergehende Sonne den W├╝stensand sch├Ân dunkel leuchten lassen. Zwecks Fotographieren habe ich mich ans Waggonende zur├╝ckgezogen, denn die T├╝ren sind nur einfach verglast. Daf├╝r gibt es dort auch keine Klimaanlage, soll hei├čen, besonders lange h├Ąlt man es dort nicht aus. Als Abendessen habe ich mir einen Meat Pie im Speisewagen geg├Ânnt. Zwar ist das Zugticket reichlich teuer, das Essen im Speisewagen ist aber durchaus erschwinglich. Der Red Kangaroo Teil des Zuges besteht aus zwei Sitzwagen, einem Lounge-Waggon, einem Speisewagen und einem Schlafwagen. (Das ganze gibts dann nocheinmal in Luxus-Ausf├╝hrung f├╝r Gold Kangaroo.) Nachdem ich mir letzteren wie gesagt nicht leisten wollte (kostet jenseits der 1000.- Dollar), habe ich mich also wieder zu meinem Sitzplatz zur├╝ckgezogen, auf dem - wie nicht anders zu erwarten, bereits mein Sitznachbar geschlummert hat. Nachdem aber auch das Schlafen am Fensterplatz weit gem├╝tlicher ist, habe ich mich wiederum bem├╝├čigt gef├╝hlt, ihn auf seinen Platz zur├╝ckzuscheuchen. Nachdem ich heute also nur einen Sitz f├╝r meine Nachtruhe hatte, war es entsprechend unangenehmer, irgendwann bin ich dann aber doch eingeschlummert.
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Alice Springs
photo by: WandaMichelle