Alaska Museum

Fairbanks Travel Blog

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Des Morgens habe ich mich auf den Rückweg nach Fairbanks gemacht - nicht ohne vorher nochmals in North Pole vorbeizuschauen, wo das Santa Claus House nun geöffnet war. Im Inneren befindet sich ein nicht gerade kleiner Laden, in dem ausschließlich Zubehör für das Weihnachtsfest zu finden ist, das allermeiste davon war natürlich unendlich kitschig. Dazu passend gibt es natürlich Weihnachtsmusik im Hintergrund - unabhängig von der Jahreszeit und von der Tatsache, daß sich das Winter Wonderland vor der Türe gerade in braunen Matsch verwandelt. Das eigentlich Interessante waren aber weder die Weihnachtsdekorationen noch die Weihnachtslieder, sondern die unzähligen Briefe, die jede freie Stelle an den Wänden zieren. Hier trudeln jedes Jahr zu Weihnachten unzählige Briefe ein, die von Kindern in vorweihnachtlicher Euphorie an "Santa Claus, North Pole, Alaska" adressiert sind. Die kindlichen Briefe, zumeist mit Zeichnungen versehen, sind teils sehr amüsant zu lesen.

Nach dem Besuch dieser Weihnachtswelt bin ich nun endlich nach Fairbanks weitergefahren, konnte dort aber kein Stadtzentrum ausfindig machen. Im Grunde ist es eine eher heruntergekommene Stadt, die natürlich auch zu Zeiten des Goldrauschs entstanden ist - im Gegensatz zu Skagway ist aber davon nicht mehr viel zu sehen. Attraktionen gibt es hier nur wenige und so bin ich zur University of Alaska (überall mit der eindeutig mehrdeutigen Abkürzung "U of A" beschildert) gefahren, die im Nordwesten der Stadt auf einem Hügel liegt. Dort gibt es, neben den zahlreichen Instituten, die sich natürlich mit Bergbau und Geophysik auseinandersetzen, ein Museum of Alaska.

Dieses besteht im Grunde aus drei Teilen, der erste beherbergt eine eigentlich schlechte, weil viel zu vollgestopfte Sammlung an Werken Alaskas Maler, der zweite eine wirklich spannende Darstellung der (Natur)geschichte des Landes und der dritte eine Mischung von beidem. Den ersten Teil habe ich nach wenigen Minuten abgehakt, die Malereien haben zwar Motive des Nordens gezeigt, waren sonst aber nicht besonders aufregend, außerdem waren es einfach zu viele auf zu kleinem Raum. Teil drei war interessanter, im Grunde ging es um Kunstwerke des Alltags, also hauptsächlich kunstvoll verzierte Alltagsgegenstände diverser Eskimos. Mit dem interessantesten Teil zwei habe ich meinen Besuch beendet. Was Ötzi für Österreich ist, ist "Blue Babe" für Alaska: Ein mehrere tausend Jahre im Eis konserviertes Rind, das offenbar im frühen Winter von einem Löwen getötet und danach im Permafrost einige Jahrtausende konserviert wurde. Zwar gibt es nicht das Original, aber eine lebensgroße Kopie des Tieres zu sehen, genauso wie ausgestopfte Vertreter anderer Tiere des Nordens, Bären, Wölfe und allerlei Geweihträger. Nicht fehlen durften natürlich allerlei Geschichten über den Goldrausch, da war das Museum in Skagway aber aufschlußreicher. Ein großer Teil war natürlich auch dem Nordlicht gewidmet, mit dessen Erforschung man sich an der örtlichen Universität beschäftigt.

Nach meinem gut zweistündigen Aufenthalt war ich igentlich schon etwas müde. Die Suche nach einem zur Nordlichtbeobachtung geeigneten Übernachtungsplatz habe ich bald aufgegeben, denn das Wetterschema ist wieder einmal das gleiche: Abends bildet sich eine dichte Wolkenschicht. Ich habe schließlich nur unweit des Museums neben einem Gehege geparkt, in dem die Universität Moschusochsen züchtet, offenbar eine Art Wiederbelebungsprogramm für diese in Alaska zuvor ausgerottete Rasse. Daß Alaska Teil der USA ist und daß, obwohl etwas abseits gelegen, die charakteristische Paranoia auch in den 49. Staat vorgedrungen ist, hat die Tatsache bewiesen, daß nur kurz, nachdem ich eingeschlafen war, ich mich im Schein der Taschenlampen zweier Polizisten wiedergefunden habe, die wissen wollten, was ich hier mache. Nachdem ich ihnen meine (scheinbar nicht offensichtliche) Absicht dargelegt habe, durfte ich wieder weiterschlummern. Tagsüber habe ich kurz auf dem Parkplatz eines Friedhofs angehalten - dort schauen gerade die Spitzen der Plastikblumen des Vorjahrs aus dem schmelzenden Schnee. Auch hier mußte ich mich und meine Anwesenheit vor einem Friedhofswärter rechtfertigen, der plötzlich mit einem Bagger bewaffnet vor mir stand. So wirklich willkommen fühle ich mich hier jedenfalls nicht.
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Fairbanks
photo by: Hummingbird