San Christobal - letzter Tag

San Cristobal de Las Casas Travel Blog

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Heute gab's eine Tour durch zwei "Dorfer" (zwischen 100000 und 35000 Eionwohner) in der direkten Umgebung von San Christobal. Wir hatten auch echt Glueck mit unserem Guide, der uns sehr sehr viel erzaehlen konnte...
Im ersten "Dorf", Zinacantan, waren wir bei einer Familie "zu Gast". Allerdings war dieser Verkaufsbesuch weit angenehmer als ich es von solchen Touren normalerweise gewohnt bin. Der Guide hat uns viel ueber die Traditionen in den beiden Orten erzaehlt, waehrend die Frauen und Maedchen um uns herum ihren Taetigkeiten nachgegangen sind. Danach haben wir gesehen, wie Tortillas gebacken und Kleidungsstuecke gewebt werden. Zum Schluss haben Jule und ich sogar jeder einen Schal gekauft, ein deutliches Zeichen, dass es uns gefallen hat!
Interessant ist, dass man hier die Bewohner der verschiedenen Orte an ihren Kleidungsstuecken unterscheiden kann. So tragen die Maenner aus Zinacantan mit Blumen bestickte Ponchos und die Frauen die Gegenstuecke als Roecke, waehrend Bewohner aus Chamula weisse oder schwarze (mehr oder weniger fusselige und verfilzte) Wolle benutzen.
Kulturell bildet Chamula anscheinend eine absolute Ausnahme unter den regionalen Gemeinden. Normaler Weise wird Frauen in diesem Land eine Menge Respekt entgegen gebracht und Bildung etc ist fuer sie zugaenglich. Die Bewohner von Chamula leben in Polygamie. Allerdings wird nicht geheiratet, sondern eine Frau (meist ein junges Maedchen, ab 25 wird man als alt angesehen) wir von einem (meist wesentlich aelteren) Mann gekauft! Die Frau hat keine Rechte. Wenn der Mann sie nicht mehr haben will oder stirbt kann die Frau sich zwischen harter Arbeit auf dem Feld, Prostitution oder der Flucht aus dem Dorf entscheiden. Es gibt keine Unterstuetzung von Verwandten. Seit der Kolonialisierung durch die Spanier wehrt sich der Ort - bzw die Maenner/"Authorities" (ein haufen alter Maenner mit extrem bunten Hueten...) - gegen alles neue und Fremde. Touristen sind nicht gerne gesehen, und wer aus dem Dorf den Traditionen nicht entspricht (zB zum christlichen Glauben uebertreten...) wird verstossen. In San Christobal leben zZ wohl ca 20000 Verstossene aus Chamula, zumeist in den Slums am Stadtrand. Auf diese Weise hat sich allerdings ein sehr interessantes Leben im Ort erhalten, vor allem was die Religion und die Medizin betrifft. Auf dem Hauptplatz steht zwar eine Kirche, jedoch gibt es schon seit Jahren darin keinen christlichen Gottesdienst. Die Bevoelkerung nutzt die Kirche um den alten Goettern (denen der Maya noch sehr aehnlich, allerdings in Gestalt von katholischen Heiligen) zu huldigen oder um Rituale zu Heilung von Krankheiten durchzufuehren. Dies bedeutet: bei Krankheit wird ein Medizinmann/frau geholt, der im Auftrag des Kranken 5 Tage lang Gebete spricht und Kerzen herunterbrennt und am fuenften Tag je nach Schwere der Erkrankung (am Puls diagnostiziert) ein Opfer in Form von Eiern oder Huhnern bringt. Auch Huhn ist nicht gleich Huhn, bei leichten Erkrankungen ein weisses, dass kann dann danach auch gegessen werden, bei schweren ein braunes oder schwarzes - die muessen dann allerdings bestattet werden. Das Innere der Kirche ist dementsprechend voller Leben - und voller Kerzen auf einem mit Kiefernnadeln bedecken Boden. Da Bild ist phantastisch durch das warme Licht und die ganzen Menschen die auf dem Boden und die Blumendekorationen... Immer wieder wird (uebrigens auch in San Christobal und anderen Orten) bei bestimmten Anlaessen Feuerwerk angezuendet (in San Christobal sind wir dadurch auch mehrmals geweckt worden). Als wir auf dem Vorplatz der Kirche waren haben wir auch noch ein kleines Fest mitbekommen - zu lauter Musik haben junge Maenner in einer Art stierfoermigen Drahtgestell getanzt, sich gegenseitig gejagt und irgendwann das Feuerwerk an den Gestellen angezuendet, um dann "knallend" ueber den Platz zu rennen... Sehr faszinierend!
Zuerueck in San Christobal haben wir wieder bei "Pasta fresca" gegessen (wo wir gleich uebrigens nochmal hingehen, ist echt verdammt gut!) und uns die letzten verbliebenen Einke und den Markt der Stadt angesehen. Ein schoener Abschluss fuer diesen schoenen Ort. Morgen frueh um 6.00h gehts weiter...
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